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CD-Besprechung

cpo 777 524-2

1 CD • 62min • 2009

31.12.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Unter den vielen musikalischen Ideen und Anregungen des Mendelssohn-Gedenkjahres 2009 (200. Geburtstag) verdient eine nunmehr veröffentlichte CD-Produktion hervorgehoben zu werden. Sie widmet sich dem jugendlichen Schaffen des 15- und 16-jährigen Komponisten mit einer teils glanzvollen Wiedergabe eines inzwischen zum Standardrepertoire gehörenden Geniestreiches, teils einem eher zum raren Außenseiter tendierenden Werkschatz. Gemeint sind das eindrucksvolle Es-Dur-Streicheroktett Opus 20 (1825) und das D-Dur Sextett für Klavier und Streichquintett (1824). Das erstgenannte, absolut reife Hauptwerk muss laut Anweisung des jungen Komponisten „von allen Instrumenten im Style eines symphonischen Orchesterwerkes gespielt werden“. Es hat also mit seiner durchgängig kompakt-autonomen Achtstimmigkeit – ein Wunder an Satztechnik – formal nichts mit den üblichen, konzertanten Strukturen historischer „Doppelquartette“ zu tun. Ohne Vorbilder zu haben, ist es selber zu einem Vorbild geworden. Andererseits ist das ein Jahr zuvor entstandene Sextett als mehr oder weniger verkapptes Klavierkonzert mit kammermusikalischer Streichergruppe aus aufführungspraktischen Gründen den legendären hausmusikalischen „Sonntagsmusiken" im Berliner Wohnhaus der Mendelssohn-Familie zu verdanken. Der Mut zum Form- und Besetzungsexperiment ist zugleich seine Schwäche.

Die aufschlußreiche Kopplung der ungleichen Werkgeschwister entfaltet also ihren eigenen Reiz, wobei das weniger ausgereifte Stadium des Klavierwerkes sogar erst nach dem Tode des Komponisten „posthum" als Opus 110 gedruckt worden ist und so das Licht der Öffentlichkeit viel später erblickte. Die Interpreten stellen sich nun mit Glanz und Gloria dieser Gegenüberstellung. Was der Wirkung des „reifen" Oktetts dank der außerordentlichen Homogenität des renommierten Streicherensembles aus Italien mit offenkundiger Spielfreude und seinem Ausdrucksgestus entgegenkommt, dem widersetzt sich beim Sextett ebenso hartnäckig das Balanceproblem bei den von dem komponierenden, hochbegabten Pianisten Mendelssohn vollgriffig geforderte Tongirlanden und Perlenketten der Geläufigkeit. Ignaz Moscheles, der prominente Pianist, Komponist und Dirigent gehörte einst zu den geladenen Gästen der Mendelsohnschen Sonntagskonzerte und schwärmte nachweislich von dem „Kind" Mendelssohn als „eine Erscheinung, wie es keine mehr giebt". Das Ergebnis war eine lebenslange Freundschaft beider Meister.

Gegenwärtige Zuhörer bedürfen da beim Opus 100 schon eher eine Eingewöhnung in die Klang- und Lautstärkenkontraste zwischen einem relativ robust-voluminösen, modernen Steinway-Konzertflügel (New York 1928) und der historisch informierten, klanglich sensibilisierten Streichertechnik mit Darmsaiten-Bespannung und stilgerechtem Einsatz französischer Geigenbögen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Alle aber kommen auf ihre Kosten: die Liebhaber eines vollmundigen, vital zupackenden südländischen Temperaments der exzellenten Solisti Filarmonici Italiani und die Entdecker von Repertoire-Raritäten in der entsprechenden Besetzungsvariante mit Klavier, Violine, zwei Bratschen, Cello und Kontrabass.

Dr. Gerhard Pätzig [31.12.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Felix Mendelssohn Bartholdy
1Streichoktett Es-Dur op. 20 00:33:02
5Klaviersextett D-Dur op. 110 00:29:12

Interpreten der Einspielung

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