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CD-Besprechung

Christoph Graupner

Frohlocke, werte Christenheit

Christmas Cantatas

Christoph Graupner

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 01.12.10

cpo 777 572-2

1 CD • 74min • 2010

Ernst Ludwig, Landgraf von Hessen-Darmstadt (1667-1739), war für seinen kleinen Teilstaat des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation von derselben Statur wie der Sonnenkönig Ludwig XIV. es für Frankreich war: Er führte in seinem Staat die absolutistische Regierungsform ein. Dabei konnte er, wie auch der Kurfürst von der Pfalz, keinesfalls immer glücklich über den westlichen Nachbarn sein, überzog Frankreich doch auch sein Land im Pfälzischen Erbfolgekrieg mit Angriffen, die ihn zwangen, seine Residenz Darmstadt zu verlassen. Als diese Auseinandersetzungen vorüber waren, erwies sich Ernst Ludwig als wahrer Förderer der Künste und Wissenschaften und wurde so für seine Zeit ein würdiger Vorgänger seines Namensvetters Ernst Ludwig, des letzten Darmstädter Regenten, der als Großherzog von Hessen und bei Rhein in Darmstadt bis 1918 regierte und ein großzügiger Förderer der Künste war (insbesondere des Jugendstils in der von ihm 1899 gegründeten Darmstädter Künstlergemeinschaft „Mathildenhöhe“).

1709 hörte Landgraf Ernst Ludwig Kompositionen von Christoph Graupner (1683-1760), der seit 1705 als Cembalist Mitglied im Hamburger Opernorchester spielte, war begeistert und lockte ihn an seinen Hof. Zwei Jahre später war Graupner Darmstädter Hofkapellmeister, 1722 bot ihm die Stadt Leipzig das Thomaskantorat an, Ernst Ludwig indessen mochte ihn nicht ziehen lassen und hielt ihn unter Aufbesserung seines Verdienstes in Darmstadt. Graupner selbst riet daraufhin den Leipzigern zu Johann Sebastian Bach, Kapellmeister beim Fürsten zu Anhalt-Köthen: Er sei „ebenso stark auf der Orgel … wie erfahren in Kirchensachen und Capell-Stücken…“ – so engagierten sie schließlich diesen Kandidaten – „da man nun die besten nicht bekommen könne…“, wie es resignierend im Protokoll des Rats der Stadt hieß. Dieses Fehlurteil der braven Leipziger Musikfreunde von 1722 sollte heutige Hörer freilich nicht davon abhalten, sich den Werken Graupners vorurteilsfrei zu nähern – und die vorliegende CD mit Weihnachtskantaten aus seiner Feder ist für eine Rehabilitierung dieses ebenso begabten wie phantasiereichen Komponisten bestens geeignet.

Es ist der archivarischen Sorgfalt der Darmstädter Bibliothekare zu verdanken, dass Graupners Werk in reicher Vielfalt erhalten blieb. Seit einigen Jahren entdeckt auch die Schallplattenbranche das originelle Schaffen des Darmstädter Meisters – leider mit einer gewissen Indolenz, die angesichts mancher langweiliger Gesamteditionen anderer Komponisten der Qualität von Graupners Musik nicht gerecht wird.

In diesem Dilemma leistet Hermann Max jetzt willkommene Abhilfe: Fünf Weihnachtskantaten von Graupner vereinigen sich auf dieser CD zu einem farbigen Porträt des Komponisten, das Lust macht, das Tonträger-Angebot nach weiteren CDs des Meisters zu durchforsten. Die Kantaten zeugen – ähnlich wie gleichartige Stücke aus der Feder des Hamburger Kollegen Georg Philipp Telemann – von Graupners virtuoser Fähigkeit, die von der deutschen Oper der Zeit stammenden Erwartungen in musikdramatische Affekte zu bedienen, ohne die Musik mit theatralischer Oberflächlichkeit zu überfrachten: Der Ernst der geistlichen Aussage bleibt immer gewahrt. Max und seinen erstklassigen Musikern gelingt es, die schmale Grenze zwischen Affekt und Effekt zu halten; ein vorzüglich in Timbre und Interpretationshaltung aufeinander eingestimmtes Vokalquartett (hier ist besonders die von jeglichem Manierismus freie Stimme des Countertenors Franz Vitzthum hervorzuheben) trägt dabei ebenso wesentlich zum Erfolg dieser Einspielung bei wie der Umstand, dass Max mit solistischer Besetzung der Vokal- und Instrumentalstimmen sich in dieser Aufnahme einer mittlerweile weit verbreiteten Aufführungspraxis der Kirchenkantaten dieser Epoche anschließt.

Detmar Huchting [01.12.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Chr. Graupner Frohlocke, werte Christenheit (Weihnachtskantate) 00:14:15
8 Der Herr hat mich gehabt im Anfang (Weihnachtskantate) 00:13:30
14 Das Licht des Lebens scheinet hell (Weihnachtskantate) 00:16:57
21 Das Licht scheinet in der Finsternis (Weihnachtskantate) 00:14:48
28 Von Gott will ich nicht lassen 00:15:04

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Veronika Winter Sopran
Franz Vitzthum Altus
Jan Kobow Tenor
Markus Flaig Bass
Das Kleine Konzert Orchester
Hermann Max Dirigent
 
777 572-2;0761203757220

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