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CD-Besprechung

Gramola 98846

1 CD • 73min • 2009

18.06.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Ein Quantum Ehrfurcht kann sich jeder junge Pianist schon von vornherein sichern, wenn er statt zu Liszt und Rachmaninoff zu Bachs Goldberg-Variationen greift, umgibt diese doch nicht erst seit Glenn Gould die Aura höchster vergeistigter Klavierkunst. Beträchtlich ist auch der technische Anspruch, dem nicht mit der Geste des Tastenlöwen zu begegnen ist, sondern bei dem man manuell Farbe bekennen muss.

Der Grazer Organisten-Tochter Ingrid Marsoner ist ein natürliches Verhältnis zu Bach gewissermaßen schon mit in die Wiege gelegt worden. Sie nähert sich dem komplexen Kosmos von Bachs vierter „Clavier-Übung“ auf unverkrampfte Art mit sicherer Technik, die auch gefürchteten Abschnitten wie der 14. Variation nichts schuldig bleibt. Die Möglichkeiten des modernen Flügels nutzt sie nur zum Teil, generell pflegt sie ein trockenes non legato-Spiel, das deutlich am Klang des Cembalos orientiert ist. Artikulatorische Differenzierung und raffinierten Pedalgebrauch, wie etwa Andras Schiff sie nutzt, um die Stimmen gegeneinander abzusetzen und das Geflecht durchschaubar zu machen, sucht man bei Marsoner vergeblich. Ebenso verzichtet die Pianistin auf alle empfindsamen Dehnungen und gefühlvollen Drücker. Ihr Spiel ist rhythmisch streng, sachlich und klar. Der Gefahr der Monotonie begegnet sie durch ausgeprägte Kontraste zwischen den Variationen sowohl im Tempo als auch in der Dynamik, dem einzigen Parameter, bei dem sie mit beherztem Zugriff die Möglichkeiten ihres Instruments wirklich ausreizt. In den langsamen Variationen kann sie gleichwohl den Eindruck einer gewissen Starre nicht immer vermeiden.

Ingrid Marsoner enthält sich weitgehend aller persönlichen Gestaltungsmittel, die dazu angetan wären, den harmonischen Verlauf oder die Stimmführung zu verdeutlichen, und konzentriert sich darauf, den Notentext mit größtmöglicher Objektivität wiederzugeben. Das vermittelt zwar keine neuen Erkenntnisse, kann aber durchaus „denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung“ dienen, wie Bach es im Titel des Erstdrucks formuliert. Vielleicht mag sich auch jemand an dem verquasten Booklettext ergötzen – in jedem Fall positiv zu werten ist die Klangqualität der im Lehár Theater Bad Ischl entstandenen Aufnahme.

Sixtus König † [18.06.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Goldberg-Variationen BWV 988

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