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CD-Besprechung

Historische Orgeln in Frankreich Vol. 11

Sinus Sin 3011

1 CD • 59min • [P] 2013

26.11.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das akustische Archiv historischer Orgeln, an welchem der Schweizer Organist Albert Bolliger kontinuierlich arbeitet, umfaßt mittlerweile fast 40 Alben, sämtlich auf Sinus erschienen. Seine ebenso unermüdliche wie wertvolle Tätigkeit hat den 1937 geborenen Bolliger mittlerweile durch die Schweiz, durch Österreich, Deutschland, nach Frankreich, Dänemark und sogar bis auf die Philippinen geführt. Mit der vorliegenden neuen, elften Folge der Serie mit Orgelportraits aus Frankreich hat Bolliger jedoch sogar ein veritables, lange verborgenes Juwel aufgedeckt: die herrliche Orgel von Saint-Guilhem-le-Désert. Das 269-Seelen-Dorf im französischen Languedoc galt, von Bergen umstellt, schon im Mittelalter als abgelegen; heute ist die Gemeinde, deren nächstgrößere Stadt Montpellier ist, als eines der offiziell „schönsten Dörfer Frankreichs“ touristisch bekannt.

Noch im 19. Jahrhundert war der Ort aber offenkundig so ab vom Schuß, dass die Orgel der einst stattlichen Abtei, die zu diesem Zeitpunkt schon lange verlassen war, kaum gespielt wurde; so traurig dies ist, hatte diese Vernachlässigung doch den positiven Nebeneffekt, dass die Orgel, 1782 von Jean-Pierre Cavillé – dem Großvater Aristide Cavaillé-Colls – begonnen, nie modernisiert wurde. So ist das Instrument erst seit 1984 überhaupt vollständig spielbar. Eines seiner Charakteristiken ist seine starke Mitteltönigkeit mit sechs reinen Terzen, eine ungleichschwebende Stimmung, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts bereits anachronistisch war.

Albert Bolliger hat die Werke, welche dieses besondere Instrument zum Klingen bringen, geschickt so ausgewählt, dass etwa im „Dialogue en Fuge, sans Tremblant“ aus Jacques Boyvins (1649 – 1706) Suite im 8. Ton aus dem 2. Orgelbuch oder im Trio von Jean Francois Dandrieu (1682 – 1738) die reizvoll verstimmten Tonarten wunderbar zur Geltung kommen. Insbesondere das „dis“ führt stets zu Verwerfungen. Die fast 30 meist knappen Orgelsätzchen von französischen Meistern vorwiegend des 17. Jahrhunderts wie Dumont, Roberday und d´Angelbert sind bei aller Schlichtheit und Übersichtlichkeit der Gestaltung – das Pedal kommt etwa nur selten zum Einsatz – von höchster Qualität, so dass dieses Portrait neben dem Instrument auch die frühe französische Orgelgeschichte exzellent zusammenfaßt und repräsentiert. Bolliger hat die Werke wie stets angemessen registriert: Man höre etwa die sanften Flötentöne der Sarabande Monnard, die köstliche Weihnachtszene Dandrieus oder Balbastres Pastorale mit ihrem durchgehaltenen bewegten Orgelpunkt. Besonders gefällt an Bolligers Spiel, dass es nie glatt ist, sondern auch das Alter und die Physis des Instruments hörbar macht, wenn er etwa manche melodischen Einheiten der abschließenden Suite B-Dur von Michel Corrette mit angenehmer Schwere phrasiert. Dies ist ein organistisches Kleinod, das eine Empfehlung verdient hat.

Dr. Michael B. Weiß [26.11.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jacques Boyvin
1Suite du huitième ton (2e livre) 00:11:56
Henri Dumont
7Allemande grave 00:02:38
Monnard
8Courante I 00:01:08
9Courante II 00:01:09
10Sarabande 00:01:17
François Roberday
11Fugue et Caprice 00:04:00
Jean Henri Anglebert
12Dans nos bois (Menuet) 00:01:35
13Menuet de Poitou (Vaudeville) 00:01:04
Nicolas Lebègue
14Offertoire en C 00:06:26
Jean-François Dandrieu
15Fugue I 00:01:43
16Fugue II 00:01:59
17Trio 00:01:24
18Bergers allons voir dans ce Lieu (Noël) 00:03:00
Claude Bénigne Balbastre
19Duo 00:01:49
20Trio 00:02:57
21Musette et Pastorale 00:03:06
22Suite en Si bémol 00:11:17

Interpreten der Einspielung

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