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CD-Besprechung

Grand Concerto 4 Tubas

Acousence Classics ACO-CD 10911

1 CD • 55min • 2011

27.12.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Das spektakulärste Moment dieser bemerkenswerten Produktion ist natürlich, dass hier das nach Wissen des Rezensenten erste ausgewachsene symphonische Konzert für Tubaquartett vorgelegt wird, ein etwa 24-minütiges Werk des amerikanischen Tubisten und Komponisten John Stevens, Jahrgang 1951. Das Genre des Tubaquartetts ist seit längerer Zeit bekannt; wenngleich das breite Publikum immer wieder frappiert ist, wie beweglich die Tuba doch ist und wie orgelgleich und dennoch unendlich mächtiger ein sauber zusammenspielendes Tuba-Quartett wirkt. Dennoch muß man festhalten, dass bislang kaum renommierte Komponisten für diese immer noch exotische Besetzung komponiert haben; den Mut eines Robert Schumann, der ein hinreißendes Stück für Hornquartett und Orchester komponierte, hatte bislang noch kein adäquater Nachfahre.

Vielleicht ist das auch gar nicht schlimm, da nicht jede Art von Stilistik auf gleiche Weise für das Tuba-Quartett geeignet ist und es so scheint, dass ein Komponist gut daran tut, sich selbst zu beschränken und mit den ureigenen Möglichkeiten dieser Besetzung zu wuchern. Es ist auch fast nachrangig, welche Art von Material verwendet wird, weil allein der tiefdunkle, so angenehm schwere, dennoch stets weiche, nie aggressive Klang der vier harmonierenden Tuben so schön ist, dass man sich allein darüber freut. Stevens gibt den vier Meistern des Melton Tuba Quartetts für das Grand Concerto von 2010 viele akkordische Passagen zu spielen, in denen das Ensemble mit seiner sanften Wucht großen Eindruck machen kann, lockert jedoch dieses schwergewichtige „Concertino“ auch durch viele halsbrecherische Solopassagen auf. Das Verhältnis zum Orchester ist sehr gut ausbalanciert, die Duisburger Philharmoniker werden als eigener Apparat, nicht nur als Hintergrund ernst genommen. Weil es in diesem Initialwerk einer potentiellen neuen Gattung darum ging, den Apparat Tubaquartett als Partner eines konzertierenden Orchesters zu etablieren, tat John Stevens gut daran, eingeführte Genresätze wie die Intrada, Scherzo, Ballade und Tanzsätze wie Tango und Tarantella für die Formgebung zu verwenden. Damit bleibt Stevens, der über Erfahrung in den verschiedenen Unterhaltungsstilen, auch im professionellen Instrumentieren, verfügt, innerhalb jenes Horizonts von international vermittelbarer Spielmusik, in der die meisten neuen Kompositionen für bislang vernachlässigte Blechblasinstrumente und verschiedene Ensemblebesetzungen entstanden sind – etwa auch von Enrique Crespo und anderen. Die Stars des Melton Tuba Quartetts, die tatsächlich eine einzigartige Qualität im schlafwandlerisch sicheren Zusammenspiel hören lassen, haben damit ein kurzweiliges und geistreiches Vehikel auf den Leib geschriebenen bekommen.

Die übrigen Stücke zeigen Möglichkeiten, aber auch Unmöglichkeiten populären Komponierens für Orchester. Während Jubilare eine flotte Übung in moderner Tonalität bietet, angereichert durch „Strawinsky-Ismen“ und Bernstein-Anklänge, funktioniert dies beim Adagio for Strings von 2009 weitaus weniger, mit leicht aufpoliertem Material frisch und fröhlich zu komponieren. Dieses recht abgestanden Trauerstück schielt unverholen auf Barbers legendäres Adagio aus dem 1. Streichquartett, vermag aber nicht annäherungsweise dessen kontrapunktische und formale Dichte zu wiederholen. Das ist aus kompositorischer Sicht der interessante Befund dieser bemerkenswerten CD: dass das eklektische Komponieren besser für leichte, optimistische Divertissement-Musik geeignet ist als für Ernst und Tiefgründigkeit.

Dr. Michael B. Weiß [27.12.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
John Stevens
1Jubilare! für Orchester 00:06:18
2Adagio für Streichorchester 00:12:21
3Grand Concerto für 4 Tubas und Orchester 00:23:54
7Adagio für 8stg. Tuba-Euphonium-Ensemble 00:07:16
8Power für Tuba-Ensemble 00:01:40
9Benediction für Tuba-Ensemble 00:03:04

Interpreten der Einspielung

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