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CD-Besprechung

Gerhard Oppitz

Japanese Piano Works

Gerhard Oppitz

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 20.09.11

hänssler CLASSIC 98.631

1 CD • 79min • 2011

Auch wenn sie schon lange kein Zwergendasein mehr führt, steht die moderne asiatische Musik immer noch fest auf den breiten Schultern europäischer Vergangenheit. Mag die unvergleichliche atmosphärische Palette des französischen (post-)impressionistischen Idioms auch das favorisierte Werkzeug fernöstlicher Komponisten sein, so ist es doch in gewisser Weise das Echo eines peniblen Studiums der gesamten abendländischen Kunstmusik, welches in ihren Werken widerhallt und sich so für sie in gleichem Maße als Bürde wie als Basis erweist. Möchte ein europäischer Hörer sich nun ernsthaft mit Klaviermusik aus Japan beschäftigen – einem Land, dessen Kultur wie keine andere gegründet ist auf das Assimilieren und Perfektionieren ausländischer Vorbilder – muß die erste Aufgabe also sein, sich freizumachen vom nur zu nahe liegenden, letztlich aber ignoranten Gedanken „gut gemacht, klingt aber verdächtig nach…!" Damit täte man solchen Meistern der Verfeinerung wie Toru Takemitsu oder Toshi Ichiyanagi ein großes Unrecht an, welche die Klangsprache des 20. Jahrhunderts in differenzierteste ästhetische Regionen weiterentwickelt haben.

Bislang setzten sich verständlicherweise fast ausschließlich japanische Pianisten für die Musik ihrer Landsleute ein, etwa die hervorragende Noriko Ogawa beim Label BIS. Dass nun ausgerechnet Gerhard Oppitz eine CD mit japanischen Klavierwerken vorlegt, wirkt auf den ersten Blick erstaunlich, ist aber nur die logische Konsequenz aus seinem sich über Jahrzehnte erstreckenden Enthusiasmus für dieses Land. Das Programm zeugt dabei von großer Experimentierfreudigkeit, denn mit Ausnahme von Takemitsus berühmtem Rain Tree Sketch hat er sich Werke von Komponisten ausgesucht, die wohl nur den wenigsten geläufig sein dürften.

Den Einstieg bildet die Suite On the waters' edge von Keiko Fujiie, die einer jüngeren japanischen Generation angehört und auch ohne ein Studium in Europa zu ihrem Stil gefunden hat. Fujiies zwölf Wasserbilder, hochimaginative Miniaturen mit poetischen Titeln, sind reich an empfindsamen, in klaren Linien gemalten Stimmungen. Wie Kurzgeschichten muten die besten Nummern an, mit raschem Vorantreiben der Handlung und überraschendem Ausgang; bei den weniger überzeugenden schrammt die Komponistin in längeren pedalumflorten Ostinato-Passagen zum Teil hart am Geheimnisvolles-Fernost-Klischee vorbei. Die Suite als Ganzes ist aber eine echte Entdeckung, die Spaß macht und sich aufgrund ihrer überschaubaren Schwierigkeiten besonders für angehende junge Pianisten anbietet.

Mit dem vorzüglich interpretierten Rain Tree Sketch und Shinichiro Ikebes La Terre est bleue comme une orange stellt Oppitz zwei kurze Stücke mit viel Substanz in die Mitte seines Albums. Ihre inneren Schichten öffnen sich erst beim wiederholten Hören, wenn man anfängt, die klanglichen und rhythmischen Elemente in ihrer wechselseitigen Beziehung zu erkennen. Ikebes Werk erweist sich dabei als das schwieriger zu durchschauende, was möglicherweise auch an Oppitz' germanisch-gewichtiger Umsetzung der unruhigen Motorik liegen mag, auf der die Rahmenteile des Stückes fußen.

Der ganz große Brocken der Aufnahme, Saburo Morois halbstündige, manchmal ziemlich voraussagbare Zweite Sonate, ist von hoher Qualität, auch wenn er über diese lange Strecke wohl nur dann wirklich mitzureißen vermag, wenn die kreative Flamme des Interpreten permanent auf Weißglut brennt. Gerhard Oppitz legt hier mehr Wert auf gründliche formale Geschlossenheit und saubere Pianistik, er lässt sich durch Morois hitzige Attacken für mein Empfinden viel zu wenig aus der Ruhe bringen. Der lange Atem, mit dem er das hochdramatische Finale durchmisst, zieht einen allerdings wieder in den Bann der Musik und hinterlässt einen bleibenden Eindruck, noch lange nach dem letzten Ton. Was ebenso für die gesamte CD gilt, die Lust macht auf mehr von dieser ganz eigenen, frischen Musik, die sich nicht in den üblichen Kategorien bemessen lässt.

Henri Ducard [20.09.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Fujiie On the Water Edge (Suite) 00:37:31
13 T. Takemitsu Rain Tree Sketch 00:04:18
14 Sh.-I. Ikebe La Terre est bleue comme une orange 00:06:42
15 S. Moroi Klaviersonate Nr. 2 00:30:18

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gerhard Oppitz Klavier
 
98.631;4010276024507

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