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CD-Besprechung

Emile Goué L'œuvre pour piano Vol. 2

Emile Goué<br />L’œuvre pour piano Vol. 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 03.09.14

Azur Classical AZC 083

1 CD • 75min • [P] 2014

Um das Œuvre des faktisch bislang vergessenen Komponisten Emile Goué – er ist nicht einmal im New Grove verzeichnet – kümmert sich verdienstvoll und fast ausschließlich das Label Azur. Der 1904 geborene Goué, der 1946 jung starb, war einer jener Mehrfachbegabten, die es schon in der Romantik eher schwer hatten. Er erwarb schon in jungen Jahren Abschlüsse in Mathematik, Philosophie und weiteren naturwissenschaftlichen Disziplinen, gewann dann jedoch Charles Koechlin als Kompositionslehrer und Albert Roussel als Unterstützer. Die sieben hier im Zuge einer Retrospektive des Klavierwerks vorgelegten kürzeren Stücke aus den 1930er und 1940er Jahren zeigen Goués Einfallsreichtum, seine würzige Harmonik etwa, seine eigenwillige Melodik, seine nur stellenweise etwas unbeholfen wirkende Stimmführung, schließlich kühne Reflexe der Moderne wie etwa die sirenenartigen Mixturen in der zweiten Suite der Ambiances op. 35. Wie der Beginn des letzten der Prénombres op. 3 ganz deutlich macht, der wie ein Echo des Prélude à l´après-midi d´un faunewirkt, geht Goué von Debussys Errungenschaften aus und treibt sie, etwa im letzten Satz der Klaviersonate op. 13 mit ihren Martellato-Tonwiederholungen, weiter in die Moderne. Bisweilen, etwa in „Fleur morte“ aus den Ambiances, scheint auch die üppige Jazzharmonik der damaligen Avantgarde auf. Noch in Prélude, Aria et Final op. 45 aber, das Emile Goué zwei Jahre vor seinem Tode schrieb, hallen Debussys Ganztöne nach.

Nicht zuletzt, weil er sich so mehrdeutig zwischen früher und klassischer Moderne bewegt, lohnt es sich, Goués lange vernachlässigtes Werk kennenzulernen. Die Firma Azur muß man für ihr Engagement loben, auch, wenn sich dieses Album künstlerisch wie technisch nicht auf höchstem Niveau bewegt. Die Pianistin Diane Andersen hat einen gar nicht unangenehm trockenen Ton, der die Fakturen der Werke ohne pianistische Klischees und sehr durchhörbar realisiert; wenn freilich pianistische Elemente notiert sind, etwa kleine Kadenzen, Verzierungen und Figurenwerk, gehen diese manchmal nicht ganz leicht perlend von der Hand. Auch wird der Modulationsreichtum des Klaviers durch das viel zu direkte und enge Klangbild allzu stark beschnitten. Schließlich gelingt es Frau Andersen nicht immer, der nicht zu leugnenden metrischen Einförmigkeit, die Goué manchmal unterläuft (etwa in Thème et variations op. 47, auch in den Impromptus op. 44), mit agogischer Flexibilität oder Expressivität entgegen zu wirken; manchmal werden Einwürfe nicht plastisch genug realisiert, es fehlt ihnen quasi an Dreidimensionalität, etwa im letzten Satz der Horizons op. 24. Andersens Stärken liegen in der Prägnanz des Anschlags in den erwähnten rhythmischen Momenten, überhaupt der Kontrolliertheit ihres Spiels, was etwa das Finale aus dem dreiteiligen op. 45 überzeugend zusammenfaßt.

Dr. Michael B. Weiß [03.09.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E. Goué Thème et variations op. 47 00:07:20
2 Pénombres op. 3 00:10:29
5 Klaviersonate op. 13 00:16:05
8 Horizons op. 24 00:11:05
11 Ambiante op. 35 (Suite Nr. 2) 00:10:41
14 Deux Impromptus op. 44 00:04:31
16 Prélude, Aria et Final op. 45 00:13:17

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Diane Andersen Klavier
 
AZC 083;5425003920837

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