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CD-Besprechung

ReVisions

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Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 30.09.10

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BIS 1782

1 CD/SACD stereo/surround • 58min • 2009

In einem gemäß herrschendem Zeitgeist sehr persönlich geschriebenen Einführungstext (die deutsche Übersetzung klingt aus Gründen nationalsprachlicher Stilistik etwas anbiedernder als das Original) hebt der Cellist Steven Isserlis hervor, dass die vier hier versammelten Werke renommierter Komponisten der Moderne sämtlich für ihn arrangiert wurden. Beim ersten Stück, einer ominösen Suite für Violoncello und Orchester Claude Debussys, geht die Aneignung jedoch um ein Vielfaches weiter: Die britische Komponistin Sally Beamish konnte die verschollene Suite des 19jährigen natürlich nicht ersetzen; also schuf sie ein Pastiche, das – außer dem Intermezzo – aus einem Lied, einem weiteren Satz für Violoncello und Klavier und zwei Klavierstücken besteht, die sämtlich aus Debussys frühester Zeit stammen. Von einer „Rekonstruktion“ des Stückes zu sprechen, wie Isserlis dies tut, ist also reichlich übertrieben, und selbst wenn der fiktive Flickenteppich sich auf einem Konzertprogramm sicherlich ganz amüsant ausnimmt, ist doch fraglich, ob der Konzertbetrieb viele von solchen Fiktionen braucht, die sich ja fast nach Belieben und für viele Instrumente zusammenstückeln ließen. Dazu kommt, dass Sally Beamish sehr idiomatisch orchestrierte, das heißt, auf eigene Akzente verzichtete. Es sollte wohl keine verstörende Kluft zwischen dem Klang der 1880er und dem der 2010er Jahre entstehen. Warum dann aber eine renommierte Komponistin mit dem Arrangement beauftragen?

An den verbleibenden drei Werken dieser CD haben die Komponisten, unter denen sie firmieren, einen weitaus größeren Anteil. Prokofieffs Concertino, das der Komponist unvollendet im Klavierauszug hinterlassen hatte, wurde von Rostropowitsch vervollständigt und von Kabalewsky orchestriert; hier wird eine neue Instrumentierung von Vladimir Blok vorgestellt, welche den Wunsch Isserlis' nach einer transparenten Begleitung umsetzt. Ravels Deux mélodies sind eine Umarbeitung der Deux mélodies hébraiques von 1914, Blochs Aus jüdischem Leben eine Orchestrierung der originalen Fassung für Violoncello und Klavier. Dass Isserlis auch hier die Sätze umgestellt hat, zeigt, dass er nicht nur an neuem Material für sein Instrument interessiert ist, sondern vor allem auch daran, dass die Werke so aussehen, wie er sie sich vorstellt - nicht der Komponist.

Der Hörer muss entscheiden, ob so viel Eigenmächtigkeit durch das an sich sehr reizvolle, sensible und kraftvolle Spiel Isserlis' aufgewogen wird; sein Ton ist schlank und in der Höhe sehr geschmackvoll intoniert, in der Mitte und der Tiefe gut dosiert. Immer wieder gelingen zauberhafte Momente, in denen sprechend gesungen oder singend rezitiert wird, besonders in den Liedern Ravels. Die Tapiola Sinfonietta unter Gábor Takács-Nagy gibt sich gewohnt transparent und leichtfüßig und wurde auch von BIS sehr durchsichtig abgebildet. Interpretation und Technik stimmen also; nur das Repertoire ist hybrid.

Dr. Michael B. Weiß [30.09.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Suite (Bearb. für Violoncello und Orchester) 00:20:07
6 M. Ravel Kaddisch (aus: Deux mélodies hébraïques; arr.: Richard tognetti) 00:05:16
7 L' énigme éternelle (aus: Deux mélodies hébraïques; arr.: Richard tognetti) 00:01:15
8 S. Prokofjew Concertino op. 132 für Violoncello und Orchester (vervollständigt von Mstiskav Rostropowitsch und Dmitri Kabalevsky, 1952) 00:19:25
11 E. Bloch From Jewish Life (arr.: Christopher Palmer) 00:10:49

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Steven Isserlis Violoncello
Tapiola Sinfonietta Orchester
Gábor Takács-Nagy Dirigent
 
1782;7318599917825

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