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CD-Besprechung

Johann Friedrich Agricola
Die Hirten bei der Krippe
Three Christmas Cantatas

Johann Friedrich Agricola<br />Die Hirten bei der Krippe<br />Three Christmas Cantatas

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 13.11.14

cpo 777 921-2

1 CD • 81min • 2014

Johann Friedrich Agricola, 1720 als Sohn des „Fürstlich Altenburgischen und Freiherrlichen Bachofenischen Kammeragenten und Gerichtsdirektors“ Johann Christoph Agricola im heute zu Thüringen gehörigen Dobitschen geboren, kam 1738 als Jurastudent nach Leipzig. Bald saß der musikalisch begabte Student der Rechte im von Johann Sebastian Bach geleiteten Collegium Musicum am Cembalo und wurde Bachs Schüler. Dann scheint sich – wie bei vielen anderen zuvor auch, u. a. Telemann, – ein Wechsel vom Juristen zum Berufsmusiker vollzogen zu haben, denn nach 1741 ging Agricola nach Berlin, wo er sich bei Johann Joachim Quantz, dem musikalischen Mentor Friedrichs II., den zeitgenössischen Stil aneignete. Nach einer vergeblichen Bewerbung in Gotha um die Nachfolge Gottfried Heinrich Stölzels findet er sich ab 1751 als Kammermusiker in der Hofkapelle Friedrichs des Großen, avancierte nach Carl Heinrich Grauns Tod 1759 gar zum preußischen Hofkapellmeister und hatte diese Stelle dann bis zu seinem Tod 1774 inne.

Sein Œuvre ist seit der Wiedergewinnung des Notenarchivs der Sing-Akademie zu Berlin im Jahr 2001 besonders im Bereich der geistlichen Musik stärker in den Blick geraten; zuvor war Agricola hauptsächlich als zu Lebzeiten gefeierter Organist und Musiktheoretiker im Gedächtnis gewesen.

Drei weihnachtliche Kantaten, die ein Weihnachtsoratorium im kleinen abgeben könnten, sind auf dieser CD vereint und eröffnen verdienstvoll einen Blick auf das Schaffen dieses hochbegabten Bach-Schülers. Was schon im Blick auf die drei berühmten vom Vater selbst unterrichteten Söhne, Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel und Johann Christoph Friedrich, deren jeder eine ganz eigenständige Komponistenpersönlichkeit wurde, deutlich hervortritt, gilt auch für Johann Friedrich Agricola: Vater Bach war für die nachfolgende Generation ein idealer Lehrer, der seine Schüler an seinem immensen Wissen teilhaben ließ, sie aber in der Entwicklung ihres persönlichen Profils nicht hinderte. Anders verfuhr ja Carl Philipp Emanuel mit seinem jüngsten Halbbruder Johann Christian, den er nach dem Tod des Vaters mit nach Berlin nahm: Später äußerte er sich enttäuscht und verbittert über den inzwischen in London erfolgreichen Komponisten, hinter seines Bruders Komposition „sei nichts“ – da hatte dieser gegen den Willen seines Mentors den eigenen Weg gefunden. Johann Friedrich Agricolas musikalische Sprache zeigt sich in seinen Weihnachtskantaten deutlich von zeitgenössischen Vorbildern der Opernmusik wie Hasse und Graun beeinflusst.

Michael Alexander Willens hat sich bereits mit Einspielungen zweier Oratorien von Agricolas geringfügig jüngerem Generationsgenossen Johann Wilhelm Hertel profilieren können; hier wie dort beweist er sich als kundiger Dolmetscher der Musik einer Zwischenzeit, die sich nicht vorrangig an Carl Philipp Emanuel Bach orientiert; er konnte seine Zeitgenossen ja – wie auch seinen Dienstherrn Friedrich II. – mit seinem prononcierten Individualismus durchaus verschrecken, sondern galanten Vorbildern folgt.

Berit Solset sticht als Sopranistin stilsicher und ausdrucksstark bereits in den beiden Hertel-CDs hervor, in dieser Solistenbesetzung ist es ebenso eine Freude, ihrem Gesang zu lauschen. Auch die französische Altistin Myriam Arbouz, der britische Tenor Nicholas Mulroy (mit ausgesprochen schöner, hell strahlender Stimme) und der nur wenig solistisch beschäftigte Bassist Matthias Vieweg fügen sich mit ihrer skandinavischen Kollegin zu einem durchaus harmonischen Ensemble zusammen. Der Chor entsteht – durchaus zeitgerecht – durch die Verdoppelung der Solisten mit Ripienisten.

Liegt es daran, dass Agricolas Musik vielleicht doch besser ist als die Hertels, oder findet Willens nur einen noch authentischeren Ton (oder ist das Ohr des Rezensenten hier noch ein wenig gewogener?) – mit dieser CD von Weihnachtsmusik aus der Feder von Johann Friedrich Agricola liegt für den Freund der Musik der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein wertvolles Sammlerstück vor.

Detmar Huchting [13.11.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.F. Agricola Uns ist ein Kind geboren 00:30:27
13 Die Hirten bei der Krippe 00:31:51
22 Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis 00:18:29

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Berit Solset Sopran
Myriam Arbouz Alt
Nicholas Mulroy Tenor
Matthias Vieweg Bass
Die Kölner Akademie Orchester
Michael Alexander Willens Dirigent
 
777 921-2;0761203792122

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