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CD-Besprechung

Franz Schubert: Piano Works Vol. 4

hänssler CLASSIC 98.519

1 CD • 72min • 2007

16.02.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Ich möchte eingangs einer etwas bitter formulierten Besprechung nicht verhehlen, dass mir die ersten drei Folgen von Gerhard Oppitz’ Schubert-Einspielungen auf Grund ihrer Seriosität, hinsichtlich ihrer unaufdringlichen Grundstimmung, wenn man will: ihrer deutschen Verlässlichkeit durchaus Respekt abverlangt haben. Oppitz ist es vom künstlerischen Typ her nicht gegeben, im Verlauf eines Satzes den Hörer in andere Welten zu entführen – und schon gar nicht in den klanglich-melodischen Himmel einer wie entmaterialisierten Schubert-Beglückung –, aber am Ende eines Vortrags bleibt im Allgemeinen das jeweilige Werk präsent; man hat es also in seinen wesentlichen formalen und rhetorischen Ausprägungen erlebt – dies etwa im Sinne von Konstruktivität und minimierter Zauberhaftigkeit der Beethoven-Interpretationen eines Wilhelm Backhaus.

Nun aber irritiert die vorliegende Einspielung mit den beiden Scherzi D 593, mit der e-Moll-Sonate D 566 (in dreisätziger Ausgabe!) und mit den Impromptus D 935 nicht nur im Bereich einer überraschend definitionsarmen Aufnahme- und Klangregie, sondern auch im Umfeld der Tätigkeit eines Interpreten, der sich hier durch zögerliches Zupacken, durch langatmiges, gelegentlich auch breiiges Spiel bemerkbar und dadurch auch unbemerkbar macht. Das Klavier – für sich beurteilt – wirkt räumlich unpräzis lokalisiert, der Klang „entfernt“ und sonderbar verhangen – das Instrument ist, um es freundlich auszudrücken, wie aus einem Nebenraum zu vernehmen.

Besonders unglücklich verhält sich Oppitz im Verlauf der beiden Scherzi, die er tänzerisch unterbelichtet, breitspurig, teigig auswalzt. Insgesamt liegt über den vier Werken-, bzw. Werkgruppen eine Atmosphäre der Lustlosigkeit, der routinierten Sattheit. Oppitz sollte es nicht genügen, über das Gekonnte (oder das versiert „Gelesene“) nur zu verfügen. Auch wenn es sich um zahllos untersuchte, interpretierte und auf Tonträgern gespeicherte Stücke handelt wie die vier Impromptus D 935. Die einzige Rechtfertigung für eine neuerliche CD-Darstellung ist und bleibt die energische, meinetwegen schonungslose Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, das heißt: eine persönliche Perspektive, die das Bekannte in neuem Gewand erscheinen lässt (oder wenigstens den Eindruck erweckt, der Pianist hätte sich um diesen bemüht). So schleicht das berühmte Zugaben-Impromptu in As-Dur wie in Zeitlupe vorüber – und in den flotten Variations-Skalen des Rosamunde-Impromptus mangelt es an glitzernder Brillanz, zumal Oppitz den jeweiligen Passagen am Ende noch einen verwischenden Schlenker verleiht.

Vergleichsaufnahmen: D 593: Bordoni (Divox CDX 25251-2), Zitterbart (Clavier 02), Gulda (Amadeo /LP), D. Blumenthal (CYP 1621, Leonskaja (MDG 3431194-2; D 566: Richter (Moskau 1978 /Brillant Classics 92229 / V), Pirner (Farao Classics B 108039); D 935: Badura-Skoda (Genuin 86055), Barenboim (Warner 2564 69846-0), Brendel (Euroarts DVD 2056558 /1976/77 - mit Einführung), Brendel (Philips 456727-2), Haebler (Philips 456367-2), Fellner (EMI Austria/ORF 754497-2), Rubanenko (Arte Nova 56352 2), Pires (DG 457550-2), E. Fischer (Testament SBT 1145), Sato (Schubert-Wettbewerb Dortmund 2007 /Thorofon CTH 2555), Ciccolini Aldo (EMI 50999 685824 2 5).

Peter Cossé † [16.02.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Scherzo B-Dur D 593/1 00:05:09
2Scherzo Des-Dur D 593/2 00:04:55
3Klaviersonate e-Moll D 566/506 00:24:11
6Impromptu No. 1 f minor op. 142 No. 1 D 935 Nr. 1 – Allegro moderato 00:11:44
7Impromptu No. 2 A flat major op. 142 No. 2 D 935 Nr. 2 – Allegretto
8Impromptu No. 3 B flat major op. 142 No. 3 D 935 Nr. 3 – Andante
9Impromptu No. 4 f minor op. 142 No. 4 D 935 Nr. 4 – Allegro scherzando

Interpreten der Einspielung

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