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CD-Besprechung

Upon A Ground

Classicclips CLCL 124

1 CD • 78min • 2012

25.04.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Der künstlerische Lebenslauf der 1991 geborenen Tabea Debus wirkt beeindruckend, wenn nicht gar einschüchternd: Nach vielfachem Erfolg beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert" und anfänglicher Ausbildung an der Westfälischen Schule für Musik im heimischen Münster wechselte sie zum Studium von Blockflöte und Barockcello an die Londoner Guildhall Scholl of Music, um sich schließlich mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes bei Professor Michael Schneider an der Frankfurter Musikhochschule zu vervollkommnen. Schneider steht mit seiner Bearbeitung von A Division on a Ground des einige Zeit in England tätigen Gottfried Finger (1660-1730) am Beginn dieser beeindruckenden Tour d‘Horizon, welche sich auf der Debüt-CD der Künstlerin über gute 150 Jahre von den Anfängen bis in die späten Ausläufer des Barocks erstreckt. England, Italien und Frankreich sorgen auch für nationale Vielfalt des Programms.

Dabei sind die beiden geographisch am weitesten entfernten Länder kein Problem, waren musikalische Importe aus Italien doch in England sehr in Mode. Schwieriger wird es, auf der Blockflöte französische Flötenmusik anzubieten, da zur Blütezeit des Barocks die Traversflöte mehr dem Klangideal der Grande Nation entsprach. In ihrem fundierten Text schreibt Tabea Debus zu diesem Thema: „Für den Interpreten stellt sich damit die Frage, ob er das Ursprungsinstrument in seiner Klang- und Artikulationsweise möglichst imitiert oder eine ,rein blockflötistische‘ Version auf die Bühne bringt. Ich habe mich für letzteres entschieden …" Zwar geht bei der Musik Louis-Antione Dornels, Michel de la Barres und Michel Blavets dank der überaus virtuosen Wendigkeit der Künstlerin nichts von der verschlungenen melodischen Linienführung dieser Werke verloren, Eleganz und Charme der Musik bleiben allerdings etwas auf der Strecke. Bei der Chaconne von de la Barre hätte etwas mehr rhetorische Gestaltung verhindert, dass die fünf Minuten des Stückes sich in die Länge ziehen. Schließlich fehlt der Sonata seeconda aus Michel Blavets op. 2 die Mischung aus französischen und italienischen Stilelementen, die den goûts réunis ihre Raffinesse verleiht – da zeigt sich Ramon Ortega Queros Version, der das Stück auf einer modernen Oboe spielt, entschieden geschmeidiger, hier gelingt das Wagnis der Übertragung von der Traversflöte. Die italienischen Werke der Einspielung sind dem zupackenden Gestus der Solistin besser gewachsen.

Ein weiterer störender Aspekt dieser CD ist, dass die Blockflötistin von der Tontechnik so in den Vordergrund der Aufnahme gerückt wird, dass die übrigen Mitwirkenden zu Statisten degradiert werden – ein Verfahren, das dieser Musik in keiner Weise dienlich ist. Einmal bekommt der Cembalist Johannes Lang allerdings kurz Gelegenheit zu zeigen, was in ihm steckt: Der dritte Satz der Sonate von Paolo Benedetto Bellinzani ist für Cembalo solo: „per respiro del Flauto", merkt der Komponist an, und die Solostimme hat die einminütige Pause nach einer tour de force im Allegro und vor sieben Minuten langen Folia-Variationen auch wahrlich verdient.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass hier das CD-Debüt einer äußerst begabten Virtuosin vorliegt, die auch immer auf Tonschönheit bedacht bleibt, gelegentlich allerdings ihr Feuer zügeln sollte.

Vergleichsaufnahme: Ramón Ortega Quero (Oboe), Luise Buchberger (Violoncello), Peter Kofler (Cembalo). Solo Musica SM 142

Detmar Huchting [25.04.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gottfried Finger
1Division on a Ground for a Flute and Basso Continuo 00:03:17
Antoine Dornel
2Première Suite (aus: Sonates a violon seul et suites pour la flûte traversière avec la basse op. 2) 00:11:46
Riccardo Rognoni Taeggio
7Vestiva i colli (Dimunitionen über ein Madrigal von giovanni Pierluigi da Palestrina, aus: Selva di varii passaggi secondo l'uso moderno, Mailand 1620) 00:05:20
Paolo Benedetto Bellinzani
8Sonata duodecima op. 3 Nr. 12 für Altblockflöte und B.c. (aus: Sonate a flauto solo con cembalo o violoncello) 00:13:33
Michel Barre
12Sonate (L' Inconnuë) 00:05:05
Michel Blavet
13Sonata seconda (aus: Troisième livre de sonattes pour la flûte traversière, avec la basse, Paris 1740) 00:08:41
Anon.
16Durham Ground (Variationen über das Thema der Sarabande aus Arcangelo corellis Sonate op. 5/7) 00:08:38
Giovanni Pandolfi-Mealli
17Sonata Quarta (La Castella, aus: Sonatte a Violino solo op. 111, Innsbruck 1660) 00:06:51
18Sonata V F-Dur (aus: Sonatas or solos for a flute with a thorough bass for the harpsichord or bass violin op. 1, London 1724) 00:10:51
Henry Purcell
22A new Ground in e 00:03:18

Interpreten der Einspielung

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