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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 32684

1 CD • 67min • 2010

04.03.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Ernst von Dohnányi war achtzehn Jahre alt, als er unter der Anleitung des bedeutenden Budapester Lehrers Hans Kößler seine F-Dur-Sinfonie begann, die weit mehr als eine Schularbeit und doch eine solche im besten Sinne des Wortes wurde. Makellos gefertigt, vermutlich durch die Hand des vorzüglichen Pädagogen aus Deutschland an allen Kanten geschliffen, im unverkennbaren Fahrwasser der deutschen und böhmischen Romantik, volltönend und wiederum makellos instrumentiert, erhielt die ebenso ein- wie ausladende Kreation einen der wohldotierten Musikpreise, die Kaiser und König Franz Josef I. für das Jahr 1897 ausgelobt hatte – und ohne die konkurrierenden Einreichungen zu kennen, sei gesagt, dass die Auszeichnung sicherlich verdient war, denn nicht nur die Fassade und die Architektur sind über weiteste Strecken vorzüglich geraten, sondern die tönende Hommage an Schumann, Brahms, Dvorák und andere Größen (höre ich im Kopfsatz nicht mitunter ein wenig Wagner wallen?) zeigt darüber hinaus eine seelische Tiefe, die sich nicht durch die bloß „richtige“ Befolgung des Regelwerks erreichen läßt. Da ist vieles geradezu geistreich gelöst, mal amüsant, mal rührend-berührend zu hören, bis wir den, nicht nur für den jungen Dohnányi relevanten Final-Problemen begegnen, die sich durch die ausgiebigsten Sequenzen nicht beseitigen lassen. Doch insgesamt, es sei noch einmal gesagt, ein äußerst beachtliches Stück Musik, vom Symphonieorchester Miskolc unter László Kovács mit erfreulichster Wärme nicht allein gewissenhaft, sondern merklich engagiert vorgetragen.

Der preisgekrönten Sinfonie folgt die im selben k.k.-Wettbewerb siegreiche Ouvertüre Zrínyi, ein „Heldenstücklein“ über den magyarischen Heerführer Zrínyi Miklós, der im 16. Jahrhundert die Türken aufs Haupt schlug. Dohnányi soll, so erfahren wir aus dem Begleittext, das Werk höher geschätzt haben als die praktisch gleichaltrige Sinfonie. Das kann eigentlich nur an dem heimatlichen Zungenschlag der programmatischen Komposition gelegen haben, denn dramatisch-dramaturgisch fehlt jener letzte Biß, mit dem Vater Liszt – hier das eindeutige Vorbild – seine „neudeutschen Zähne“ in seine besten Sujets zu schlagen pflegte. Und so ist nach zehn politisch korrekten Minuten, in denen sich die Kontrahenten ein bißchen geschubst und gerempelt haben, die Angelegenheit auch vorbei.

Wenn dann freilich die viersätzige Suite en valse op. 39 beginnt, geht die strahlende Sonne auf, und das nicht nur über dem Plattensee, an dem sie 1942 komponiert wurde. Eine strahlende, hinreißende und beschwingte Folge höchst individueller Walzer, die selbst einem so erklärten Nicht-Tänzer wie dem gegenwärtigen Rezensenten in die Füße fährt, über die er jedoch im dritten Satz, der launig zwischen Zweier- und Dreiertakt „humpelnden“ Valse boiteuse, leicht fallen könnte: „Die Seele schwillt, der Mut wird groß, heidi! da saust der Konrad losì, dichtete Wilhelm Busch für solche „Fälle“, die uns hier vergnügt davonschwimmen. Wien liegt plötzlich am Balaton, und in Miskolc spielt man, dass es eine Pracht ist.

Rasmus van Rijn [04.03.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernst von Dohnányi
1Sinfonie F-Dur 00:29:42
5Ouvertüre op. 2 00:09:17
6Suite en valse op. 39 00:28:21

Interpreten der Einspielung

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