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CD-Besprechung

cpo 777 510-2

2 CD • 1h 30min • 2008

04.01.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wenn man diese seltsam wabernde Musik hört, mag einem die Warnung des Kritikers Eduard Hanslick in den Sinn kommen: Wer dem großen Richard Wagner auf seinem Höhenweg folgen will und dazu nicht die nötige Ausrüstung besitzt, der stürzt ab und bricht sich das Genick.

Engelbert Humperdinck hat sich mit seinem Dornröschen zwar nicht gerade das Genick gebrochen, davor schützte ihn doch sein gediegenes Können. Aber ein Absturz war es doch, der ihm einige Blessuren beschert hat. Weit mehr als in seiner – einzigen – Erfolgsoper Hänsel und Gretel (1893) ist aus diesem Märchenspiel die bedingungslose Abhängigkeit vom Vorbild Wagner herauszuspüren. Es „tannhäusert“ und „lohengrint“ sozusagen auf Schritt und Tritt. Und im schwülstig aufgebauschten Erlösungs-Ende verwandelt sich der Märchenprinz gar zum Parsifal und die böse Fee in die büßende Kundry. Verstiegener und übertriebener geht’s wirklich nimmer. Freilich ist die Hauptschuld an diesem Mumpitz weniger dem Komponisten als den beiden Textautorinnen anzulasten, deren Namen hiermit angeprangert werden: Elisabeth Ebeling und Bertha Lehrmann-Filhés.

Trotzdem: als ein Zeugnis später, von Wagner-Wahn verwirrter Opernromantik hat Humperdincks Dornröschen seinen Platz in der Kulturgeschichte. Ein Werk, über das man trotz seiner eklatanten Schwächen nicht achtlos hinwegsehen sollte. Humperdinck fand nach Hänsel und Gretel erst wieder mit der Oper Königskinder (1910) zu einer individuellen Schöpfung, hingegen leiden die nach den Erzählungen der Brüder Grimm gestalteten Märchenspiele Die sieben Geislein (1895) und Dornröschen (1902) an musikalischer und dramatischer Substanzlosigkeit. Vergebens sucht man in der durchaus kunstvoll gearbeiteten Dornröschen-Partitur nach Einfällen, nach greifbaren Melodien, das meiste verharrt im Deskriptiven, in musikalischer Dekoration. Alles durch und durch „gekonnt“, das muss anerkannt werden – aber der selig machende „spiritus“ bleibt fern. Auffallend und interessant ist die Verwendung des Melodrams in der Rolle der bösen Fee Dämonia. Und eben diese Dämonia ist der Clou der Aufnahme: Wie Brigitte Fassbaender das macht, wie sie das spielt und spricht, das ist Meisterschaft höchsten Grades. Allein ihretwegen verdient die Aufnahme Aufmerksamkeit und weiteste Empfehlung.

Dornröschen ist keine durchkomponierte Oper, besteht aus weiten Feldern von gesprochenem Text, abwechselnd mit Musikstücken. Die Aufnahme bietet das Werk in verknappter Form, was angesichts der tristen Text-Situation nur ein Vorteil sein kann. Die Chöre, Gesangsstücke, Zwischenspiele usw. sind jedoch vollständig wiedergegeben. Zwei Sprechstimmen (Jerzy May, Barbara Malisch) geleiten durch die Handlung, wobei sich Wortwahl und Vortrag allzu sehr heutiger Reporter-Nüchternheit annähern. Im Sängerensemble ragen Kristiane Kaiser (Röschen) und Christina Landshammer (Rosa) mit ihren feinen, wohlklingenden Sopranstimmen hervor. Auch Tobias Haaks als Prinz Reinhold gefällt mit klarem, schlankem Tenor. In den Nebenrollen gibt es freilich einige gesangliche Disteln und Dornen. Chor und Orchester bieten die gewohnte und erwartete Perfektion. Dem Dirigenten Ulf Schirmer ist Dank zu sagen, dass er sich für diese Rarität eingesetzt hat.

Und noch ein Wort: Wer solche Ausgrabungen als überflüssig bezeichnet, sollte sich die Frage stellen, ob alles, was uns aus dem musikalischen Barock und der Vorklassik in überreicher Menge aufgetischt wird, – ob das wirklich alles reines Gold ist?

Clemens Höslinger [04.01.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Engelbert Humperdinck
1Dornröschen (Märchen in einem Vorspiel und drei Akten)

Interpreten der Einspielung

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