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CD-Besprechung

cpo 777 647-2

2 CD • 2h 08min • 2010

20.03.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Während eines Sommerurlaubs in Pallanza am Lago Maggiore erlebte Franz Schreker 1929 eine Kasperletheater-Vorführung, die von einem Publikum aller Schichten und Altersstufen mit Begeisterung aufgenommen wurde. Sie brachte ihn auf die Idee, nach Fehlschlägen mit den ambitionierten, grüblerischen Werken Der singende Teufel und Christophorus einmal „ein ganz primitives, naives Theaterwerk zu schreiben, eine Oper für jedermann“. Freilich stand ihm auch der Universal Verlag im Rücken, der ihn drängte, endlich wieder einen Kassenerfolg zu schreiben. Und das Volksstück Schwanda, der Dudelsackpfeifer (1927) des jungen Tschechen Jaromir Weinberger schien dafür ein nacheifernswertes Vorbild abzugeben.

Auf der Suche nach einem geeigneten Sujet stieß Schreker, der seit seiner Jugendoper Flammen stets nur eigene Stories vertont hatte, auf die Erzählung Smetse Smee aus den „Flämischen Mären“ des belgischen Dichters Charles de Coster (1827-1879), ein patriotisch gefärbtes Schelmenstück aus dem 80jährigen Krieg. Wie in seinem Hauptwerk, dem Roman Ulenspiegel und Lamme Goedzak, bildet die Unterdrückung der Flamen durch die Spanier den historischen Hintergrund der Geschichte. Der vorher viel gefragte Schmied Smee wird von einem Konkurrenten als Feind der Spanier denunziert, verliert seine Arbeit und verschreibt aus Verzweiflung seine Seele dem Teufel, dem er nach sieben Jahren jedoch ein Schnippchen schlägt. Zahlreiche gute Werke und die Fürbitte des heiligen Josef führen dazu, dass er am Ende doch im Paradies Einlaß findet.

Schreker wählt für diese seine einzige heitere Oper einen Mischstil, der klassische Musikformen mit volkstümlichen Tänzen und gelegentlich avantgardistischer Harmonik verbindet. Zunächst erinnert dabei nichts an den Komponisten von Der ferne Klang. Doch sobald die Hölle ins Spiel kommt, findet er zu seinem Stil zurück. Während er sonst ziemlich eng an de Costers Vorlage bleibt, ersetzt er den dort auftretenden untoten König Philipp II. durch die Höllenrose Astarte, in der alle erotisch bestrickenden Frauen seiner früheren Opern gleichsam zusammengefasst sind. Da ist der Klangmagier Schreker wieder ganz in seinem Element. Doch auch die himmlischen Heerscharen tönen nicht oratorienhaft rein, ihre Gesänge erwecken beim heutigen Hörer eher Assoziationen an den „Tanz der Vampire“.

Die Uraufführung an der Städtischen Oper Berlin am 29. Oktober 1932 führte zu einem von den Nationalsozialisten provozierten Theaterskandal. Das Stück verschwand vom Spielplan und tauchte auch nach dem Krieg lange Zeit nicht wieder auf. 1981 machte die Staatsoper Unter den Linden den ersten Versuch einer Wiederbelebung, 1992 folgte das Theater in Bielefeld. Die Oper Chemnitz, deren Produktion jetzt auf CD vorliegt, war erst die dritte Bühne, die sich dieses vitalen Stücks wieder annahm, einer echten Volksoper nicht nur vom Anspruch her. Deren theatralische Energie und musikalische Schlagkraft vermittelt sich auch auf der Tonkonserve. Frank Beermann und die Robert-Schumann-Philharmonie fächern die reiche Klangpalette Schrekers auf, sorgfältig im kammermusikalischen Detail, schwelgerisch in den sinfonischen Zwischenspielen, markant in der dramatischen Akzentsetzung. Das tüchtige Ensemble der Chemnitzer Oper – alle Rollen sind adäquat und charakteristisch besetzt – wird angeführt von dem klangvoll tönenden und präzise artikulierenden Oliver Zwarg als Smee – da scheint ein echter Heldenbariton heranzuwachsen.

Ekkehard Pluta [20.03.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schreker
1Der Schmied von Gent (Große Zauberoper in drei Akten)

Interpreten der Einspielung

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