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CD-Besprechung

Bon Voyage Amarcord Wien

Bon Voyage<br />Amarcord Wien

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 14.03.11

Klassik Heute
Empfehlung

home base records CD210091

1 CD • 51min • 2010

Es gibt einen feinen Unterschied zwischen einer Ironie, die sich darin erschöpft, nicht das zu meinen, was man sagt, und einer ästhetischen Ironie, die Sachen mit einem Augenzwinkern vorstellt, aber so lustvoll, dass diese trotz mangelnder Ernsthaftigkeit als das Eigentliche zu gelten haben. Dieser zweiten, viel interessanteren Form der Ironie hat sich das Ensemble Amarcord Wien verschrieben, ein offenbar noch recht junges Quartett, besetzt mit Violine, Akkordeon, Violoncello und Baß.

Der Clou der 13 auf dem Album Bon Voyage eingespielten Nummern ist, dass die nach wie vor scharf gezogene Grenze zwischen Kunst- und Unterhaltungsmusik zum Oszillieren gebracht wird, und dies dadurch, dass all die Tangos, Schlager und Lieder mit soviel avantgardistischem und subversivem Witz arrangiert und improvisiert werden, dass man das Album sowohl als Hintergrundmusik wie auch als geistvolle Unterhaltung hören kann. Da wird etwa in der unvermeidlichen Piazzolla-Reverenz Milonga Loca einerseits rhythmisch frei getanzt, andererseits überzeugt die professionelle Genauigkeit in den Pizzicato-Einwürfen. In Desafin erfreuen saftig ausgespielte Quartparallelen und kurz drauf, wenn es zu süffig zu werden droht, duftig hingehauchte Auftakte. Es werden Stücke rein gezupft, melodisch stark gewürzte bosnische Lieder mit ausgefeilten, fahlen Klangwirkungen des Violoncellos gesungen oder aber in der Serenade interrompue von Debussy ein greller, atonaler Höhepunkt inszeniert. Und ab und an wird einmal ein slapstickhafter Geräuscheffekt gebracht.

Kurz gesagt: Das Ensemble Amarcord läßt Improvisation und Präzision, harmonische Raffinesse und melodischen Schmäh vielstimmig und in der exakt richtigen Mischung zusammengehen. Das wahre Kabinettstück jedoch ist hier Finale, ein mit einem Rosenkavalier-Zitat begonnenes Credo mit dem Titel Der Herrgott und die Geig'n; ein kleines Meisterwerk, das so selbstreflexiv ironisch mit dem Schmäh, gewagten Modulationen, gefühligen Hängern, geradezu schmerzhaft ausgekosteten Jodlern, einem sentimentalen Monolog, hemmungslos aufjauchzenden Geigen und einer bewußt schiefen Moral von der G'schicht amüsiert.

Dr. Michael B. Weiß [14.03.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Gardel Cuando tú no estás 00:03:31
2 M. Mores Uno 00:04:00
3 A. Piazzolla Milonga Loca 00:03:31
4 A.C. Jobim Desafinado 00:04:21
5 Gareta de Ipanema 00:02:53
6 M. Davy Die Wut über den verlorenen Rubel 00:07:10
7 C. Debussy General Lavine – excentric (aus Préludes Livre II) 00:02:18
8 La sérénade interrompue 00:03:13
9 Trad. La Guitarra de Miguel (venezuelanisch) 00:04:08
10 T. Rosales Los Potes de San Andrès 00:02:41
11 Trad. Sarajevo (bosnisch) 00:02:27
12 Cudna jada od Mostara grada (bosnisch) 00:05:24
13 S. Gürtler Der Herrgott und die Geig'n 00:05:39

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Amarcord Wien Ensemble
 
CD210091;9120006610490

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