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DVD-Video-Besprechung

Ondine ODV 4009

1 DVD-Video • 1h 53min • 2010

25.03.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Obwohl sein Hauptwerk, der Roman Die sieben Brüder, mehrfach ins Deutsche übersetzt wurde, dürfte Aleksis Kivi hierzulande nur wenigen Lesern ein Begriff sein. In seiner Heimat gilt er dagegen als eine herausragende Größe, denn er war der erste Schriftsteller, der das Finnische als Literatursprache verwendete. Seine Kollegen und Vorgänger hatten sich stets des Schwedischen bedient. Zunächst als nationaler Held gefeiert, sah sich Kivi bald starker Kritik und wilden Schmähungen ausgesetzt. Vor allem der Sprachwissenschaftler und Gelegenheitsdichter August Ahlqvist setzte ihm unter Berufung auf den gefeierten Nationaldichter Johan Ludvig Runeberg heftig zu. Die Literatur, so sein rückwärtsgewandtes Credo, dürfe die Menschen nicht abbilden, wie sie sind, sondern nur so, wie sie sein sollten. Ähnliche Debatten gab es zur selben Zeit auch in anderen Ländern, vor allem in Frankreich, als mit Flaubert und später Zola der Realismus in die Literatur eintrat. Kivi war den Anfeindungen jedoch charakterlich nicht gewachsen, flüchtete in den Alkohol und starb 1872 im Alter von erst 38 Jahren in geistiger Umnachtung.

Kivis Scheitern und seine daraus folgende Schizophrenie ist das Thema von Einojuhani Rautavaaras (nach Vincent) zweiter Künstler-Oper, die im Auftrag des Savonlinna Festivals entstand und dort 1997 uraufgeführt wurde. Wie in seinen anderen Bühnenwerken ist der Komponist auch hier sein eigener Librettist, der bei dieser Gelegenheit - dramaturgisch durchaus geschickt - originale Dichtungen Kivis in den Text einbaut. Der Protagonist ist zweigeteilt in das früh gealterte menschliche Wrack und den hoffnungsfrohen idealistischen Jüngling. Beide Alexisse singen im Epilog im Duett, wodurch die Schizophrenie auch musikdramatisch sinnfällig wird. Der in fast hoffmanesker Manier dämonisierte Kritiker Ahlqvist, der nimmermüd seine (offenbar authentischen) Litaneien deklamiert, ist eine reine Sprechrolle, ebenso der Dichter Runeberg, der von ihm im Rollstuhl über die Bühne gefahren wird und als debiler Greis dargestellt ist (der er in Wirklichkeit nicht war).

Musikalisch ist Aleksis Kivi von einem versierten Eklektizismus bestimmt, der im Dienste der Stimmungsmalerei romantische und atonale Stilmittel vermengt. Die Orchesterbesetzung ist klein (Streicher, zwei Klarinetten, zwei Schlagzeuge, Synthesizer), die Vokalpartien sind einem kantablen Sprechgesang verpflichtet, der sich gelegentlich zu lyrischer Expressivität steigert. Rautavaara beherrscht das Handwerk des Musikdramatikers gut genug, um über anderthalb Stunden Spieldauer die Spannung zu halten. Adäquat realisiert, kann das Stück seine Bühnenwirkung nicht verfehlen.

In Helsinki war wieder das Team am Werk, das zwei Jahre zuvor schon Aulis Sallinens The Red Line zum Erfolg geführt hatte. Auch hier setzt der vom Schauspiel kommende Regisseur Pekka Milonoff wieder auf Stilisierung und sinnfällige Körpersprache, und schafft spielerische Übergänge zwischen den Bewusstseinsebenen der beiden Alexisse; seine Inszenierung stellt zugleich – auch in der Ausstattung – eine historische Distanz her.

Jorma Hynninen, als damaliger Chef des Savonlinna Festivals Auftraggeber der Oper, ist hier wie seinerzeit der gescheiterte Dichter-Heros, prägnant im Spiel und trotz seiner fast siebzig Jahre von ungebrochener vokaler Präsenz. Der junge Ville Rusanen setzt ihm als sein jugendliches Alter Ego einen klangschönen, schlanken lyrischen Bariton entgegen. Ohne jede Outrage in seinem Fanatismus furchteinflößend ist Janne Reinikainen als Kritikerteufel Ahlqvist. Aus dem exzellenten Ensemble ragt des weiteren die Mezzosopranistin Riikka Rantanen als Kivis reife und verliebte Gönnerin Charlotte heraus. Mikko Franck arbeitet mit einem pulsierenden Dirigat der Szene wirkungsvoll zu.

Ekkehard Pluta [25.03.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Einojuhani Rautavaara
1Aleksis Kivi (Oper in drei Akten)

Interpreten der Einspielung

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