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CD-Besprechung

Anton Eberl Piano Works

Marie Luise Hinrichs

cpo 777 605-2

1 CD • 53min • 2009, 2010

11.02.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Etwas neu oder auch wieder zu entdecken macht immer Freude. Der Impetus, mit dem einige darauf spezialisierte Musiker und Labels, wie etwa cpo, lange vergessene Komponisten ausgraben, ist lobensert, werden der notwendigerweise stets nur selektiv präsenten Musikgeschichte dadurch immer wieder neue Facetten hinzugefügt. Doch auch mögliche negative Auswüchse sollen nicht verschwiegen werden: Bisweilen drohen die größten Komponisten fast in den Hintergrund zu geraten. Ein platter Relativismus ist jedoch fehl am Platz, denn es ist, wenn man sich die Substanz der Werke ansieht, schlichtweg nicht richtig, dass etwa Wolfgang Amadeus Mozart in seiner vollen Bedeutung gleichberechtigt mit all den Dusseks, Kraus', Vanhals, Mysliveceks und Eberls auf einer Stufe steht.

Gerade der letztgenannte Meister stellt jedoch in diesem Kontext, wenn man sich nur einmal die zeitgenössische Rezeption ansieht, zugegebenermaßen einen Sonderfall dar: Der gebürtige Wiener Anton Eberl, neun Jahre jünger als Mozart, fünf älter als Beethoven, war im Umfeld des späteren Mozarts ständig präsent, seine Kompositionen wurden – wie üblich wohl aus wirtschaftlichen Gründen – als diejenigen Mozarts präsentiert; nicht wenige Zeitgenossen gaben seiner Es-Dur-Sinfonie den Vorrang vor der als bizarr empfundenen Eroica Beethovens (bei cpo wurden auch Eberls hörenswerte Klavierkonzerte vorgestellt, cpo 777 354-2). Unglücklicherweise starb Eberl bevor sich sein Talent ganz entfalten konnte, damit durchaus Schubert vergleichbar, der jedoch ungleich mehr komponiert hatte.

Eberls reife Werke demonstrieren eindrücklich, warum ihm zu Lebzeiten ein so hoher Rang zugesprochen wurde. Zu seinem Spätwerk gehört die Grande Sonate g-Moll op. 27, kurz vor Beethovens Waldstein-Sonate gedruckt, und ihre hohe Qualität läßt die Vergleiche mit Beethoven, die Zeitgenossen anstellten, durchaus nicht als völlig utopisch erscheinen. Das liegt bei dieser Aufnahme aber auch an der hochintelligenten und sinnlichen Vorstellung durch Marie-Luise Hinrichs, die das Werk spielt, als ob es – wie Beethovens Sonaten – eine lange Interpretationsgeschichte hinter sich hätte. Einerseits poliert sie alle ästhetischen Reize des Werkes auf, die darin verborgen sind, etwa das leuchtende Oktavenspiel der rechten Hand, die grazile Wiener Melodik, die ambitionierten, stufenreichen Durchführungen; andererseits behält sie eine gewisse kontrollierte Strenge bei, die dazu führt, dass jeder Satz einen äußerst geschlossenen, einheitlichen, wenngleich auch gestaltenreichen Eindruck zurück läßt. Das gilt auch für die beiden Variationszyklen, an denen Hinrichs Anschlagsreichtum, besonders übrigens ihr wundervoll perlendes Nonlegato, erfreut. Die präzise technische Abbildung dieser bereits 2009 und 2010 entstandenen Aufnahmen unterstützt Hinrichs Auftritt in jeder Beziehung.

Es tut der Musik gut, dass Marie-Luise Hinrichs auch einmal entschlossen Entwicklungen zusammenfaßt und damit geschickt dem Eindruck gegensteuert, Eberl würde auch zweitrangiges Material oder eine vielleicht etwas zu ausführliche Ausspinnung zulassen. Beispiele dafür sind etwa die in die Hochromantik vorausweisenden, leidenschaftlichen Modulationswellen der Durchführung des Kopfsatzes der Grand Sonate „Allegro appassionato e vivace assai“, die nie ausufern, oder das schöne Nonlegato und die kontrollierte Melodieführung im langsamen Satz „Andante con expressione“, welches bei aller Lyrizität auch unterschwellig hören läßt, welch freier Geist Eberl war. Diese Werke Eberls gehören tatsächlich zu jenen Entdeckungen, denen man ein Nachleben im Konzertsaal nur wünschen kann.

Dr. Michael B. Weiß [11.02.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Eberl
1Grande Sonate op. 27 00:26:16
412 Variationen über die Ariette Freundin sanfter Herzenstriebe 00:12:52
1710 Variationen über Zu Steffen sprach im Traume 00:13:56

Interpreten der Einspielung

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