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CD-Besprechung

Transart TR150

1 CD • 59min • 2005

17.05.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wie viele hochbegabte junge Pianisten mag es im Schatten selbsternannter Superstars wie Lang Lang, Martin Stadtfeld, Yundi Li oder Hélène Grimaud geben? Die 1976 in Arles geborene Laure Favre-Kahn ist jedenfalls eine Entdeckung wert! Ihr Handwerk erlernte sie in Avignon, ehe sie ans renommierte Pariser Konservatorium wechselte. Dort wurde der Siebzehnjährigen einstimmig ein „Premier Prix“ zuerkannt. Eine erste Plattenaufnahme (Werke von Schumann) folgte mit 20. Seitdem ist Favre-Kahn auf dem internationalen Klavierparkett präsent und darf beim Sommerfestival Les Flâneries Musicales in Reims sogar als eine Art Lokalmatador gelten. 2005 gab sie im Grand Théâtre des früheren Krönungsorts der französischen Könige ein umjubeltes Rezital mit Chopins 24 Préludes op. 28, seinen 2 Polonaisen op. 26 und – als Zugabe – dem cis-Moll-Prélude op. 45. Alles erst jetzt auf CD veröffentlicht.

Trotz des heftigen Applauses am Ende jeder Werkgruppe liegt der Verdacht nahe, dass hier entweder bereits Proben mitgeschnitten oder nachproduziert wurde – allzu trügerisch ist die andächtige Stille des Publikums. Eine ästhetische Nähe zur prickelnden Live-Atmosphäre bleibt nichtsdestoweniger in Favre-Kahns Interpretationen spürbar. Sie lässt den Hörer Chopins Klang- und Strukturexperimente hautnah miterleben in dem Sinne, dass Präludieren zum Phantasieren wird. Auch dem immer wieder aufscheinenden, bewusst etüdenhaften Charakter mancher Préludes wird Favre-Kahn vollauf gerecht und versteht es zudem ganz wunderbar, den Gesamteindruck des Zyklus als Reise durch den Quintenzirkel – mit jeweils nachgestellter Moll-Parallele – zu wahren.

Dabei stellt sich oft ein bemerkenswertes Wahrnehmungsphänomen ein: Die kurzen Préludes, die bisweilen nur ein wenig mehr als eine halbe Minute dauern, werden – unabhängig vom eigentlichen Tempo – als genauso lang empfunden wie ihre ausgedehnteren Gefährten. Gewiss, bei „Reißern“ wie dem Regentropfenprélude (Nr. 15, Des-Dur) oder dem abschließenden, an Beethovens Appassionata gemahnenden d-Moll-Prelude (Nr. 24) wäre auch ein Zugang mit mehr Ecken und Kanten bzw. unter Einsatz einer furioseren „Pranke“ denkbar. Dafür wird man mit den besten Tugenden der französischen Klavierschule entschädigt: stete Klangtransparenz, kluge Umsichtigkeit in der organischen Gestaltung – gerade bei den beiden Polonaisen –, ja Anmut. Hier steht die Zeit still. Traumhaft. Gelassen. Und das ist richtig gut so.

Richard Eckstein [17.05.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
124 Préludes op. 28 00:37:02
25Polonaise cis-Moll op. 26 Nr. 1 – Allegro appassionato 00:08:40
26Polonaise es-Moll op. 26 Nr. 2 – Maestoso 00:08:22
27Prélude cis-Moll op. 45 00:04:31

Interpreten der Einspielung

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