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CD-Besprechung

Ondine ODE 1191-2D

2 CD • 1h 27min • 2011, 2012

18.12.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auf die Frage nach der Filmmusik Erich Wolfgang Korngolds charakterisierte Wolfgang Rihm diese einmal als einen dichten musikalischen Fluss, der manchmal nicht vom Fleck zu kommen und auf der Stelle zu kreisen scheint. Auch die hier auf einer Doppel-CD eingespielten Werke lassen diese Tendenz erkennen. Dass allerdings bei der Auseinandersetzung mit einem Großteil der Musik Korngolds nach Ansicht nicht Weniger viel Lärm um Nichts gemacht werde, diese Meinung kann ich in keiner Weise teilen, mit Sicherheit auch nicht der vorurteilsfreie Hörer beim und nach dem Hören der vorliegenden Ondine-Produktion – tatsächlich empfinde ich sowohl die Musik als auch ihre Wiedergabe als Genuss.

Bezeichnenderweise, so möchte man fast sagen, trägt ein Werk dieser Veröffentlichung auch noch den Titel Much Ado About Nothing (Viel Lärm um Nichts). Es handelt sich dabei um die nun erstmals komplett auf CD erschienene Musik zu dem gleichnamigen Shakespeare-Schauspiel, zu diesem Verwirrspiel um Sein und Schein; eine Komposition des einundzwanzigjährigen Korngold aus dem Jahr 1918. Diese Schauspielmusik op. 11 ist durchaus deskriptiv angelegt. Sie erweckt aber nicht den Eindruck, als bestehe ihr einziger Zweck in der Konkretisierung dessen, was hinter ihr steht. Ähnlich den späteren großen Filmmusiken ist sie abbildender wie psychologisierender Natur, gleichwohl von beeindruckender Leichtigkeit und mustergültigem Formbewusstsein. Dabei ist es unerheblich, in wie weit sie mit Strauss- und Zemlinsky-Anklängen spielt. In ihr findet sich Charmantes, Parodistisches und zart Lyrisches; Marschartiges (Holzapfel und Schlehwein) und Walzerseligkeit (Schlusstanz) dürfen natürlich auch nicht fehlen. Vor allem aber ist sie von tiefer Empfindung und klingt dank ihres Klangzaubers und ihrer bestechenden Instrumentierung so, wie es Korngold gerade in seinen Filmmusiken zu verwirklichen suchte – wie eine „Oper ohne Gesan"ì.

In hohem Maße wandlungsfähig gibt sich die sehr ambitionierte Sinfonietta op. 5 aus dem Jahr 1912 (wirklich erstaunlich ist die Leichtigkeit und Sicherheit, mit der der gerade einmal fünfzehnjährige Komponist den großen Orchesterapparat beherrscht). Das prägnante aufsteigende Fünftonmotiv des heiteren Kopfsatzes durchzieht leitmotivisch das ganze Werk: das energische Scherzo in Strauss-Manier, das träumerische Molto Andante und das imposante Patetico-Finale mit seinen weit angelegten Steigerungskurven. Einem Anker gleich bietet dieses Leitmotiv eine gewisse Sicherheit inmitten einer enormen Fülle an Gedanken und Gesten, die blitzschnell in andere atmosphärische und tonale Richtungen führen können. Charmantes und Verspieltes hat in dieser epischen und dichten Musik ebenso Platz wie Schwelgerisches und Dramatisches. Dass bei allen Spannungsverläufen aber wirkliche Höhepunkte fehlen, empfinde ich als einen Schwachpunkt dieses Werks. Nichts desto trotz ist es ein sehr verführerisches Opus, das – wie auch die Schauspielmusik op. 11 – von John Storgårds und dem Helsinki Philharmonic Orchestra nicht weniger verführerisch interpretiert wird, zugleich auch sehr stringent, was den Werken Tiefgang verleiht und die humoristischen Züge der Musik Korngolds schön betont, sowohl die vorder- als auch die tiefgründigen.

Christof Jetzschke [18.12.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Erich Wolfgang Korngold
1Much ado about nothing op. 11 00:43:38
CD/SACD 2
1Sinfonietta op. 5 00:43:33

Interpreten der Einspielung

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