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CD-Besprechung

L.v. Beethoven

Ondine 1 CD/SACD stereo/surround ODE 1146-5

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 11.11.09

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Ondine ODE 1146-5

1 CD/SACD stereo/surround • 73min • 2009

Bewundernswert an dieser Produktion, mit der Olli Mustonen seine Gesamtansicht auf Beethovens Klavierkonzerte beendet, ist vor allem die Tapiola Sinfonietta – dasselbe Orchester, das ich neulich erst ob seiner Carl Maria von Weber-Produktion mit geradezu ungehörigem Lob überhäufte und das sich jetzt, den Eindruck habe ich schon nach wenigen Takten, mit stoischer Selbstverleugnung den eigenartigen Anweisungen des Pianisten und Dirigenten fügt. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es einem der zweiten Geiger Freude macht, seine Begleitsechzehntel in der Exposition des Opus 58 so klingen zu lassen, als orgelte jemand im Winter an seiner eingefrorenen Zündung herum („o-i, o-i, o-i”, verzweifelte Autofahrer und Nachbarn kennen das qualvolle Geräusch). Ebensowenig vermag ich zu glauben, daß man sich mit strahlender Miene die schönsten Bläseretappen – zum Beispiel die köstliche Klarinett-Fagott-Ausführung ab Takt 276 im Kopfsatz des Opus 73 – von wütenden Klavierlawinen ganz einfach verschütten läßt. Und wie oft sich spätestens beim Abhörtermin verhaltener Groll geäußert hat, weil die pianistischen Solo-Crescendi nie wirklich als dynamischer Übergang ausgeführt sind, sondern fast durchweg mit vernehmlichem Hüpfer ins nachfolgende Tutti-Forte hineingeschossen werden, das will ich mir auch nicht ausmalen.

Dabei könnte man sich mit einigem Wohlwollen ja sogar an solche Beethoven-Betrachtungen gewöhnen, in denen auf subtile Weise an der Demontage klassischer Proportionen und wohlerwogener Abläufe gearbeitet wird. Doch mit Mustonen sind augenscheinlich die kompositorischen Pferde durchgegangen, denn ihm genügt es nicht, entweder den Rhapsoden Beethoven oder den Schicksalsbezwinger, den Gipfelstürmer oder den rücksichtslosen Satztechniker herauszustreichen, wenn er seine willkürlich gesetzten, mal überbetonten, mal mißachteten Vortragsangaben herausknüppelt – nein, er will das alles nach Art eines aufsässigen Kindes gleichzeitig und sofort: Da bröckeln dann schon mal rasante Läufe, treffen „unvereinbarste” rhythmische Verzwicktheiten geradezu lächerlich aufeinander (das Final-Hauptthema des fünften Konzerts ist die Krönung), weiß man als Hörer gelegentlich nicht zwischen gewollten Brüchen und harten Tonmeisterschnitten zu unterscheiden, fallen parallele Bewegungen und Triller auseinander ...

Bezeichnenderweise ist Olli Mustonen da, wo er ganz für sich sein darf, recht mitreißend: in den Kadenzen, die wie Inseln auf einem Konzept umherschwimmen, bei dem offensichtlich einfach mal alles anders gemacht werden sollte. Ob das reicht? Und ob die radikal unterschiedliche Akustik zwischen dem vierten und dem fünften Konzert – kaum zu glauben, daß die Stücke im selben Jahr und im selben Saal entstanden – viele Freunde finden wird? Und ob wir am Ende diese Lektion brauchen, um uns wieder einmal von der Größe Beethovens überzeugen zu lassen? Der jedenfalls steht meilenweit über dem Geschehen und sieht dem wunderlichen Treiben mit gelassenem Schmunzeln zu, wohlwissend, daß man seine großen Kreationen eh nicht wird ramponieren können.

Rasmus van Rijn [11.11.2009]

ClavierTage Göttingen

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58 00:32:31
4 Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 00:39:57

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Olli Mustonen Klavier, Leitung
Tapiola Sinfonietta Orchester
 
ODE 1146-5;0761195114650

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