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CD-Besprechung

J. Haydn

OehmsClassics 1 CD OC 748

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 12.03.10

Klassik Heute
Empfehlung

OehmsClassics OC 748

1 CD • 80min • 2008

Lassen Sie sich auf keinen Fall von dem pseudo-investigativen, aufgesetzten Blick der vier Musiker in die Irre führen: Hinter dieser Fassade des Delian Quartetts verbirgt sich ein Haydn-Programm, das einem jeden, der nicht unbedingt auf vibrationslose Darmsaiten fixiert ist, die höchste Bewunderung abnötigen wird, und zwar nicht wegen der verblüffenden Virtuosität, die das Ensemble beispielsweise im geradezu gespenstisch dahinsausenden Schluß des h-Moll-Quartetts op. 33 Nr. 1 an den Tag legt, sondern vor allem wegen ihres musikalischen Verständnisses, mit dem es hier gelingt, die seelische Essenz des Komponisten zu „vergegenwärtigen“, ohne auch nur annähernd in jene vordergründigen Schauspielereien zu entgleiten, wie sie Nigel Kennedy weiland zu „großem applauso“ bei Antonio Vivaldi vorführte. Verglichen mit diesem, ich leugne es nicht, vorübergehend amüsanten Versuch, einen barocken Paganini in die Jetztzeit hinüberzugeigen, benimmt sich das Delian Quartett völlig natürlich. Nichts wird rein äußerlichen Effekten geopfert, nichts gegen den komponierten Strich gebürstet, und gerade deshalb erhebt sich das Genie hinter den Noten zu seiner bedeutenden Größe: Der „Sonnenaufgang“ mit seinen ausgesungenen Rezitationen, das höchst erfreuliche Tempo des Menuetts (eben das Mittelding zwischen Tanz und intimer Affaire) sowie das wörtlich genommene „non troppo“ des abschließenden Allegro-Satzes; demgegenüber dann der auf „gantz neu Besondere Art“ geschriebene Auftakt des Opus 33, über dessen Innovationen man hier gar nicht wird spekulieren müssen, wenn man denn nur zuhört (allein das Abenteuer des Nachsatzes aus dem ersten Allegro con spirito spricht Bände) – all das weckt den Wunsch nach einer Fortsetzung, in welchen Sternen dieselbe derzeit vielleicht auch noch stehen mag.

In den beiden auf absolute Minimalbesetzung reduzierten Konzerten wird's am Ende sogar noch eindrucksvoller. Denn während man sich gemeinhin über den Wert und Rang der Quartette einig ist, gilt die konzertante Gattung bekanntlich als eine der unterbelichteten Seiten des Komponisten. Und ich gebe gern zu, dass mir nicht nur die Orgelkonzerte, sondern auch ihre Geschwister für die Geige und das Klavier bei gewöhnlichen Aufführungen gern den Beruhigungstee ersetzten. Ebenso gern räume ich freilich ein, dass es auch anders gehen kann – so nämlich wie hier, wo das Delian Quartett gemeinsam mit dem Pianisten Andreas Frölich aus dem kleinen G-Dur-Klavierkonzert ein ebenso prophetisches wie schlicht hinreißendes, farbig schillerndes Wunderwerk zaubert, indessen das Doppelkonzert für Violine, Klavier und Streicher mit dem Geiger Gilles Apap als beglückt-beglückender Phönix aus der historischen Asche steigt, um sich auf als entzückende Liebeskomödie in drei Aufzügen zu präsentieren. Dabei werden das Wechselspiel der beiden Solisten, das subtile „Bühnenbild" der Quartettisten, die witzigen, kichernden, leidenden, seufzenden und dann wieder kokettierenden Dialoge nie übertrieben, bleiben Geschmack und musikalische Sittsamkeit auf wunderbare Weise „klassisch", worauf mir nichts anderes mehr zu tun bleibt als der Produktion Höchstnoten auf der gesamten Linie auszustellen.

Rasmus van Rijn [12.03.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Streichquartett B-Dur op. 76 Nr. 4 Hob. III:78 (Sonnenaufgang) 00:23:44
5 Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur Hob. XVIII:4 00:19:57
8 Konzert F-Dur Hob. XVIII:6 für Klavier, Violine und Streicher 00:18:32
11 Streichquartett h-Moll op. 33 Nr. 1 Hob. III:37 00:17:22

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
delian::quartett Streichquartett
Gilles Apap Violine
Andreas Frölich Klavier
 
OC 748;4260034867482

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