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CD-Besprechung

C. Czerny • F. Schubert • R. Schumann • C.M. v. Weber

OehmsClassics 2 CD OC 754

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.09.10

OehmsClassics OC 754

2 CD • 1h 36min • 2009

Immer wieder trichtere ich es jungen Interpreten mit Karriere-Hoffnungen ein: spielt getrost und zu Recht die großen, bekannten, beliebten Werke, aber: es gilt auch im Repertoire ein wenig Umsicht zu halten, was das Unbekanntere anbelangt. Und es gibt genügend Stücke, die es zu entdecken gilt, die sich in ein sozusagen konventionelles Programm einbauen lassen. Herbert Schuch beweist es mit dieser intelligenten und wirkungsvollen Zusammenstellung rund um einen „Sehnsuchtswalzer“ von Franz Schubert. Robert Schumann hat ihn zur Vorlage von einigen Variationen genommen – eine von mehreren Arbeiten, die jetzt zu den Schumann-Feierlichkeiten zum Vorschein gekommen sind! Der pianistischen Brahms-Autorität bei Oehms, Andreas Boyde, sind als Editor diese artigen, hübschen Variationen zu verdanken, wie immer sich es auch mit den philologischen Gegebenheiten verhält. Immerhin: Auch Carl Czerny hat sich mit einem Schubertschen „Wiener Trauer-Walzer“ in seinen kurz gefassten Variationen op. 12 befasst. Sicher nicht in Kenntnis des reichen Konvoluts an Tänzen aller Art, das Schubert zu Lebzeiten – wie Demus einmal sagte – „aus dem Ärmel gebeutelt hat“. Wie auch immer, es ist Herbert Schuch zu danken, auf diese Stücke und manche historische Zusammenhänge hingewiesen zu haben. Wichtiger aber noch bleibt es, wie einfühlsam – nämlich rhythmisch stabil, melodisch zartfühlend – er die Originaltänze Schuberts anfasst und aus verschiedenen Sammlungen zu einer Suite zusammenstellt. Und wie brillant und aufmerksam er die verschiedenen Abschnitte der Schumann-Werke als musikalische Bekenntnisse zwischen Absolutheit und Bildbeschreibungen im besten Sinne „organisiert“. In vielen Darstellungen etwa des Carnaval vermisse ich, was eben diese Organisation anbelangt. Nämlich ein Bemühen, ein natürliches Gefühl für die Zusammengehörigkeit bestimmter Werksegmente. Das heißt: Die meisten Interpreten missachten die Pausen, die Nachdenklichkeiten zwischen einzelnen Szenen, die einen Wendepunkt markieren und vor dem Nächsten einen Atemzug signalisieren (so wie man in einem feiernden Gebäude ein wenig Zeit braucht, um vom einen Raum in den anderen zu gelangen).

Schuch ist intelligent genug, im Carnaval die Einleitung (Préambule) im Tempo nicht zu überziehen – auf dem Live-Podium immer wieder ein Problem des Überhastens und motivischen Verzerrens! Den folgenden Pierrot empfindet er nicht so mystisch-indirekt wie Claudio Arrau in seiner Philips-Einspielung, aber hier und in den folgenden „Szenen“ hat ja jeder Gestalter eine Fülle von Möglichkeiten, die von Schumann angedeuteten Charaktere auf seine Weise zum Leben zu erwecken. Dies gilt auch für die Papillons, deren beschwingte, bald tänzerische, bald naive Passagen Schuch wie mit emotionaler Gescheitheit zu binden vermag. Wie so oft kommt der finale Effekt der tonalen Wegnahme nur bei genauem Hinhören zum Tragen. Dies tut der Wirkung insgesamt jedoch keinen Abbruch, zumal Schuchs Wiedergabe der Weberschen Aufforderung zum Tanz zum Besten des gesamten – mir bekannten – Repertoires gehört. Mehr noch: die Aufnahme gehört nicht zum Besten, sie ist die Beste. Man nehme nur Leon Fleishers knochentrockene CBS-Einspielung zum Vergleich und die vielen Einspielungen, in denen das Walzer-Thema allenfalls als melodiöse Nebensächlichkeit in die Tasten gerückt wirkt. Tausigs Bearbeitung – das zeigen die unten angeführten Aufnahmen – bringt hinsichtlich der Wirkung des sentimental-prunkvollen Wechselspiels nicht viel. Herbert Schuch zeigt, was in diesem von der Form er revolutionärem Tanzklavierspiel steckt, wenn man sich entschieden und hingebungsvoll auf das Original einlässt!

Vergleichsaufnahmen: Weber: B. Moser (Gramola 98820), Evans (LaVergne Classics 110271), Moisiewitsch (Piano Library PL 265), Fleisher (CBS), Szokolay (Naxos 8.550052), Milne (crd 3485), Schnabel (Welte Mignos Tudor 7104), d’Albert (The Piano Library 250), Krieger (Bayer Records 100304), Endres (Oehms OC 357); Weber /arr. Tausig: Emmerling (Naxos 8.551095), Kamenz (Ars musici 1263-2), Moiseiwitsch (Naxos 8.110669), Michna (Elisio ECD-1341).

Peter Cossé [01.09.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Variationen über ein Thema von Schubert (Sehnsuchtswalzervariationen) 00:07:36
12 Papillons op. 2 00:13:53
25 Intermezzi op. 4 für Klavier 00:19:48
31 Carnaval op. 9 (Scènes mignonnes sur quatre notes) 00:29:57
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Czerny Variationen über den beliebten Wiener Trauer-Walzer von Franz Schubert op. 12 00:06:07
2 F. Schubert Deutscher Tanz Nr. 15 As-Dur D 783 (aus: 16 Deutsche Ländler und 2 Ecossaisen op. 33 D 783) 00:00:59
3 Ländler Nr. 11 As-Dur D 790 (aus: Zwölf Ländler D 790) 00:00:56
4 Walzer Nr. 6 As-Dur D 365 (aus: Erste Walzer D 365) 00:00:42
5 Walzer Nr. 14 Des-Dur D 365 (aus: Erste Walzer D 365) 00:00:48
6 Walzer Nr. 22 H-Dur D 365 (aus: Erste Walzer D 365) 00:00:47
7 Ländler Nr. 14 H-Dur D 734 (16 Ländler und zwei Ecossaisen op. 67 D 734) 00:00:57
8 Walzer Nr. 13 A-Dur D 779 (aus: 34 Valses sentimentales op. 50 D 779) 00:01:07
9 Ländler Nr. 13 D-Dur D 790 (aus: Zwölf Ländler D 790) 00:00:48
10 C.M. v. Weber Aufforderung zum Tanz op. 65 (orchestr.: Berlioz) 00:08:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Herbert Schuch Klavier
 
OC 754;4260034867543

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