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CD-Besprechung

Bach

Keyboard Concertos • Anastasia Injushina

Bach

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 26.03.13

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Ondine ODE 1224-2

1 CD • 69min • 2012

Flankiert von je einem Konzert des älteren Bruders Philipp Emanuel und des Vaters Johann Sebastian präsentiert Anastasia Injushina zwei Klavierkonzerte von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn des Thomaskantors. Ob man das nun als freundliches In-die-Mitte-Nehmen des Jüngsten durch die beiden Älteren oder als bedrohliche Einkreisung verstehen mag, bleibe dahingestellt. Der 15-jährige „Christel", so der familieninterne Rufnahme für Johann Christian, kam nach dem Tod des Vaters nach Berlin zu „Carl", wie die Familie den „Berliner" Bach rief. In der preußischen Hauptstadt machte der Jüngling seine ersten Erfahrungen mit der Oper, wurde aber unter der Anleitung des älteren Halbbruders auch ein erstklassiger Pianist und Organist. Er ging nach Mailand und wechselte dort für den Posten des Domorganisten die Konfession und wurde katholisch: Das hat „Carl" ihm nie verziehen, in der Familienchronik notierte er noch Jahrzehnte nach Johann Christians Religionswechsel erbittert, dass Veit Bach, der als Stammvater der Musikerdynastie wegen seines lutherischen Glaubens einst aus Ungarn ausgewandert war, sich doch ehrlicher verhalten habe. Ebenso wenig billigte er die Hinwendung des kleinen Halbbruders zur modernen Musik italienischer Prägung: „Hinter meines Bruders itziger Komposition ist nichts", lautete sein Urteil. Andrerseits ist Mozarts Zuneigung zum „Mailänder" später „Londoner" Bach bekannt, er kommentierte den Tod des 46-jährigen verarmten Komponisten am Neujahrstag 1782 mit den Worten „Schade für die musikalische Welt".

Das Spannungsfeld dieser CD zu gestalten, mit drei so verschiedenen, doch durch Familienbande verknüpften Individuen fertig zu werden, ist keine leichte Aufgabe. Doch keine Angst – Anastasia Injushina gelingt es, jedem einzelnen Bach sein eigenes Profil zu geben, wobei sie sich mit Ralf Gothóni als Dirigent der Hamburger Camerata auf einen inspirierten Weggenossen verlassen kann. Die 1770 im Erstdruck erschienen beiden Klavierkonzerts aus Johann Christians op. 7 werden in ihrer Klanggestalt mit modernem Instrumentarium näher an das moderne Klavierkonzert herangerückt, ohne dass ihnen die Grazie abhanden kommt, die den Charme dieser Werke ausmacht. Dabei weiß die Pianistin mit ihrem Instrument souverän und stilgerecht umzugehen – mit feiner Anschlagstechnik kommt sie besonders in der galanten Musik des jüngsten Bach dem Hammerflüügelklang nahe.

Carl Philipp Emanuel Bachs Klavierkonzert Klavierkonzert in D-Dur gehört in eine Reihe von sechs Klavierkonzerten, die Bach 1772 in Hamburg im Selbstverlag herausgab und die im Wotquenne-Verzeichnis der Werke die Nummer 43 erhalten haben. Bei aller Brillanz und Eleganz zeigt das Werk doch deutlich die Eigenart des „Berliner/Hamburger" Bachs, starke Stimmungsgegensätze brüsk nebeneinander zu stellen – damit ist er einer der wichtigsten Protagonisten des musikalischen „Sturm und Drangs" geworden, der weit bis ins 19. Jahrhundert stilbildend gewirkt hat. Bei aller Stilsicherheit im Vortrag gibt die Solistin – besonders im stimmungsvollen zweiten Satz – auch persönlichen Gestaltungswillen zu erkennen und gewinnt neben Andreas Staiers drei Jahre alter vorzüglicher Einspielung mit dem Freiburger Barockorchester durchaus eigenes interpretatorisches Profil.

Bei Vater Bachs E-Dur-Konzert BWV 1053 zeigt ein Vergleich mit András Schiffs Einspielung auf dem Konzertflügel und der Aufnahme des Cembalisten Bob van Asperen mit seinem Ensemble Melante, dass es auch hier für Anastasia Injushina keinen Anlass gibt, ihr Licht unter einen Scheffel zu stellen. So gönnt sie sich beim Siciliano, genau wie Bob van Asperen, Ruhe zum Genuss der idyllischen Stimmung, Schiff ist eine ganze Minute schneller als seine Mitstreiter und setzt auf Grazilität – die freilich auch bei der russischen Kollegin nicht zu kurz kommt. Fazit: ein geglücktes Familienporträt, das dank der 21 Jahre Altersunterschied zwischen den beiden Halbbrüdern fast über drei Generationen reicht.

Vergleichsaufnahmen :C. Ph. E. Bach: Andreas Satier (Cembalo), Freiburger Barockorchester, Petra Müllejans (Leitung), HMC 902083 - Joh. Christian Bach: Anthony Halstead (Fortepiano), The Hanover Band, cpo 999 600-2 J. S. Bach: Andras Schiff (Klavier), Chamber Orchestra of Europe, Decca Eloquence 0028948031603 - Bob van Asperen (Cembalo), Melante Amsterdam, Vir 5220012

Detmar Huchting [26.03.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C.Ph.E. Bach Konzert D-Dur Wq 27 H 433 für Cembalo und Orchester 00:22:05
4 J.Chr. Bach Klavierkonzert D-Dur op. 7 Nr. 3 00:10:39
5 Klavierkonzert Es-Dur op. 7 Nr. 5 00:16:30
9 J.S. Bach Klavierkonzert Nr. 2 E-Dur BWV 1053 00:19:05

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anastasia Injushina Klavier
Hamburger Camerata Ensemble
Ralf Gothóni Dirigent
 
ODE 1224-2;0761195122426

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