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CD-Besprechung

Arnold Mendelssohn

Motetten zur Weihnacht Deutsche Messe op. 89

Arnold Mendelssohn

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 08.10.12

Klassik Heute
Empfehlung

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SWRmusic 93.293

1 CD/SACD stereo/surround • 67min • 2008, 2009, 2011

Mit Felix Mendelssohn-Bartholdy ist er zwar nur weitläufig verwandt, aber wie dieser hat er sich um die Wiederentdeckung und Neubewertung eines alten Meisters verdient gemacht. Während der berühmtere Vorgänger die Bach-Renaissance im 19. Jahrhundert einleitete, rückte Arnold Mendelssohn (1855-1933) Heinrich Schütz wieder ins richtige Licht. Dass er daneben auch selbst ein außerordentlich fruchtbarer und vielseitiger Komponist war, ist nach seinem Tod bald in Vergessenheit geraten. Im Hauptberuf war er Kirchenmusiker. In Berlin ausgebildet, kam er über Bonn, Bielefeld und Köln 1891 nach Darmstadt, wo er 35 Jahre lang als Kirchenmusikmeister der Hessischen Landeskirche tätig war. In Frankfurt lehrte er daneben am Hoch’schen Konservatorium, wo Paul Hindemith zu seinen Schülern gehörte.

Als Komponist versuchte Mendelssohn eine Erneuerung der evangelischen Kirchenmusik aus dem Geiste der Tradition. Nach seiner Auffassung war es in einer „Zeit des Historismus“ angesagt, zu den Quellen zurückzukehren: „Da unsere Zeit nicht selbst formschöpferisch ist, sondern höchstens formauflösend, so benutzt ein Künstler, der seine Situation begriffen hat, die überkommenen Formen je nach Bedarf.“ Das klingt nach Konservativismus und Eklektizismus, doch Mendelssohn geht mit den überlieferten Formen sehr kreativ um.

Das zeigt sich besonders in seiner Geistlichen Chormusik für Chor a cappella, die 1923/24 auf Anregung des Leipziger Thomaskantors Karl Straube entstand. Bekannte evangelische Kirchenlieder – im Falle der hier vorliegenden Weihnachtsmotetten sind es u. a. „Nun komm, der Heiden Heiland“, „Lobt Gott, ihr Christen“ und „Fröhlich soll mein Herze springen“ – stehen im Zentrum der Komposition, doch sie werden von einem kunstvollen polyphonen Stimmengeflecht umgeben, durch das sie eine neue Qualität erhalten. Wie in den Motetten fasziniert auch in der Deutschen Messe op. 89 (1923) Mendelssohns farbige Ausdeutung der gesungenen Texte. Die Stimmen ersetzen auch in dieser a cappella-Komposition ein lautmalerisches Orchester.

Die jetzt bei hänssler CLASSIC erschienene Sammlung von Aufnahmen des SWR Vokalensembles Stuttgart füllt nicht nur eine Lücke im Katalog, sondern präsentiert den verkannten Komponisten zugleich in Maßstäbe setzenden Interpretationen. In dieser Chorformation, die aus lauter Solisten zu bestehen scheint, die sich zu einem homogenen Ensemble fügen, sind alle Stimmfächer gleichwertig stark besetzt; die Leuchtkraft der Soprane führt bisweilen in „himmlische Gefilde“. Unter Leitung von Frieder Bernius, der immer ein feines Gespür für das richtige Maß und das richtige Tempo hat, finden die Sänger die hier geforderte Balance von Schlichtheit und Virtuosität, setzen die komponierten vokalen Klangmalereien vollendet um. Die Klangregie macht aus dem Funkstudio des SWR Stuttgart eine veritable Kathedrale.

Ekkehard Pluta [08.10.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Mendelssohn Deutsche Messe op. 89 00:28:12
7 Träufelt ihr Himmel von oben Nr. 5 op. 90 00:13:48
13 Lobt Gott, ihr Christen op. 90 Nr. 9 (Motette zum Weihnachtsfest) 00:13:53
18 Siehe! Finsternis decket das Erdreich op. 90 Nr. 10 (Motette zum Epiphaniasfest) 00:10:13

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
SWR Vokalensemble Stuttgart Chor
Frieder Bernius Dirigent
 
93.293;4010276025238

Bezug über Direktlink

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