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CD-Besprechung

The unknown Beethoven
Works for violoncello and piano

The unknown Beethoven<br />Works for violoncello and piano

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 19.01.11

Challenge Classics CC72504

1 CD • 69min • 2010

„Der unbekannte Beethoven“ nennt sich die CD, die der Cellist Julius Berger gemeinsam mit dem Pianisten José Gallardo herausgegeben hat. Korrekter wäre eigentlich „Der bearbeitete Beethoven“, denn bei beiden Stücken handelt es sich um Versionen, die mehr oder minder entschieden in die ursprüngliche Substanz eingreifen. Zwar trägt die ausladende Cellosonate Es-Dur stolz die offizielle Nummerierung des Opus 64 im Beethoven-Werkverzeichnis, aber das war eine Zutat des Verlegers Artaria 1807, der damit schlau die Herkunft dieses Stücks aus dem dreizehn Jahre zuvor geschriebenen sechssätzigen Streichtrio Opus 3 zu kaschieren suchte. Als Bearbeiter wird ein gewisser F.X. Kleinheinz genannt, aber Julius Berger ist – damit steht er keineswegs allein – der Meinung, dass diese Umformung unter der Aufsicht des Komponisten erfolgt sei. In der Tat: es klingt wie „echter“ Beethoven, und dazu trägt die hochengagierte Darstellung Bergers wie Gallardos entschieden bei. Das Cello beschränkt sich hier natürlich keineswegs auf die originale Cellostimme, sondern greift meist die Linie der Bratsche und gelegentlich sogar (transponiert) der Violine auf.

Das Herzstück des Stückes ist, wie schon im ursprünglichen Opus 3, das an vierter Stelle stehende Adagio. Vielleicht liegt es auch daran, dass der wunderschön kantable Ton das wohl herausstechende Merkmal von Bergers Cellospiel ist. Das Mikrofon rückt zudem ganz nahe an die Interpreten heran. Mit dem Vorteil, dass das Cello geradezu körperliche Wirkung entfaltet - und mit dem leisen Nachteil, dass jedes Schnaufen der Spieler etwa in den leiseren Passagen gnadenlos eingefangen wird.

Nicht ganz den gleichen (emotionalen) Effekt garantiert die Ergänzung mit jenen vier Stücken (WoO 43 und 44), die Beethoven bei seinem Prag-Besuch 1796 für die auf der Mandoline dilettierende Gräfin von Clary-Aldringen verfasst hatte. Eher harmlose, dabei sehr gefällige Hausmusik, die immerhin in den langsamen Partien eine gewisse Poesie gewinnt. Dass Cellisten hier Material für ihr sonores Instrument wittern, hat übrigens bereits Tradition. Julius Berger, der selber für das Arrangement zeichnet, kann sich auf prominente Vorgänger wie Strutschewsky und vor allem Steven Isserlis berufen. Und natürlich tut er mit seiner massgeschneiderten Wiedergabe alles (oder zumindest so viel, wie überhaupt möglich ist), das gezupfte Original diskret im Hintergrund verschwinden zu lassen.

Mario Gerteis † [19.01.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Sonate Es-Dur op. 64 für Violoncello und Klavier 00:42:11
7 Sonatine c-Moll WoO 43a – Adagio 00:05:05
8 Adagio ma non troppo Es-Dur WoO 43b 00:08:10
9 Sonatine C-Dur WoO 44a – Allegro 00:02:26
10 Andante con variazioni D-Dur WoO 44b 00:09:39

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Julius Berger Violoncello
José Gallardo Klavier
 
CC72504;0608917250428

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