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CD-Besprechung

Beethoven • Mozart

Yevgeny Sudbin

Beethoven • Mozart

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.02.14

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 1978

1 CD/SACD stereo/surround • 66min • 2011, 2012

Welch ein Auftritt von Yevgeny Sudbin hier mit den beiden gewichtigsten c- Moll-Klavierkonzerten des klassischen Repertoires in seiner in Wahrheit romantischen Vorprägung! Und nicht zu vergessen bei all meiner Begeisterung für die Vorführungen des russischen Pianisten: die superbe, klangschöne, im Rhythmischen exakte und insgesamt sehr biegsame, wenn nötig auch anschmiegsame Leistung des Minnesota Orchestra. Für mein Empfinden hat es sich mit dieser BIS-CD in der obersten Etage der führenden Orchester dieser Welt komfortabel eingerichtet.

Um mit Mozarts KV 491 zu beginnen, da mag am Beginn das c-Moll-Thema etwas gedehnt anmuten, aber es erweist sich prompt als inniges Einatmen brisanter musikalischer Luft, die sich im Folgenden in einem schillernden, reich schattierten Wechselspiel entlädt. Zunächst im Bereich der Orchestergruppen und dann im „Für und Wieder“ zwischen Soloinstrument und der reich instrumentierten Philharmonie. Es ist Sudbins schöne Gabe, sich nach der Orchester-Exposition ebenso vorsichtig wie bestimmt zur Stelle zu melden. Das heißt: er vermeidet jegliches Theater ausgeklügelter Klavieregozentrik. Vielmehr übernimmt er mit seinen ganz persönlichen Mitteln die vorgegebene Atmosphäre und entwickelt von da aus ein bei aller Raffinesse der Einzelton- und Phrasenabtönung jederzeit zweckdienliches Spiel. Ganz selten reicht in diesem Satz der Solist dem ihm mitunter geradezu kammermusikalisch verbündeten Bläser so freundlich die Hand, hängt mit seinen Modulationen gewissermaßen an ihren Lippen.

Die größeren Abschnitte des Satzes wirken deutlich strukturiert. Selbst wenn man sich in dieser Partitur nicht so gut auskennen sollte, man spürt doch deutlich, wenn es in Richtung Reprise und später dann dem Ende zugeht. Vor diesem Finale ereignet sich eine brillante, ungemein triebkkräftige Kadenz aus der Werkstatt des Solisten: raumgreifend, perspektivreich, ungemütlich in den stärksten Bebungen! Man könnte dieses Beispiel in- und konspirativen Wagemuts durchaus als Aufforderung für die Kollegenschaft nehmen, sich öfters mit eigenen Kadenzen (und „Eingängen“) aus der ästhetischen Deckung zu wagen.

Weich aber nicht weichlich nimmt Sudbin das Quasi-Larghetto-Thema, zeigt in der melodischen Einsilbigkeit des mittleren Geschehens eine raffinierte Artigkeit, die der unschuldigen Kantilene das akustische Gesicht einer Raphael-Figur verleiht – und dies mit zarten und mit Vorsicht gesetzten Verzierungen.

Im Finale begeben sich Sudbin, Vänskä und das auch bei höchster kollektiver Aktion durchsichtig agierende Orchester erfolgreich auf Spurensuche. Spuren insofern, als die bald adretten, bald burschikosen Winkelzüge dieser Variationsfolge so gut wie alles anbieten, was man – zumindest 1796 – bei einem Meisterwerk zu gestalterischer Feinarbeit zu Verfügung haben kann. Gegen Ende des Satz meldet sich Sudbin noch einmal von der schöpferischen Seite. Man fühlt sich an Glenn Gould fugales Abenteuer im C-Dur-Konzert von Beethoven erinnert, denn Sudbin kokettiert wie Gould mit barocker, freilich entstaubter Gelehrigkeit. Dieser hübsche musikphilologische Einschub kommt so geistreich unbekümmert wie die lockere, rasante Zeichnung und Motorisierung des Rondos am Ende des Dritten Beethoven-Klavierkonzerts.

Eminent entschlossen eröffnet Sudbin hier den Solo-Part mit den unmissverständlich aufwärts schießenden c-Moll-Skalen. Dies in einer erlesenen Mischung aus Gestik und Einzeltonakkuratesse, die bestes, durchdachtes und aufregendes Beethoven-Gestalten erwarten lässt. Und diese Erwartung wird nicht enttäuscht, denn die Protagonisten werfen sich im konzertanten Dialog die imaginären Bälle zu, leisten dem Klavier am Beginn der Durchführung bei seinen Unisono-Besänftigungen des Hauptthemas zarten Beistand. Kurzum: eine Interpretation von höchster Eigenständigkeit, hoher Spielkultur – aufregend und berührend, sozusagen ein „Mitnehmsel“ für die immer wieder ins Kalkül gezogene einsame Insel…

Vergleicheinspielungen: Mozart KV 491: D. Matthews (LP Amadeo AVRS 6124), Schnabel (EMI CHS 7 63703 2, Music & Arts CD-632 ), Solomon (EMI CDH 7 63707 2), E. Fischer (London 3.3.1937 EMI CHS 7637192, Turin 9.11.1954 Music & Arts CD-871), Walter Gieseking (EMI CHS 763709 2), Naoumoff (Forlane UCD 16626), A. Fischer (EMI CDZ 7 67041 2), Barenboim (Teldec 9031-72024-2), Glenn (LP /CBS 60276, Sony SMK 52670, Stockholm 1958 BIS 323/324), Wilhelm Kempff (1967 Den Haag Arkadia CDMAD 013), Pletnev (Virgin VC 7 59280 2), Ashkenazy (LP Decca 6.42578 AW), Brendel (LP Philips 6500 533, auch CD), Casadesus (LP CBS 20AC 1576), Curzon (LP Decca 411678-1), Previn (Philips 412 524-2), Haskil – Cluytens (Paris 8.12.1955 Disques Montaignes), Haskil – Markevitch (Philips 475 7739), Richter (Florenz 1966 Memories HR 4218), Gulda (Ludwigsburg 1959 Golden Melodram GM 4.0066, Gulda (Berlin 2.3.1953 Audite 21.404), Kissin (EMI 3 82879 2), Pollini (DG 477 7167), Uchida (Decca 478 1524).

Peter Cossé [19.02.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491 00:30:20
4 L.v. Beethoven Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 00:35:08

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Yevgeny Sudbin Klavier
Minnesota Orchestra Orchester
Osmo Vänskä Dirigent
 
1978;7318599919782

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