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CD-Besprechung

Mieczyslav Weinberg

String Quartets Vol. 6

Mieczyslav Weinberg

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 20.07.12

Klassik Heute
Empfehlung

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cpo 777 587-2

1 CD • 75min • 2008, 2009

Mit Folge 6 liegen nun sämtliche Streichquartette Mieczyslaw Weinbergs (1919-1996) vor, eingespielt durch das Quatuor Danel. Von dem frühen Quartett Nr. 2 aus dem Jahr 1939 über das Quartett Nr. 12 (1970) zeichnet diese Produktion bis zu dem letzten, dem Quartett Nr. 17 von 1986 einen Bogen über das gesamte Quartettschaffen des russischen Komponisten polnisch-jüdischer Abstammung. Und sie zeigt einmal mehr, dass der mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetunion emigrierte Weinberg keineswegs ein Nachahmer seines Fürsprechers und Freundes Schostakowitsch war. Auch wenn er sich selbst zu den Schülern Schostakowitschs rechnete und sich als dessen „Fleich und Blut" fühlte, auch wenn beide in einem regen künstlerischen Austausch standen, so beweisen die drei hier vorgelegten Quartette, dass ihre eher gemäßigt moderne Tonsprache, ihr oft elegischer Grundton, ihre introvertierten Züge und ihr bei aller Leidenschaftlichkeit meist doch mehr gezügelter emotionaler Ausdruck, nicht zu vergessen ein unverkennbarer Einfluss jüdischer Folklore – eine ganz persönliche Handschrift ohne wirkliches Vorbild bei Schostakowitsch. Auch hat die Musik Weinbergs mit der für Schostakowitsch typischen beißenden Ironie, dem Sarkasmus und den oft unerwarteten romantischen Momenten nichts am Hut. Dagegen entdeckt David Fanning in seinem höchst kenntnisreichen, lesens- und nachdenkenswerten Booklet-Text eine gewisse Nähe zu Bartók, ja sogar zu Lutoslawski, Penderecki und Britten, was hier jedoch nicht diskutiert werden soll. Schließlich beweist diese Produktion, dass das Quatuor Danel für seine bisherigen Weinberg-Einspielungen zu Recht mit Lob überhäuft wurde.

Ein überaus engagierter Zugriff zeichnet das belgische Ensemble aus, das mit einem vielfarbigen und geschlossenen Ensembleklang sowie einer faszinierenden Klangphantasie jederzeit zu überzeugen weiß und dabei auf irreführende Romantizismen verzichtet. Es ist schon ein Ereignis, wie federnd, gleichzeitig aber auch auf eine bezwingende Weise energisch und auftrumpfend die Danels den serenadenartigen und leicht schmerzerfüllten Kopfsatz des Quartetts Nr. 2 angehen. Man mag gar nicht glauben, dass diese Musik von einem Menschen stammt, der es als seine „moralische Pflicht" sah, „vom Krieg zu schreiben, von den Gräueln, die der Menschheit in unserem Jahrhundert widerfuhren". Ganz anders bei dem elegischen und bisweilen beklemmenden zweiten Satz, der durch kurze Momente beinahe heiterer Gelassenheit aufgelockert ist, die sich dann aber wieder schnell zu hochgespannter Beklemmung verdichten. Hier, wie auch in dem extrovertierten und vor Energie berstenden Presto-Finale, ebenso in dem düsteren, geheimnisvollen sowie streckenweise verzweifelt und hysterisch anmutenden Quartett Nr. 12 und schließlich in dem trotz dunkler und tief melancholischer Momente recht spielerisch-sorglos wirkenden Quartett Nr. 17 mit seinen unüberhörbaren Klezmer- und Jazz-Einflüssen – überall legt das Quatuor Danel eine Eindringlichkeit an den Tag, die fast schon bedrückend wirkt, der man sich aber trotzdem nicht entziehen kann. Addiert man dazu noch das scharf konturierte Klangbild dieser Produktion, so komme ich an der Höchstwertung einfach nicht vorbei – eine glatte 10 für eine aufregende Musik und deren fesselnde Wiedergabe durch ein aufregendes Ensemble.

Christof Jetzschke [20.07.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Weinberg Streichquartett Nr. 2 op. 3/145 00:26:30
5 Streichquartett Nr. 12 op. 103 00:31:28
9 Streichquartett Nr. 17 op. 146 00:16:30

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Quatuor Danel Streichquartett
 
777 587-2;0761203758722

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