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CD-Besprechung

Johann Caspar Kerll
Sämtliche freie Orgelwerke

Johann Caspar Kerll<br />Sämtliche freie Orgelwerke

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 27.02.12

Klassik Heute
Empfehlung

NCA 60248

1 CD • 73min • 2011

Zwar schließt diese Gesamtaufnahme aller freien Orgelwerke Johann Caspar Kerlls (1627 – 1693) durch Wolfgang Kogert nicht wirklich eine Repertoirelücke: Bereits 2006 etwa hatte Joseph Kelemen bei Oehms Classics eine sehr gute Einspielung dieses Werkbestands vorgelegt. Dennoch ist diese an der Wöckherl-Orgel der Franziskanerkirche in Wien entstandene Retrospektive sehr willkommen, weil sie so inspiriert ist und der auf so überraschende Weise prosperierenden Kerll-Interpretation neue Facetten hinzufügt.

Dies liegt darin begründet, dass Kogert die im Vergleich zur späteren Zeit so unscheinbar wirkenden Notentexte eher als unvollständige Niederschriften versteht und damit als Reflexe auf eine einst blühende Musizierpraxis, die kaum so bescheiden gewesen sein kann, wie die Notate es nahelegen. Kerll rechnete, so, wie er möglicherweise auch kühn die systembedingten Unreinheiten der mitteltönigen Stimmung ausnutzte, mit dem Einfallsreichtum des Spielers. Daher ergeben sich in Kogerts Gesamtaufnahme immer wieder Differenzen zum etwas älteren Konkurrenzunternehmen Kelemens. Kogert leitet etwa – ähnlich wie Kelemen – die Toccata V „tutta de salti“ mit einem Lauf ein und verziert überhaupt reichlich. Die Passacaglia in D wird zu Beginn weitaus intimer registriert als bei Kelemen, wodurch Kogert einen geradezu tristen Effekt erzielt und außerdem gute Steigerungsmöglichkeiten hat; die Ciaccona in C wird, wie schon bei Kelemen, überhaupt nur auf dem Brustpositiv gespielt; was Kogert jedoch generell von Kelemen unterscheidet ist, dass er bewußt, wie er im Beiheft erläutert, die Subsemitonien des Brustpositivs nur sehr sparsam einsetzt, um die stimmungsbedingten Härten zu mildern – die schrägen Harmonien kann man, anders als bei Kelemen, in voller Buntheit genießen.

Generell zeichnet sich Kogerts Spiel durch seinen energischen Zugriff aus, der nie dazu neigt – wie bei manch anderen Barockmusikern – Selbstzweck zu werden, sondern mit akutem Gespür für musikalische Formgebung immer dann besonders aktiviert wird, wenn die Musik auf der Stelle treten oder leerlaufen könnte. Aus diesem Grund kann man die sehr kurzweilig angeordnete Gesamtaufnahme mit großem Gewinn im Ganzen anhören. Zum glänzenden Eindruck dieser Veröffentlichung trägt auch das ansprechend gestaltete und reichhaltige Beiheft bei (nur, dass der Organist gleich mehrmals mit demselben Porträt abgebildet ist, ist wohl bei aller Wertschätzung etwas übertrieben). Kogert hat die durchaus vergleichbare Gesamtaufnahme Joseph Kelemens nicht übertroffen, sie aber um viel interessante Aspekte ergänzt.

Vergleichsaufnahme: Joseph Kelemen; Oehms Classics 362.

Dr. Michael B. Weiß [27.02.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.C. Kerll Toccata VIII 00:03:39
2 Canzona I 00:02:33
3 Toccata V (Tutta de salti) 00:03:32
4 Canzona VI 00:02:51
5 Toccata II 00:03:12
6 Canzona II 00:02:46
7 Ciaccona 00:03:01
8 Toccata VI (Per il pedale) 00:03:07
9 Canzona III 00:03:04
10 Toccata VII 00:03:56
11 Capriccio sopra il cucu 00:02:27
12 Toccata I 00:03:50
13 Passacaglia 00:07:37
14 Canzona V 00:02:18
15 Toccata IV (Cromatica con durezza e ligature) 00:05:47
16 Canzona IV 00:02:08
17 Toccata III 00:05:23
18 Ricercata 00:04:02
19 Battaglia 00:06:09

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Wolfgang Kogert Orgel
 
60248;0885150602485

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