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CD-Besprechung

B. Britten

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 1870

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 08.09.14

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BIS 1870

1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2011

„All the eighting!” dachte ich bei mir, als ich nach zwiefacher Anhörung dieser Produktion das beiliegende Textheft nahm, um mir zu der musikalisch und programmatisch-dramaturgisch untadligen, wenn nicht gar überragenden Veröffentlichung ein paar Fakten zu verschaffen. Selten fiel es mir leichter, die deutsche Fassung des an sich informationshaltigen Essays ohne irgendwelche syntaktischen Klimmzüge ins englische Original zurückzubringen. Da sich die Arbeit des Übersetzers, soweit mir diese bis dato vorgekommen, nie durch ein derartiges Stolpern, sondern immer durch eine sehr annehmbare Lesbarkeit aufgefallen war, vermute ich hier eine Panne, wie sie mir in jungen Jahren auch schon vorgekommen ist: Man hat versehentlich eine noch nicht redigierte Backup-Version aus den Händen gegeben, und der redaktionellen Seite war beim Gegenlesen, wofern ein solches überhaupt erfolgte, die Korrekturwürdigkeit des Elaborats entgangen. „Der kurze zweite Satz”, so heißt es beispielsweise zum Streichquartett F-dur, „zeigt mit seiner sanft und unablässig pulsierenden Dissonanz, die auch den tonal mehrdeutigen Schluss prägt, die Offenheit des jungen Britten für Wege, ohne einschüchternde Radikalität progressiv zu sein”. Ferner wird festgestellt, daß die Phantasy in f minor „jene Art weitschweifigen Rhapsodierens [meidet], das Britten als den Fluch der pastoralen Ergüssen [sic!] vieler britischen Komponisten um 1930 ansah”.

Die Reihe wäre beliebig fortzusetzen, was umso bedauerlicher ist, als die klingenden Saiten, mit denen ich mich, einer lieben Gewohnheit folgend, vor der Lektüre befaßte, äußerst vergnügt, aufmerksam und lehrreich zu hören sind. Die nervöse Sensibilität und das gespannte Prickeln, mit der das Emperor Quartet vom ersten Takt der Simple Symphony bis zu den letzten, verhauchenden Momente der Phantasy musiziert; die konzentrierte, drängende Folgerichtigkeit, die durch das Schaffen des jungen Britten führt; die lyrische Innerlichkeit der Rhapsody und die Frechheit im „verspielten Pizzikato” des Opus 4, dann vor allem auch die packenden, geradezu experimentellen „Avantgardismen”, mit denen der siebzehnjährige Musikstudent in seinem Quartettino auf Alban Bergs Pfaden wandelte: Wenn es in dieser Kollektion der Talentproben überhaupt eine Schwäche gäbe, so wären es einige Längen im Streichquartett von 1928, mit dem der Schüler von Frank Bridge offenbar der klassischen Form genügen wollte und/oder sollte.

Vorsorglich haben die Verantwortlichen dieses Stück ans Ende des Programms gesetzt und von der vier Jahre jüngeren, versonnenen sich im Nichts verlierenden Quintett-Fantasie durch eine schöne lange Pause getrennt, worauf sich sogar diese etwas akademische Auseinandersetzung mit dem Quartettschaffen der Wiener im allgemeinen und Franz Schubert im besonderen goutieren läßt – als frühes Zeugnis einer Begabung, die in rasanter Geschwindigkeit ihre Pensa absolvierte und schon bald nach den aufmerksamen Reisen durch die verschiedenen Stadien der Historie als künstlerisches Individuum sichtbar wurde: Die innige Rhapsody, das dichte, expressionistisch geprägte Quartettino, die bereits mehrfach angesprochene und fürwahr erstaunliche Phantasy sowie die Simple Symphony sind Gebietseroberungen, nicht etwa bloße stilistische Entwicklungen – und sie werden in dieser Aufnahme auch wie Eroberungen gespielt. Fazit: „Alle Achtung!”

Rasmus van Rijn [08.09.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 B. Britten Simple Symphony op. 4 00:15:44
5 Rhapsody 00:07:26
6 Quartettino 00:16:19
9 Phantasy f-Moll für 2 Violinen, 2 Violen und Violoncello 00:11:02
10 Streichquartett in F 00:22:24

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Emperor String Quartet Streichquartett
 
1870;7318599918709

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