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CD-Besprechung

Claude Debussy

Piano Music Vol. 1

Claude Debussy

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 03.07.12

Klassik Heute
Empfehlung

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SWRmusic 93.290

1 CD • 73min • 2011

Kaum hat sich Michael Korstick ausführlich den weitgehend unbeachteten Werken Charles Koechlins gewidmet, kaum hat er Liszt auf seinen Années de pèlerinage ebenso analytisch wie einfühlend „begleitet", da überrascht er mit einem neuerlichen Repertoireschwenk – nun in Richtung Claude Debussy! Vielleicht wirkt diese Positionierung umso auffälliger, da mir Korstick als Debussy-Interpret bisher noch nicht begegnet ist. Seine Wandlungsfähigkeit scheint mir mit dieser Publikation ein weiteres Mal bewiesen, aber auch sein von darstellerischen Moden und Vorlagen unberührtes Klavierspiel. Das heißt: niemand wird bestreiten, dass sich Korstick eingehend mit der Geschichte des Interpretierens befasst hat, doch zeigen hier seine Wiedergaben der Debussy-Préludes von Beginn an eine eigene Sicht – oder genauer beschrieben: sie zeigen ganz eigene Schlussfolgerungen in den Detail- und Gesamtfragen auf der Basis gewachsener Kenntnisse.

In Bezug auf eine im Klang und in den Bewegungsmustern im ersten Moment noch an Friedrich Gulda gemahnende Vortragsweise gilt es allerdings warnend Einspruch zu erheben. Korstick ist als Debussy-Protagonist nicht die deutsche Reinkarnation des seinerzeit durchaus Jazz-nah operierenden Österreichers. Was die rhythmische Klärung und Beibehaltung der jeweils vorgegebenen Stückcharaktere anbelangt, so würde ich Korstick durchaus an der Seite Guldas platzieren, freilich im Klang, im Anschlag und in der detaillierten Präzisierung bildhafter Vorgegebenheiten weniger unerbittlich, weniger spitzfindig. Gulda operierte als linke und rechte Hand einer imaginären ästhetischen Opposition. Korsticks Vorgangsweise scheint mir diese Opposition miterlebt und im Weiteren verinnerlicht zu haben, ohne heute noch dem Musikfreund eine Lektion à la Gulda erteilen zu wollen.

Die zwölf Préludes des ersten Bandes erhalten hier eine An- und Durchsichtigkeit, eine Art der angedeuteten und konkretisierten Begrifflichkeit, wie sie mir aus kaum einer der zum Vergleich genannten Einspielungen erinnerlich ist. Benedetti Michelangeli entfaltet diese von Debussy ja erst am jeweiligen Werkende titulierten Miniaturen eine Spur weicher, bei aller Bewegung etwas statischer anmutend, wenn man will: mehr als absolute Musik, als unwandelbare Einzelerscheinungen – und dies ohne gestalterisches Wenn und Aber wie für alle Ewigkeit unserer Musikwelt.

Im Anschluss an die Préludes begibt sich Korstick auf ungewohntes literarisches Terrain. Neben vier, zum Teil von Robert Orledge ergänzten Kleinigkeiten werden wir mit der indisch angehauchten Tanzlegende Khamma bekannt gemacht. Es handelt sich nicht um eine Transkription und schon gar nicht eine Paraphrase in Lisztscher Manier, sondern um die pianistische Realisierung des vorliegenden Klavierauszuges. Das knapp 20 Minuten dauernde, von Debussy auch „Tanz-Pantomime" genannte Stück mit drei Szenen enthält eine Menge farbenreicher, gestenreicher Musik – sozusagen ein Klaviertheaterstück „sans paroles". Im Begleitheft ist das Libretto mit den dazugehörigen Durchgangszeiten des Klaviervortrags abgedruckt, so dass sich leicht der dramatische Verlauf nachvollziehen lässt bzw. die Deckungsgleichheit von Inhalt und musikalischer Ausformung nachzuprüfen ist.

Wem diese Khamma-Klavierfassung Anregung sein sollte, sich mit der Orchesterfassung zu beschäftigen, dem seien Einspielungen mit dem Orchestre de l‘O.R.T.F unter Jean Martinon (EMI CDC 74974974) und mit den Rotterdamer Philharmonikern unter James Conlon (Erato ECD 75330) genannt. In der Orchesterfassung ist auch ein Klavierspieler gefragt – im Fall der französischen Einspielung wird Fabienne Boury genannt, bei Conlon fehlt eine diesbezügliche Mitteilung.

Vergleichsaufnahmen: Benedetti Michelangeli (DG 413 450-2), Demus (Amadeo 423 272-2), Nagai (BIS 371), Francois (EMI CMS 769434 2), Armengaud (Arts 47840-2), Bavouzet (Chandos 10421), Koroliov (Tacet CD 13 1, bzw. DVD Audio D 131), Woodward (Celestial Harmonies 13279-2), Ciccolini (EMI 50999 685824 2 5 CD 48), Chaplin (Pierre Verany PV 700031), Ogawa (BIS CD-1955/56), Tebenikhin (Genuin 12227/II), Cortot (Piano Library PL 269), Kocsis (Philips 456 568-2), Pollini (DG 445 187-2), Dalberto (RCA 74321 606292), Toyama (Camerata 32CM-77), Casadesus (Sony SM2K 60795), Kay (Analekta FL 23135), Maisenberg (KHG/01/Box Glissando 779027-2), Gulda (Great Pianists Philips 456 817-2).

Peter Cossé [03.07.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Danseuses de Delphes (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Lent et grave 00:03:13
2 Voiles (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Modéré 00:04:12
3 Le vent dans la plaine (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Animé 00:02:10
4 Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Modéré 00:03:23
5 Les collines d'Anacapri (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Très modéré 00:01:11
6 Des pas sur la neige (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Triste et lent 00:05:00
7 Ce qu'a vu le vent d'ouest (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Animé et tumultueux 00:03:13
8 La fille aux cheveux de lin (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Très calme et doucement expressif 00:02:26
9 La sérénade interrompue (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Modérément animé 00:02:30
10 La cathédrale engloutie (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Profondément calme 00:09:36
11 La danse de Puck (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Capricieux et léger 00:02:52
12 Minstrels (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Modéré 00:02:14
13 Les soirs illuminés par l'ardeur du charbon L 150 (1917) 00:02:14
14 Khamma (Légende dancée en trois acts) 00:19:28
15 Intermède 00:03:25
16 Toomai des Eléphantes (compl. Robert Orledge) 00:05:33
17 Petite valse (compl. Robert Orledge) 00:01:49

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Michael Korstick Klavier
 
93.290;4010276025184

Bezug über Direktlink

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