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CD-Besprechung

Violeta Dinescu
Tabu

Violeta Dinescu<br />Tabu

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 21.01.11

Klassik Heute
Empfehlung

gutingi 243

1 CD • 71min • 2009

Auch Hörer von sensiblem Gemüt brauchen sich keine Sorgen zu machen, wenn sie dieses Album mit dem Titel Tabu in das Gerät einlegen; es werden dort nicht etwa Grenzen des guten Geschmacks überschritten, wie der Titel vermuten lassen könnte. Stattdessen handelt es sich um ein sehr reichhaltiges Porträt der Komponistin Violeta Dinescu, einer gebüürtigen Rumänin, die seit mittlerweile über drei Jahrzehnten in Deutschland lebt und seit 1996 eine Kompositionsprofessur in Oldenburg bekleidet. Dieses Porträt ist besonders aussagekräftig, weil die Besetzung des rumänischen Trio Contraste mit Flöte, Klavier und Schlagzeug nicht, beziehungsweise nur innerhalb der Grenzen der betreffenden Instrumentengruppen variiert und dadurch die stilistische Bandbreite der sechs vorgestellten Werke um so beeindruckender hervortritt.

Der Titel Tabu bezieht sich auf F. W. Murnaus gleichnamigen Stummfilm von 1929/30, der in der Südsee spielt und zu dem Violeta Dinescu 1988 eine Filmmusik beisteuerte, aus der sie 2003 die vorliegende Trio-Fassung erstellte. Eben dieses Trio hebt sich unter den fünf anderen Stücken heraus, weil Dinescu hier – wohl als Resultat der funktionalen Bindung der Musik als Begleitung für einen Film –, am stärksten einen bestimmten Stil, nämlich den eines tonal ganz leicht eingängigen und sehr motorischen Neoklassizismus anschlägt. Die historische Referenz könnte der Strawinsky etwa der Petruschka-Zeit sein. Gespielt wird das vom rumänischen Trio Contraste (nicht zu verwechseln mit anderen Trio-Formationen desselben Namens) sehr anspringend; besonders durch eine ausgefeilte Dynamik versuchen sie höchst erfolgreich, der künstlichen Simplizität der Musik zu begegnen. So trägt diese Musik auch ohne gleichzeitige Filmaufführung – als Film zum Hören.

Die übrigen Werke zeigen stärker das Eigentliche von Dinescus Musiksprache, gewissermaßen das Wesen ihres Stils, das man als eine Form der komponierten Interpretation bezeichnen könnte. Das Duo Kata von 1990 etwa nutzt viele Effekte der Flöte, Überblasen, gleichzeitiges Mitsingen und multiphonics, die aber gleichsam leichthändig, spontan wirkend eingesetzt werden. Auch im Trio Et pourtant c’est mieux qu’en hiver … („Und dennoch ist es besser als im Winter …“) teilt sich dem Hörer kein übergreifender, formaler oder musikserieller Plan mit; im Gegenteil ist die Musik sehr freiheitlich, lässt atmen, ist durchaus genießbar, äußert sich also in scheinbarer Assoziation oder Improvisation, oder, wie der sehr informierte Egbert Hiller es beschreibt, als „Psychogramm“. In diesem Kontext gewinnen wohl auch die in den anderen Werken eingesetzten Synthesizer-Klänge, etwa die Orgel in Lun-Ju, ihren assoziativen Sinn. Gemein haben diese Stücke, so unterschiedlich sie auch angelegt sind, dass sie das Vokabular der Neuen Musik sehr sinnlich und in einladender statt verstörender Weise vorstellen. Weil das Trio Contraste alle Werke mit Präzision und Klangschönheit gleichermaßen vorstellt, könnte man diese CD als Einstieg in zeitgenössisches Komponieren hören – fern von allen Tabus.

Dr. Michael B. Weiß [21.01.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 V. Dinescu Auf der Suche nach Mozart ... 00:13:33
2 Kata 00:08:43
3 Tabu 00:15:01
4 Lun-Ju 00:07:10
5 Arabesque 00:12:40
8 Et pourtant c'est mieux qu'en hiver ... (In Memoriam Myriam Marbe) 00:12:57

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Trio Contraste Ensemble
 
243;4012652024330

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