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CD-Besprechung

Joseph Haydn Londoner Symphonien 4-6

Joseph Haydn<br />Londoner Symphonien 4-6

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 06.01.10

Ars Produktion 38 062

1 CD/SACD stereo • 73min • 2008, 2009

Hätte ich mich auf die Anhörung der drei Sinfonien beschränkt, die die Cappella Coloniensis unter Bruno Weil während ihrer Haydn-Serie in der Essener Philharmonie am 26. Oktober 2008 und am 30. April 2009 aufgeführt hat, wäre ich um einige tiefergehende Fragen herumgekommen. Gewundert hätte mich allenfalls, daß neben vielen spritzigen, witzigen, charmanten Expositionen oder Episoden den motivisch sequenzierenden Entwicklungen fast regelmäßig die Puste ausgeht, wo doch zum Beispiel in dem zauberhaft dahinwalzenden Kopfsatz der „Paukenschlag“-Sinfonie oder im knorrigen Finale der Nummer 97 immer wieder die höchste Begeisterung vergnügliche Urständ feiert. Wissenswert wäre ferner gewesen, warum die Sinfonie Nr. 98 sich in einem völlig anderen, stumpferen Raum ereignet als die beiden Geschwister – was übrigens desto bedauerlicher ist, als die an sich immer wieder beglückenden Bläsernuancen der Cappella dergestalt ein bißchen von ihrem feinen Firnis einbüßen, der in den zwei anderen Werken für viel Freude sorgt und mir nicht nur im Andante mit dem Paukenschlag zufriedenes Knurren entlockte.

Nota bene: Dabei hätt’ ich’s sollen bewenden lassen. Aber nein, es ging ja nicht ohne die Bonus-CD, auf der Bruno Weil einem merklich gespannten, vielfach amüsierten Publikum die Werke erläutert. Begrüßenswert und sympathisch ist das ohne Zweifel, zumal er nicht ins Blaue und Luftleere hineinredet, sondern mit mancherlei klingenden Beispielen illustriert, worauf es (ihm) in den Kompositionen ankommt. Dabei ist seine Begeisterung für Joseph Haydn unverkennbar, und diese wird sich bei den Live-Darbietungen geradezu zwangsläufig auf alle Anwesenden übertragen haben: Daß eine „al ponticello” spielende Streichergruppe klingt, als „hätte man sich mit dem Hintern in einen Ameisenhaufen gesetzt”, trifft den Sachverhalt unvergleichlich besser als jedes hohle akustische Gerede von Formanten oder Obertönen und sorgt für eine Entkrampfung, wie sie in unserem versteiften Musik(er)leben weit häufiger vorkommen dürfte ...

Auf dem Tonträger aber werden die Erläuterungen gewissermaßen festgeschrieben. Sie „versenden” sich nicht im einmaligen, spontanen Durchgang, sondern lassen sich wiederholen, nachhören, wollen damit also auch als Maßstab für die eigentliche Interpretation verwendet werden – und gehen prompt nicht mehr ganz auf. Daß die Sinfonie Nr. 98 B-Dur ein Epitaph auf den eben verstorbenen Mozart ist? Ja, freilich, insbesondere in der langsamen Einleitung und im erschüttert-erschütternden Adagio cantabile. Daß anfangs ein Zitat aus Mozarts c-Moll-Klavierkonzert KV 491 erklingt, ist eine unüberhörbare Tatsache (und Weil läßt das Orchester die nämlichen Takte spielen), die aber erst komplett wäre, wenn auch die Rückbezüglichkeit dieses tragischen Konzertes zur Sprache gebracht würde: Haydns stürmende, drängende „Trauersinfonie” hält schließlich Mozarts gefurchtem Thema die Hand und ist auch wieder nur ein Topos. Und endlich das Finale als „eine sinnlose Hetzjagd durchs Leben?” Dann müßte man’s so spielen, daß sich die Haare sträuben, die Momente der Verzweiflung aufhäufen, nicht wie das „Hasch-mich-ich-bin-der-Frühling” zweier Porzellanfigürchen, die sich durch eine Kulisse von Watteau kokettieren. Und überhaupt: Daß der erste Violinsolist und Konzertmeister Johann Peter Salomon sich mit dem Komponisten (am Claviere) ein ausgefeiltes Duell lieferte und durch alle „krummen” Tonarten gescheucht wurde – das ist zumindest eine weitere Schicht des Werkes und der Ausdruck eines Geistes, dessen Facettenreichtum nicht einer vermeintlich alles überlagernden Naivität geopfert werden sollte.

Am Ende siegt aber doch der Enthusiasmus des Dirigenten, der sich dem Stellmachersohn aus dem Burgenlande ganz offenbar mit Leib und Seele verschrieben hat. Und wenigstens an diesem Punkte können wir uns leicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen.

Rasmus van Rijn [06.01.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Sinfonie Nr. 98 B-Dur Hob. I:98 00:25:47
5 Sinfonie Nr. 94 G-Dur Hob. I:94 (Mit dem Paukenschlag) 00:22:55
9 Sinfonie Nr. 97 C-Dur Hob. I.97 00:22:06

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Cappella Coloniensis Orchester
Bruno Weil Dirigent
 
38 062;4260052380628

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