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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

J.S. Bach

Cantatas 47

BIS 1861

1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2010

21.10.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Masaaki Suzuki, der mit dem Bach Collegium Japan im Rahmen seiner Gesamtaufnahme der Kantaten J. S. Bachs mittlerweile bei Vol. 47 angelangt ist, konnte mit seinem gestalterischen Zugang zu Musik und Text dieser in Form und Ausdruck so vielfältigen Werkgruppe in der Vergangenheit zwar meistens, aber nicht immer ohne jede Einschränkung überzeugen. Manches Mal schien sich in der letzten Zeit auch bei ihm ein wenig Routine einzustellen. Doch in seiner jüngsten Einspielung der Kantaten Schwingt freudig euch empor BWV 36, Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden BWV 47, und Wer weiß, wie nahe mir mein Ende BWV 27, in musikalischer Struktur, in Inhalt und sonntäglicher Zuordnung allesamt völlig unterschiedlich ausgerichtet, kann er wieder einmal mit einer interpretatorisch ungemein inspirierten, instrumental hoch geschmeidigen und vokal kaum zu überbietenden Leichtfüßigkeit für sich einnehmen.

In der Adventskantate Schwingt freudig euch empor – sie stellt, 1731 zum 1. Advent zum ersten Mal in dieser Fassung aufgeführt, die erneute Umarbeitung einer schon 1725 geschaffenen und bis zu diesem Zeitpunkt bereits mehrfach für andere Verwendungszwecke angepassten weltlichen Kantate dar – weicht Bach von den gewohnten Regeln des formalen Aufbaus einer Kirchenkantate ab: Es fehlen ihr alle Rezitative, Bach hat sie durch Choralbearbeitungen des Lutherlieds Nun komm, der Heiden Heiland ersetzt. Mit einer erfrischend unangestrengten Lebendigkeit und Natürlichkeit gelingt es Masaaki Suzuki hier in deren Eingangschor, rhythmischen Elan, eine überragende Prägnanz der einzelnen musikalischen Bauglieder, ihren sich überlagernden vertikalen Zusammenhalt und doch zugleich auch den rhetorischen Gestus und den Ausdrucksgehalt des Textinhalts in ein organisch atmendes Federn zu überführen. Sensibel ausgefeilt und höchst biegsam in der stimmlichen Rundheit bekommt man nachfolgend das Choralduett von Sopran und Alt mit dem Lutherchoral zu hören, ein erster Nachweis für die hoch präzise Stimmführung vor allem der Sopranistin Hana Blazíková, die sie dann in ihrer Arie „Auch mit gedämpften, schwachen Stimmen“ im zweiten Teil der Kantate eine beispiellose Gipfelhöhe stimmlicher Kultiviertheit wie zugleich kraftvoll konturierter Zeichnung erklimmen lässt, und die es ihr erlaubt, zu feinsten agogischen Bewertungen, klugen Phrasierungen und überzeugenden klanglichen Bogenbildungen und zu einem hoch lebendigen Miteinander mit der begleitenden Solovioline auszuholen.

Überwältigend gelingt es Suzuki auch, die komplexe Architektonik des groß angelegten Eingangschores der Kantate Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden transparent zu machen, nachgerade ideal mischt sich hier der eigenständige instrumentale Sinfonia-Satz mit der darübergelegten vierstimmigen Chorfuge. Geradezu atemberaubend zeigt sich hier seine so animierende und einzigartige Kraft zu einer völlig ungekünstelten und wie aus sich selbst heraus verständlichen Präsenz des Bibelworts, eins geworden im textlichen Inhalt wie im musikalischen Ausdruck. Man weiß gar nicht, wo man aufhören soll im Preisen dieser neuen Einspielung: da wäre auch noch zu reden vom fein abgetönten und ungemein organisch fortgesponnenen Zusammenwirken des klagenden Tonfalls des Orchestersatzes im Eingangschor der Kantate Wer weiß, wie nahe mir mein Ende, in den ein schlicht gehaltener Kantionalsatz des Chores, aber auch rezitativische Einschübe der Vokalsolisten Sopran, Alt und Tenor eingebunden sind, da wäre auch hinzuweisen auf die wohltuende Zurückhaltung Masaaki Suzukis, sich nicht allzu vordergründig auf die musikalische Bildkraft der Musik Bachs zu stürzen (so etwa auf den musikalischen „Flügelschlag“ im Rezitativ „Ach wer doch schon im Himmel wär“), oder auch nicht vorschnelles Interesse zu wecken und einer zu kontrastscharfen Gegensätzlichkeit im Wechsel der Ausdrucksgestalten in der Bassarie „Gute Nacht, du Weltgetümmel“ das Wort zu reden, sondern damit deutlich einen ganzheitlichen Bogen zu beschreiben.

Masaaki Suzuki kann in dieser neuen Einspielung seiner Bachkantatenreihe wieder einmal mit einem phänomenal lockeren Chor und einem hochkarätig besetzten Orchester seines Bach Collegium Japan punkten, und neben der bereits genannten Sopranistin Hana Blazíková weiß er auch mit dem biegsamen Altus Robin Blaze, dem weich timbrierten Tenor Satoshi Mizukoshi und dem bewährten und profunden Bass Peter Koij auf eine unfehlbare vokale Brillanz zu setzen.

Thomas Bopp [21.10.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Schwingt freudig euch empor BWV 36 (Kantate) 00:28:15
9Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden BWV 47 (Kantate) 00:20:22
14Wer weiß, wie nahe mir mein Ende BWV 27 (Kantate) 00:14:34
20Wer weiß, wie nahe mir mein Ende BWV 27 00:03:53

Interpreten der Einspielung

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