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CD-Besprechung

Claudio Monteverdi

L'Incoronazione di Poppea

Glossa GCD 920916

3 CD • 3h 25min • 2009

21.04.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Von allen Operngestalten aus der Frühzeit des musikalischen Dramas führt Monteverdis Poppea das munterste Dasein. Sehr merkwürdig, daß es ausgerechnet diese charmante Sünderin ist, die so viele Sympathien auf sich zieht. Man kann darin den Beweis erkennen, daß die Kunstform Oper von Anbeginn keine rein moralische Angelegenheit war. Die weit verbreitete Attraktivität des Werks läßt sich aber auch vom bühnenpraktischen Standpunkt her erklären: Die herrliche Musik, die im lieblichen Schlußduett zu ihrem Höhepunkt gelangt, die spannende Handlung und nicht zuletzt die prachtvollen Rollen: nicht nur das Hauptpaar Poppea-Nerone, sondern auch der edle Philosoph Seneca mit seiner ergreifenden Sterbeszene, die gedemütigte Kaiserin Ottavia, die bizarren Buffofiguren der von Männern dargestellten Ammen – das sind allesamt Prachtpartien mit blutvollem Bühnenleben.

Monteverdis L’Incoronazione di Poppea zählt heute zu den Konstanten des Bühnenspielplans wie auch des akustischen Forums, wobei zu beobachten ist, daß die Gestaltung der Wiedergabe oft erheblich variiert. Kein Wunder bei einem Werk, von dem keine eindeutige Fassung vorliegt. Auch die Neuaufnahme durch das Ensemble La Venexiana bringt eine Variante, die man fast schon als ein Seitenstück zu Monteverdis letzter Oper ansehen könnte: Il Nerone ossia L’Incoronazione di Poppea wurde 1651 in Neapel gespielt, also etwa acht oder neun Jahre nach der ersten Aufführung der Poppea in Venedig. Das Notenmaterial dieser Version, über die man im Begleitheft eine abenteuerliche Geschichte erfährt, wurde für eine Bühnenfassung vorbereitet, mit der Claudio Cavina und sein Ensemble La Venexiana auf Tournee gegangen sind. Der Hauptunterschied zu den gängigen Fassungen besteht darin, dass Kompositionen von Monteverdis Zeitgenossen Francesco Cavalli aufgenommen wurden und auch sonst ziemlich deutliche Abweichungen zu bemerken sind.

Auch bei der Tonaufnahme kommt der theatralische Aspekt deutlich zum Vorschein. Die Realisierung (entstanden 2009 in der Kirche San Carlo in Modena) betont den Affekt, die Drastik, die Agitation, sie bietet manchmal des Guten und weniger Guten etwas zuviel, doch in der Summe kommt ein erfreuliches, vitales Ergebnis zustande. Das Instrumentalensemble erweist sich als sicher in Stil und Akkuratesse, auch bei den Gesangsleistungen erlebt man überwiegend Erfreuliches. Auffallend ist, daß auf die Mitwirkung von Countertenören oder Falsettisten verzichtet wurde. Die Besetzung des Nerone mit einer mädchenhaft hellen Stimme wirft freilich einige Probleme auf. So schön und gefühlvoll Roberta Mameli auch singt, den Mann, den Kaiser, den Tyrannen kann sie nicht versinnbildlichen. Dagegen präsentiert sich Emanuela Galli als Poppea mit ihrem einschmeichelnden Sopran als perfekte Verführerin. Francesca Cassinari als Drusilla, Ian Honeyman als passend outrierende Arnalta ragen aus dem Ensemble heraus. Bei Josè Maria Lo Monaco (Ottavia) stört das Zuviel an Theatralik und Raffaele Costantini besitzt nicht ganz das Tonvolumen und die strömende Baßfülle für die edlen Sentenzen des Seneca.

Trotz kleiner Überschattungen vermittelt die Aufnahme viele reizvolle Erlebnisse und – im besten Sinn des Wortes – gute Unterhaltung.

Clemens Höslinger [21.04.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claudio Monteverdi
1L' Incoronazione di Poppea

Interpreten der Einspielung

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