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CD-Besprechung

Richard Strauss: Intermezzo op. 72 (Eine bürgerliche Komödie mit vier sinfonischen Zwischenspielen in zwei Aufzügen, 1918/1923)

cpo 2 CD 777 901-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 11.08.14

cpo 777 901-2

2 CD • 2h 16min • 2011

Strauss habe „eine so fürchterliche Tendenz zum Trivialen, Kitschigen in sich“, beklagte sich Hugo von Hofmannsthal während der Arbeit am Rosenkavalier bei seinem Freund Harry Graf Kessler. Als der Komponist Jahre später mit dem Wunsch an ihn herantrat, das Libretto zu der „realistischen Charakterkomödie“ zu schreiben, aus der am Ende Intermezzo wurde, wies er dieses Ansinnen entrüstet zurück, reichte ihn an den Kollegen Hermann Bahr weiter, mit dem Strauss dann aber auch nicht klar kam, so dass er sich das Opernbuch schließlich selbst schreiben musste.

Intermezzo, „eine bürgerliche Komödie mit sinfonischen Zwischenspielen“, ist die Fortsetzung von Ein Heldenleben und Sinfonia domestica mit den Mitteln des Theaters. Klingende Autobiographie, pathetisch überhöht und zugleich ironisch gebrochen. In der Ehe des Kapellmeisters Robert Storch (Richard Strauss) und seiner Frau Christine (Pauline) kommt es zu einem dramatischen Zerwürfnis, als ein Liebesbrief einer gewissen Mieze Meier ins Haus flattert, der – wie sich erst kurz vor Schluß herausstellt – eigentlich an Storchs Kollegen Stroh gerichtet war. Ein Sturm im Wasserglas, der vor allem im Orchester zu größeren Entladungen führt.

Nach der stark beachteten Uraufführung 1924 in Dresden, bei der Fritz Busch am Pult stand und Lotte Lehmann die Christine sang, wurde es bald still um dieses Stück, an dem Strauss gleichwohl sehr hing. Nach dem Krieg gab es aber verschiedene Reprisen, in denen nicht nur die musikalischen Qualitäten, sondern auch die Theaterwirksamkeit von Intermezzo bestätigt wurden. Bei den Münchner Opernfestspielen 1963 kam im Cuvilliés-Theater eine Produktion heraus, die für die Folgezeit hohe Maßstäbe setzte. Unter der Regie von Rudolf Hartmann und in der Ausstattung des jungen Jean-Pierre Ponnelle sangen Hanny Steffek und Hermann Prey das Kapellmeister-Ehepaar, der Dirigent war Joseph Keilberth. Die Fernsehaufzeichnung wurde vor einigen Wochen bei youtube eingestellt und ist Freunden wie Verächtern des Werkes sehr zu empfehlen. Eine in den Hauptpartien identisch besetzte Wiener Aufführung aus demselben Jahr liegt seit einigen Jahren bei Orfeo auf CD vor.

Es spricht für die vorliegende Neuaufnahme, den Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus Garmisch, dass sie sich hinter der historischen Vorgängerin nicht zu verstecken braucht. Der große Pluspunkt jenseits der musikalischen Qualitäten ist die theatralische Lebendigkeit, die bei derartigen Konzerten nur sehr selten erreicht wird. Figuren und Situationen werden plastisch, man versteht den Text überwiegend gut. Ulf Schirmer, ein berufener und erfahrener Strauss-Interpret, findet die richtige Balance zwischen dem Konversationsstil der Oper und dem sinfonischen Überschwang der Zwischenspiele. Simone Schneider verfügt in der zentralen Rolle der Christine zwar nicht über Steffeks Charme und Parlando-Lockerheit, vor allem in der einleitenden Szene erscheint sie zu sehr als keifender Ehedrachen, doch sobald die Rolle in ruhigere, lyrische Bereiche gleitet, zeigt sie einen blühenden Sopran von hoher Materialqualität und eine Vertrautheit mit dem Stil der Musik. Man möchte sie gerne in anderen Strauss-Partien erleben. Vorbildlich klar artikuliert Markus Eiche mit schlankem, gut geführtem Bariton den Part des Storch. Der junge Baron Lummer, der Christine in Abwesenheit des Gatten den Hof macht, sie im Grunde aber nur anpumpen will, ist eigentlich eine komische Rolle, und der unvergleichliche Tenorbuffo Ferry Gruber hat sie in München und Wien wunderbar auf den Punkt gebracht. Martin Homrich, andernorts als Lohengrin erfolgreich, entfaltet in dieser Partie einigen Tenorglanz, der allerdings eher an den Matteo in Arabella denken lässt. Die übrigen Rollen sind durchweg adäquat besetzt. Die Intendantin des Richard Strauss Festivals in Garmisch, Brigitte Fassbaender, in München vor einem halben Jahrhundert in der kleinen Partie der Lummer-Freundin Resi dabei, übernimmt hier mit Gusto sämtliche Sprechrollen des Stücks, den kleinen Franzl eingeschlossen.

Ekkehard Pluta [11.08.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Strauss Intermezzo op. 72 (Eine bürgerliche Komödie mit vier sinfonischen Zwischenspielen in zwei Aufzügen, 1918/1923)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Simone Schneider Christine - Sopran
Markus Eiche Hofkapellmeister Robert Storch, Christines Mann - Bariton
Martina Welschenbach Anna, Christines Kammerjungfer - Sopran
Martin Homrich Baron Lummer - Tenor
Michael Dries Notar - Bariton
Maria Bulgakova Die Frau des Notars - Sopran
Brenden Gunnell Kapellmeister Stroh - Tenor
Marc Kugel Kommerzienrat - Bariton
Peter Schöne Justizrat - Bariton
Günter Missenhardt Kammersänger - Bass
Sophie Mitterhuber Resi - Sopran
Brigitte Fassbaender Sprechstimme
Münchner Rundfunkorchester Orchester
Ulf Schirmer Dirigent
 
777 901-2;0761203790128

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