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CD-Besprechung

BIS 1615

1 CD • 70min • 2006

29.01.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Fast wäre man geneigt, die Sängerin Emma Kirkby als eine „Außerirdische“ zu bezeichnen, so ätherisch, so wirklichkeitsfern erklingt der engelhaft-leichte, schwebende Ton ihres Organs. Ein ideales „Instrument“ für die Wiedergabe von Renaissance- und Barockmusik. Allerdings: Eine Stimme nicht für jedermann. Es ist vorstellbar, dass sich manche Hörer gerade von jenem „instrumentalen“ Charakter der Stimme irritiert füühlen, dass sie die „vox humana“ vermissen. Auch ist die gläsern klare Tongebung nicht allen Ohren gleich willkommen.Unantastbar bleibt jedoch die große stilistische Meisterschaft der Sängerin, die seit mehr als drei Jahrzehnten ein unverzichtbares Element der Alten Musik verkörpert. Viel Anerkennung wurde ihr zuteil, zuletzt – im Jahr 2008 – das Ehrendoktorat der Universität Oxford. Auch in den Aufnahmen aus ihren späten Sängerjahren – davon darf man bei einer im Jahr 1949 geborenen Künstlerin wohl reden – treten Können und Wissen imponierend in den Vordergrund. Dass jetzt manche Eigentümlichkeiten, manche vokale „Gesichtszüge“ stärker und schärfer hervortreten, wird man hinnehmen müssen. Dennoch: die ungewöhnlich resonanzreiche Stimme hat sich ihren unverwechselbaren Typus bewahrt, ist flexibel geblieben, der schimmernde, duftige Klang der Höhe berückt noch immer.

Was diesmal, bei der Wiedergabe der Neun deutschen Arien von Händel erschwerend ins Gewicht fällt, ist die ziemlich kuriose Aussprache des deutschen Textes. Da werden die Vokale oft unnatürlich gedehnt, verquetscht und verfärbt, die Konsonanten werden zuwenig markiert, wodurch die Textverständlichkeit nahezu wegbleibt. Somit – eine tadellose Gesangsleistung, der aber ein wichtiger Bestandteil fehlt. Die Händelschen Arien haben in einigen älteren Aufnahmen (Adele Stolte, Arleen Augér), eine weit lebens- und eindrucksvollere sprachlich-gesangliche Verwirklichung erlebt.

Ob das um 1737 entstandene Gloria (eine Kantate für Sopran) wirklich von Händel ist, scheint nicht ganz gesichert. Es handelt sich um ein sechsteiliges vokales Bravourstück, das von Emma Kirkby mit aller Kunstfertigkeit und Stilsicherheit vorgeführt wird. Das begleitende Musiker-Konsortium (Ingrid Seifert/Violine, Richard Gwilt/Violine, Charles Medlam/Violoncello und Terence Charlston/Cembalo und Orgel), bekannt unter dem Titel London Baroque, schmiegt sich mit seinem antiken Instrumentarium auf bewundernswerte Art dem Organ der Sängerin an. Als willkommenes Zwischenstück erklingt Händels Triosonate in F-Dur.

Clemens Höslinger [29.01.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Friedrich Händel
1Neun deutsche Arien HWV 202-210 00:42:27
10Sonate F-Dur HWV 392 (Dresdener Sonate) 00:10:42
14Gloria für Sopran, 2 Violinen und basso continuo 00:15:41

Interpreten der Einspielung

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