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CD-Besprechung

Farinelli The Composer

NCA 60238

1 CD • 69min • 2009

10.10.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

„Farinello hatte eine durchdringende, völlige, dicke, helle und egale [=gleichmäßige] Sopranstimme, deren Umfang sich damals vom ungestrichenen a bis zum dreigestrichenen d erstreckte… seine Intonation war rein, sein Trillo schön, seine Brust, im Aushalten des Atems, außerordentlich stark, und seine Kehle sehr geläufig, so dass er die weit entlegensten Intervalle geschwind und mit der größten Leichtigkeit herausbrachte", erinnerte sich Johann Joachim Quantz an den Kastraten Carlo Broschi (1705-1782), der unter seinem Künstlernamen Farinelli einer der größten Opernstars seiner Zeit war. Sein Leben wurde 1994 Gegenstand des berühmten Films, der den Golden Globe gewann und auch für den Oscar nominiert wurde.

Dass Farinelli sich als Komponist nicht zu verstecken brauchte, zeigt diese CD mit Arien und Szenen aus seiner Feder. Einige von ihnen sind in einem Manuskript erhalten, das Farinelli Kaiserin Maria Theresia zum Geschenk machte und in dem er mit roter Tinte die halsbrecherischen Verzierungen notiert hatte, die er bei seinen Vorstellungen zu singen pflegte. Jörg Waschinski, als Sopranist besonders im hohen Register trainiert, hat einzelne von diesen Arien in das Programm dieser CD aufgenommen. Für die Gesangseinlagen des Films hatte man seinerzeit Farinellis Stimme künstlich nachgebildet, indem man die Stimmen des Countertenors Derek Lee Ragin mit jener der Koloratursopranistin Ewa Malas-Godlewska elektronisch mischte. Ein solcher stimmlicher Hybrid ist natürlich etwas völlig anderes als eine natürliche, mit ausgefeilter Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik hervorgebrachte Stimme.

Dennoch: Was kann uns heute den Zauber Farinellis nahebringen, der den nur wenige Jahre älteren Johann Joachim Quantz zu seinen Lobeshymnen inspirierte? Nicht die hübsche, aber keineswegs über das Mittelmaß seiner Zeitgenossen herausragende Musik Farinellis/Broschis; auch nicht die stilgerechte Begleitung der Salzburger Hofmusik unter ihrem Leiter Wolfgang Brunner. Aber schon gleich gar nicht der Gesang Jörg Waschinskys, der mit dem Label „Sopranist" seine Höhenrekorde feiern will, aber zu keinem Zeitpunkt dieser Produktion in die Nähe dessen kommt, was Quantz als Qualitäten von Farinellis Stimme rühmte. Mit quiekendem Timbre und bemühter Intonation ist der Kunst der Kastraten nicht beizukommen. Sie hatten durch eine grausame Operation ihre Naturstimme behalten; heute beweisen zahlreiche Frauen, die sich in passender, natürlicher Stimmlage zu stilgerechten Sängerinnen dieses Repertoires herangebildet haben, dass die Künste von Farinelli und seinen „Leidensgenossen" keine Aufgabe für ein sängerisches „drittes Geschlecht" sind. Da braucht es stimmgewaltige und stilgerechte Interpret/Innen, die als Männer oder Frauen in der hohen Stimmlage echte Virtuosität beweisen – Jörg Waschinsky gelingt das hier nicht.

Eduard Finke [10.10.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carlo Broschi (Farinelli)
1Io sperai del porto in sano (Aria) 00:09:52
2Invan ti chiamo, invan ti cerco ... Al dolor che vo sfogando (Recitativo ed Aria) 00:18:36
4Ogni di più molesto dunque ... Non sperar, non lusingarti (Recitativo ed Aria) 00:12:15
6Che chiedi? (Aria) 00:08:06
7Son pastorello amante 00:03:08
8Ecco quel fiero istante (La Partenza) 00:02:40
9Ecco quel fiero istante (La Partenza) 00:01:33
10Regal Britannia ... Ah, che non sano (Recitativo ed Aria) 00:06:21
12England's Lamentation for the los of Farinelli 00:06:34

Interpreten der Einspielung

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