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CD-Besprechung

J.G.H. Mann

cpo 1 CD 777 620-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 22.02.13

cpo 777 620-2

1 CD • 74min • 2010

Johan Gottfried Hendrik Mann (1858-1904) – wer war dieser niederländische Tonkünstler aus Den Haag? Selbst in dem umfassenden Register der Enzyklopädie „Musik in Geschichte und Gegenwart" (Neuauflage) wird der Name dieses Mannes nicht erwähnt. Dagegen füllen die biographischen Informationen im Beiheft der vorliegenden cpo-Produktion fünf (viel zu klein und eng) bedruckte Seiten. Autor dieser aufschlußreichen Lesequelle ist John Smit aus Hilversum. Vier weitere Seiten widmet er den Werkerläuterungen und perfektioniert damit das CD-Beiheft zu einer ersten deutschspachigen, veritablen Mann-Monographie. Doch auch das Internet ist zwischenzeitlich aktiv geworden. Eine Einspielung des Klarinettenkonzertes mit Giovanni De Falco kann man gegenwärtig als nicht sonderlich audiophile MP3-Datei unter „musicload" erwerben. Wikipedia hält zusätzlich einen erstaunlich umfangreichen Text mit Manns stattlichem Werkkatalog bereit. Dagegen ist die nun vorliegende cpo-Werkauswahl in einer brillanten Aufnahmequalität mit exklusiver Solistenbesetzung als ein höchst aufschlußreiches Unternehmen zu begrüßen. Alles, was es hier zu hören gibt, ist neben der zu begrüßenden Wiederentdeckung zugleich das Tondokument eines tragischen Künstler(schatten)daseins zum Ende des 19. Jahrhunderts. Posthum offenbart es ein denkbar unglückliches Verhältnis zu den komponierenden Heroen von damals. Ein Schicksal, das vor allem dem relativ späten Erwachen einer nationalen Tonkunst und Orchesterpflege zuzuschreiben ist: ein erstes Niederländischer Musikfest fand erst im Jahre 1902 statt. Die aktuelle Musikszene des Fin du siècle sympathisierte dagegen noch lebhaft mit der französischen Schule um Saint-Saëns, Léo Delibes, Jules Massenet, Vincent d'Indy und Claude Debussy.

So gesehen ist die gegenwärtige Einspielung (2010) toal verblichener niederländischer Sinfonik der Jahre 1885-1901 mehr als nur ein Ausgrabungsfund für musikalische Entdeckungsreisende. Dafür stehen vor allem die beiden Konzertbeiträge Opus 90 und 101 Hendrik Manns mit je einem Violin- und Klarinettenkonzert. Beide Werke verbinden die konventionelle Dreisätzigkeit der Solistenkonzerte zu jeweils mehrteiligen, romantisch miteinander verschmolzenen Großszenen voller reizvoller Motivvarianten und Themenfolgen. Dynamische, melodische und dramatische Partien wechseln einander ab und sorgen für eine reiche Klang-, Farben- und Ausdrucksvielfalt. Romantisch-schwärmerische Episoden wetteifern („konzertieren") mit seiltänzerischen Virtuosenkapriolen.

Dennoch stellt sich unweigerlich die Überlebensfrage für derartige musikgeschichtliche Retrospektiven. Dazu gehört angesichts solcher medialen Repertoire-Rückprojektionen nun auch die Suche nach Chancen zu Wiederbegegnungen im Konzertsaal. Die Antwort kann nur, wie hier und jetzt, von Meisterinterpreten gegeben werden. Ebensoviel hängt von entsprechend enthusiastisch motivierten Dirigenten und Orchestern ab. Letztendlich wird sich aber das um Aufführungserfolge bemühte Konzertmanagement interessiert zeigen müssen. Sei es auch "nur" als Erstaufführung, Repertoire-Erweiterung, Kontrast oder Sonderbeitrag im Reigen gewichtiger Kost der etablierten Komponistenelite. Das beweisen hier Akiko Yamada als sensible Violinvirtuosin voller Zärtlichkeit und Schmeicheleien ihrer Streicher-Streichelkunst und der gefeierte Konzertklarinettist Sebastian Manz mit souveräner Beherrschung aller Nuancen und magischen Beschwörungsgesten seines Instrumentes. Hermann Bäumer, der Dirigent des Osnabrücker Symphonieorchesters, weiß wiederum mit seinen Musikern um die nicht so schnell wiederholbare Chance, dem vergessenen niederländischen Meister Hendrik Mann eine verdiente Neueinschätzung und Laudatio zu gewähren. Diese CD spricht für sich und für das gesamte cpo-Aufnahmeteam.

Dr. Gerhard Pätzig [22.02.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.G.H. Mann Feest Preludium op. 95 00:10:18
2 Konzert c-Moll op. 90 für Klarinette und Orchester 00:21:01
5 Konzert d-Moll op. 101 für Violine und Orchester 00:17:07
8 Suite Nr. 3 B-Dur op. 98 00:25:08

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sebastian Manz Klarinette
Osnabrücker Symphonieorchester Orchester
Akiko Yamada Violine
Hermann Bäumer Dirigent
 
777 620-2;0761203762026

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