Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Contacto Tango

Contacto Tango

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 29.01.14

Klassik Heute
Empfehlung

Neos PABD 11319

1 CD/Blu-ray • 76min • 2012,2013

Ist Tango ein Genre oder eine Stilrichtung? Eine Philosophie? Oder ein Formbegriff? Astor Piazzolla, der diese Begriffe weiterdachte und den Tango Nuevo mitbegründete, wurde von vielen seiner Landsleute dafür verachtet. Daher zog es ihn ins freigeistige Klima von Paris, wo er Zeit seines Lebens unermüdlich neue progressive zeitgenössische Musikformen aus dieser ursprünglichen argentinischen Folklore entwickelte. Nadia Boulanger hatte ihn maßgeblich gelehrt und ermuntert, solche Wege kreativ und mutig weiter zu gehen. Auch viele andere Komponisten taten und tun es ihm gleich. „Der“ Tango, den es so ja eigentlich gar nicht gibt, hat sich dem Jazz und der modernen Kunstmusik geöffnet. Und es ist eine Bewegung, die lebt. Weiter leben vor allem die ursprünglichen Attribute Leidenschaft, Dramatik und Erotik.

Sehr eindringlich widmen sich die Violaspielerin Julia Rebekka Adler und der Pianist José Gallardo auf ihrer neuen CD bzw. Audio Blueray einem intensiven Spannungsfeld zwischen Erbe und Gegenwart. Auf ihrer CD „Contacto Tango“ konfrontieren sie den Tango Nuevo-Begründer mit einigen – zum Teil auch deutlich jüngeren Zeitgenossen Piazzollas. Die vielschichtigen, meist erst in den letzten Jahren entstandenen Kompositionen zeigen, welche kreativen Freiräume hier der Entdeckung harren, wie unverbraucht hier scheinbar bekanntes seine Erneuerung erfährt. Vor allem: Julia Rebekka Adler und Jose Gallardo zelebrieren eine elektrisierende Kammermusik, die in keiner Sekunde kalt lässt.

So packend, berührend und herausfordernd ist das Zusammenspiel zwischen der mehrfachen Bundeswettbewerbs-Preisträgerin von Jugend Musiziert und heutigen Bratschistin bei den Münchner Philharmonikern und dem in Buenos Aires geborenen und heute in Augsburg lebenden Pianisten.

Ja, man kann und darf sich fallen lassen! Ein Klagelied singt ganz zu Anfang der starke, fordernde manchmal schonungslos gebieterische Violaton, wie er unter Julia Rebekka Adlers Händen bebt und lodert. Es ist über weite Strecken ein sinnlicher Gesang, dem auch so manche blues-artigen Glissando-Effekte sehr gut stehen. Dieser herbe, manchmal bohrende Ton steigt auf den tiefsten Boden hinab und jauchzt manchmal himmelhoch. Oder er erzählt seine leisen, zärtlichen Geschichten, tanzt seine einsamen Figuren auf einem imaginären Parkett. Beflügelnden Antrieb und reibungsvolle Wiederspiegelung erfährt Julia Rebekka Adler durch das Klavierspiel von José Galliardo, das phasenweise den Platz des Bandoneons einnimmt mit pumpenden Metren, aufreizenden Synkopen-Gewittern, impressionistischer Malerei.

Gustavo Beytelmann war selbst einer der kreativsten Pianisten der argentinischen Tango-Szene und hat auch in Piazollas Besetzungen mitgespielt. Die Cinco piezas para viola y piano demonstrieren in einer Art Suite die Offenheit des Genres für alle Formen zeitgenössischer Kammermusik.

Luis Borda, der in Buenos Aires in einer Rockband spielte und seit 1996 in Deutschland lebt, hat sein Stück El viento de verdad exklusiv für Julia Rebekka Adler geschrieben, gleiches tat Pablo Aguirre mit seinem Stück Liberación. Miguel Angel Varvello ist ein weiterer Bandoneonspieler, der unermüdlich nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten forscht.

Dem großen Meister selbst, Astor Piazolla, ist gleich eine ganze dreiviertelstunde Spielzeit auf dieser Produktion gegönnt. Le Grand Tango gehört dazu, welches Piazzolla dem Jahrhundert-Cellisten Mstislav Rostropovich gewidmet hat. Sehr bemerkenswert sind auch die Seis estudios tanguisticos – hier hat Piazzolla die Idiomatik des Tangos sozusagen herausdestilliert zugunsten einer hochkonzentrierten solistischen Sprache für die Soloviola. Durchaus vergleichbar ist diese Herangehensweise mit Johann Sebastian Bach, wenn dieser ein mehrstimmiges polyphones Zusammenwirken auf eine einzige Solostimme übertrug.

Stefan Pieper [29.01.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Beytelmann Cinco piezas para viola y piano 00:16:58
6 L. Borda El viento de verdad 00:04:48
7 P. Aguirre Liberación 00:04:22
8 M. Varvello Entrelazados 00:06:11
9 A. Piazzolla Dos piezas breves para viola y piano 00:08:12
11 Le Grand Tango 00:11:56
12 Seis estudios tanguísticos 00:23:37

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Julia Rebekka Adler Viola
José Gallardo Klavier
 
PABD 11319;42600063113192

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc