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CD-Besprechung

Ondine ODE 1169-2

1 CD • 69min • 2010, 2011

19.12.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Was mir beim ersten Durchgang vorkam wie eine Chorstunde in Hogwarts, war magisch genug, um nach dem zweiten Anhören eine tiefe Wirkung zu tun, denn die zumeist aus den siebziger Jahren stammenden Stücke bahnen sich mit ihrer beinahe volksliedartigen, indes nie heimatkundlichen Attitüde einen ganz direkten Weg ins Gemüt. Die drei Kinderreime (Lorulei) oder der von einer einzigen, beinahe gespenstisch gestrichenen Geige akkompagnierte Viatonten valssi (Walzer der Unschuldigen), die viersätzige Suite nach Federico García Lorca und die evangelische Miniatur Puusepän poika (Des Zimmermanns Sohn), vor allem aber die Messe für Kinderchor und Streichorchester, mit der die CD ihren Abschluß findet, bringen mich wieder einmal zu der fundamentalen Frage: ob wohl bei dem einen oder andern Meister der Gegenwart hinter allen komplexen technischen Erwägungen, unter allen Trümmern babylonischer Klangtürme und Philosopheme, die nötig schienen, um im internationalen Konzert mitreden zu dürfen – ob da nicht am Ende doch die Schumannsche Sehnsucht schlummert, so „einfach zu werden wie ein Volkslied"? Wenn sich die Kinderstimmen, nachdem zwischen Kyrie, Gloria und Agnus Dei jeweils instrumentale Meditationen erklangen, mit den bis dahin selbständigen Streichern zu einem schlichten Alleluia vereinen, werden wir mit einem deutlichen „Ja" antworten müssen – und denke bitte niemand, es sei diese hymnische Simplizitäät am Ende eine jener „Niedlichkeiten", wie sie bei Schulfesten der dritte Spargel, der zweite Broccoli und die vierte Tomate zum strahlenden Vergnügen der stolzgeschwellten Eltern plärren.

Gleichermaßen ernsthaft ist das 25-minütige Mysterienspiel Marjatta matala neiti nach der fünfzigsten Rune des Kalevala. Die Geschichte von dem schönen Mädchen Marjatta (Maria), das beim Hüten der Schafe eine Preiselbeere verschluckt, von dieser schwanger wird (selbstredend glaubt ihr keiner!), beim bösen Ruotus (Herodes) und seiner noch böseren Frau vergeblich Schutz sucht und schließlich in einem Stalle gebären muß – das ist ein wahrhaft „symbolträchtiges" Geschehen, in dem sich das Nationalepos für eine neue Zukunft öffnet. Eine Flöte, einige Bongos, ein Amboß sowie ein Streichquartett begleiten Marjatta, diese schlichte und doch raffinierte Mischung aus Szene, Melodram und kontemplativen Chören, bei der ich ein wenig an den 1931 geborenen Esten Anti Marguste denken mußte: Hier wie dort eine aus den Urgründen emporsteigende Einfachheit, ein Schöpfen aus den geheimnisvollen Tiefen hinter der Politur, eine Rückbesinnung auf verschüttete Kräfte der geistigen Natur – und plötzlich ist selbst die Gesangsstunde von Hogwarts keine ganz alberne Assoziation mehr. Einzig der Mangel an deutschen Einführungs- und Gesangstexten stört den Zauber ...

Rasmus van Rijn [19.12.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Einojuhani Rautavaara
1Marjatta matala neiti (Ein finnisches Mysterienspiel in einem Akt) 00:25:05
2Puusepän poika 00:03:32
3S Suite de Lorca 00:06:43
7Lorulai 00:02:37
10Viatonten valssi 00:02:52
11Wenn sich die Welt auftut 00:10:30
16Rakkaus ei koskaan häviä 00:02:48
17Lapsimessu 00:14:26

Interpreten der Einspielung

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