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CD-Besprechung

Visions Fugitives

Music for Strings

Visions Fugitives

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 14.10.14

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BIS 2126

1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2006, 2012

Dieses mit Franz Marcs grandiosem Bild „Tirol“ geschmückte Album der im südostschwedischen Kalmar angesiedelten Camerata Nordica enthält neben einer acht Jahre alten Aufnahme von Béla Bartóks Divertimento drei Streicherwerke der klassischen Moderne in Neuaufnahmen von 2012: 15 titelgebende Visions fugitives Sergej Prokofieffs in der reizvollen Transkription Rudolf Barschais (wobei die vom Bearbeiter gewählte Programmfolge mehrfach und durchaus sinnvoll umgestellt wurde), die Fünf Stücke op. 44 Nr 4 von 1927 von Paul Hindemith, und Anton Weberns 1929 aus den Fünf Quartettsätzen op. 5 von 1909 hervorgegangene Fünf Sätze für Streichorchester.

Das Programm als Ganzes bietet ein exzellentes und dramaturgisch überzeugend arrangiertes Panorama streichorchestraler Vielfalt exquisiter Qualität in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und die Camerata Nordica, in welcher regelmäßig herausragende skandinavische Streicher zu Projekten zusammenkommen (man spielt traditionell im Stehen), erweist sich mit dem norwegischen Geiger Terje Tønnesen als solistischem Konzertmeister als Ensemble höchster Professionalität. Allerdings muss ich auch feststellen, dass sich damit die Meriten vorliegender Aufnahmen weitgehend erschöpfen. Keineswegs dürfte es so sein, dass Perfektion und Inspiration Gegenpole bildeten, die einander ausschließen – doch die Neigung, sich mit brillanter instrumentaler Meisterschaft zufriedenzugeben, ist auch hier offenkundig: rhythmisch exzellent synchron, weitgehend blitzsauber in der Intonation, und höchst akribisch im Befolgen der Vorschriften in den teils sehr intrikat und heikel angelegten Partituren, überzeugt das Ensemble hinsichtlich der Exaktheit der Details wie wenige andere. Doch was den harmonischen Entwicklungsgang der Stücke betrifft, tappen wir im Dunklen. Es ist keine Ausnahme, dass die komplexe Intervallik Anton Webern nicht in ihren Bezügen erlebt ist, sondern einfach nur ein abstraktes pointillistisches Mosaik bildet, und doch bleibt der Beigeschmack, dass ein tieferes Eindringen, eine kontinuierliche Sensitivität nicht nur wünschenswert, sondern eindringlich erforderlich wäre. Da wirkt Hindemiths grandioses Kleinwerk schon weit fasslicher, wenngleich auch hier manche übersteuerten Tempi und unnötig kurz gespielten Notenwerte stören. Die Tonsprachen Bartóks und Prokofieffs mögen vertrauter erscheinen, doch auch hier ist eine organischere Erformung der melodischen Dimension und des harmonischen Zusammenhangs möglich, wenngleich mit einer ganz anderen Intensität der spezifischen Widmung verbunden. Allerdings gibt es interessante unorthodoxe Details wie die folkloristisch anmutenden Ausdrucks-Portamenti im Molto adagio von Bartóks Divertimento oder befreit umhergeisternde Glissandomomente in den Visions fugitives, und klanglich wird hier immer wieder in der Tat Unerhörtes geboten, das auch akustisch in der Algutsrum kyrka auf Öland vortrefflich eingefangen wurde. Ganz besonders hat mich überdies gefreut, einen der letzten hinreißend klaren Booklettexte aus der Feder von Malcolm MacDonald (1948-2014) zu lesen – wir werden sein klares, unbestechlich abwägendes Urteil noch sehr vermissen.

Christoph Schlüren [14.10.2014]

ClavierTage Göttingen

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Prokofjew Visions fugitives op. 22 00:16:35
16 P. Hindemith Acht Stücke op. 44 Nr. 4 für Streichorchester (daraus: I. Langsam, II. Langsam - Schnell, III. Lebhaft, IV. Sehr langsam, V. Lebhaft) 00:12:35
21 A. Webern Fünf Sätze op. 5 für Streichquartett 00:12:30
26 B. Bartók Divertimento Sz 113 BB 118 für Streicher 00:25:56

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Camerata Nordica Orchester
Terje Tønnesen Dirigent
 
2126;7318599921266

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