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CD-Besprechung

Alphonse Diepenbrock

Orchestral Songs

cpo 777 836-2

1 CD • 65min • 2013

06.10.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der niederländische Komponist Alphons Diepenbrock (1862-1921) war von Haus aus promovierter Altphilologe und hat nie eine musikalische Lehranstalt von innen gesehen. Wo er seine Kenntnisse im Umgang mit dem großen spätromantischen Orchester erworben hat, ist unklar. Er war eng mit dem Dirigenten Willem Mengelberg befreundet, der ihm Gelegenheit gab, seine Werke mit dem Concertgebouw Orkest aufzuführen, und er hatte guten Kontakt zu Gustav Mahler, der ihm kollegiale Anerkennung nicht versagte.

Tatsächlich weisen die hier vorgelegten Kompositionen Diepenbrocks einige Affinitäten zum Werk Mahlers auf, ohne dass man dabei von einer Abhängigkeit sprechen könnte. Bei der einleitenden Hymne voor orchest (1899) handelt es sich um die überarbeitete Version eines Konzertstücks für Violine und Klavier. Sie zeigt melodischen Einfallsreichtum und einen versierten Umgang mit Harmonik und Klangfarben. Kurz darauf entstanden die zwei Hymnen an die Nacht für Sopran und Alt mit Orchester. Die letztgenannte, hier von einem Bariton gestaltet, greift auf einen Prosatext von Novalis zurück: „Muss immer der Morgen wiederkommen?“ Die Singstimme ist hier eingebettet in eine große sinfhonische Dichtung, in der die Stimmungen der Nacht und der Natur eingefangen werden.

Auch in dem längeren Orchesterlied Im großen Schweigen (1905) spielt das Orchester die Hauptrolle; Diepenbrock gelingt dabei das Kunststück, einen philosophischen Text des von ihm sehr verehrten Friedrich Nietzsche in einen sinnstiftenden musikalischen Fluß zu bringen. Auch hier geht es um Naturbilder und Nachtstimmungen, dem sinnierenden Wanderer erschließt sich die Sprachlosigkeit der Natur als Alternative zur nichtigen menschlichen Rede („Das Sprechen, ja, das Denken ward mir verhaßt“). Zwei frühe Werke, die er später noch überarbeitete, sind die Vertonungen von Goethes Es war ein König in Thule (1886) und Heines Es war ein alter König (1890), während es sich bei En sourdine (1910) auf einen Text von Paul Verlaine um eine Hommage an Claude Debussy handelt, dessen Musik sich Diepenbrock erst sehr spät erschloß.

Otto Tausk, ein Landsmann des Komponisten, bringt mit dem St. Gallener Orchester, dessen Chef er seit 2012 ist, die Qualitäten der Partituren zur Geltung, ohne einem schwelgerisch-spätromantischen Klang zu verfallen. Feinfühlig schmiegt sich der Bariton Hans Christoph Begemann dem eher kontemplativen Orchesterspiel an, kultiviert bei großer textlicher Klarheit und Prägnanz vor allem die leisen Töne.

Ekkehard Pluta [06.10.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alphonse Diepenbrock
1Hymne voor orchest 00:14:15
2Hymne an die Nacht 00:15:40
3Der König in Thule 00:04:56
4Es war ein alter König 00:02:25
5Im großen Schweigen 00:22:32
6En sourdine 00:04:36

Interpreten der Einspielung

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