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CD-Besprechung

A.E. Chabrier • F. Chopin • C. Debussy • F. Durante • J.N. Hummel • D. Scarlatti

Bella musica 1 CD BM312461

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 18.05.15

Bella musica BM312461

1 CD • 78min • 2013

Ein interessantes, eigenwilliges Programm bietet hier der Berliner Pianist Manfred Reuthe. Es handelt sich um musikalische Abstecher und musikantische Verweildauern in verschiedenen europäischen Ländern – die nördliche Hemisphäre ausgenommen. Interessant und eigenwillig in der Werkanordnung vor allem insofern, da Reuthe sich nicht scheut, solche Vorlagen von Francesco Durante und Johann Nepomuk Hummel spielend einzuarbeiten, die man getrost unter der Rubrik „Rarität“ einordnen darf. Dabei erweitert Reuthe nicht nur den Blick auf das klavieristische Repertoire, er lenkt auch die Aufmerksamkeit auf das kompositorische und ganz allgemein auch auf das musikkulturelle Umfeld der Persönlichkeit Domenico Scarlattis. Denn Francesco Durante (1684 – 1755) war ein Zeitgenosse des italienischen Sonaten-Artisten, sein schöpferisches Hauptaugenmerk lag allerdings auf den Gebieten der Kirchen- und der Kammermusik. Nicht bekannt war mir, dass der in Neapel von Gaetano Greco und dann auch von Alessandro Scarlatti ausgebildete Durante Stücke für Klavier geschrieben hat. Zwei Beispiele von knapper Spieldauer hat Manfred Reuthe ausgesucht – ungewöhnlich formatierte Zweierpaketchen, deren erster Abschnitt als „Etüde“, der zweite als „Divertimento“ ausgewiesen ist. Der kleine pianistische „Lehrauftrag“ nimmt bei drei, bzw. vier Minuten Aufführungsdauer die meiste Zeit in Anspruch. Das finale Divertimento ist nichts anderes als eine finale aufgeräumt daher schwänzelnde Fußnote.

Bei der zweiten programmatischen Besonderheit handelt es sich um Hummels gediegen-brillante, eher unauffällig gestaffelte Variationen über das holländische Lied „Wilhelmus von Nassauen“. Mit ihnen zeigt sich Reuthe nicht nur der in letzter Zeit etwas engagierteren Hummel-Pflege dienlich – ich denke etwa an die Initiativen des Pianisten Howard Shelley! –, sondern sein Vortrag enthält auch schöne Beispiele überprüfter, beherrschter Geläufigkeit und auch der plastischen Ausarbeitung gegensätzlicher Variationsmuster.

Literarisch passend zu Durantes Bonsai-Formaten ist – wie schon erwähnt – der CD-Einstieg mit fünf Scarlatti-Sonaten. Reuthe, das zeigt sich hier, nimmt sich nicht immer Zeit, ein beschleunigtes Zeitmaß, eine bewegte Thematik wirklich auszukosten, also den einzelnen thematischen und weiteführenden Vorgängen sozusagen Luft zu lassen. So wirkt die einleitende d-Moll-Sonate (L 366) nicht nur sorglos, sondern gehetzt serviert. Nicht annähernd so elegant, gleichsam mediterran durchflutet wie etwa in Aldo Ciccolinis fast schon historischer EMI-Einspielung. Erst im Cantabile einer anmutigen C-Dur-Sonate und im pastoralen Tonfall der Sonate L 413 gelingt es Reuthe, gefühlvolle Anschaulichkeit ohne jeglichen Virtuositätsstress an- und auszuspielen, so wie er auch den flotten Terzensalven der so genannten „Jagdsonate“ L 104 anzumerken ist.

Manfred Reuthe ist kein Alchemist des Klanges, kein Zauberer der klanglichen Zwischen- und Extremwerte, aber er versteht es, die gewählten Stücke von Chopin und Debussy klar konturiert, wenn nötig auch mit Schwung und orchestrale Fülle in Szene zu setzen und auf zuverlässiger Betriebstemperatur zu halten. Dies durchaus mit ansprechenden, in den Debussy-Partien gelegentlich auch feinfühligen Momenten, sofern die Partituren – wie im unschuldig-lyrischen Nocturne – auch Zeit zur manuellen Positionierung lassen.

Chabriers muntere Bourée bestätigt in Reuthes drängender Wiedergabe die im Titel bezeichneten Fantastik. Eine Musik mit melodischen, rhythmischen und tonlich rasant repetierten Frischzellen, bei deren Aktivierung sich Reuthe nun durchaus auf dem Niveau des anfangs genannten Aldo Ciccolini bewegt. Nicht ganz auf dem Niveau heutiger Veröffentlichungen zeigen sich Redaktion und Ausführender, wenn sie dem Hörer bei den Scarlatti-Sonaten weder die Longo- noch die Kirkpatrick-Nummern mitteilen…

Scarlatti, Chabrier: Ciccolini (EMI 50999685824 5)

Peter Cossé [18.05.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Scarlatti Sonate d-Moll (Allegro moderato) 00:02:03
2 Sonate D-Dur (Non Presto ma tempo di ballo) 00:02:40
3 Sonate C-Dur (Cantabile) 00:03:33
4 Sonate d-Moll (Pastorale) 00:03:16
5 Sonate C-Dur (Allegro) 00:02:02
6 F. Durante Etüde und Divertimento g-Moll 00:03:08
7 Etüde und Divertimento B-Dur 00:04:17
8 J.N. Hummel Acht Variationen über ein holländisches Lied op. 21 (Wilhelmus von Nassauen) 00:12:01
9 F. Chopin Impromptu Nr. 2 Fis-Dur op. 36 00:05:45
10 Barcarolle Fis-Dur op. 60 00:08:01
11 C. Debussy Ballade (slave) L 70 – Andantino con moto (tempo rubato) 00:06:29
12 Nocturne L 89 00:05:14
13 Estampes für Klavier solo 00:12:36
16 A.E. Chabrier Bourrée fantasque 00:06:23

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Manfred Reuthe Klavier
 
BM312461;4014513031358

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