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CD-Besprechung

Joseph Haydn: Philemon und Baucis (Marionettenoper mit einem Vorspiel "Der Götterrath")

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 1813

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 14.09.09

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BIS 1813

1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2008

Niemand weiß genau, wie sich zu Haydns Zeit die Marionetten-Vorführungen im Schloß Eszterháza abgespielt haben. Das Aufführungsmateral ist in vielen Fällen nur unvollständig erhalten, auch beim musikalischen Teil gibt es oft viele Lücken. Philemon und Baucis oder Jupiters Reise auf die Erde – so der komplette Titel von Haydns wahrscheinlich erster Marionetten-Oper – ist da eine glückliche Ausnahme, weil nicht alles, aber doch relativ viel vom Original erhalten geblieben ist. Das Libretto stammt von Gottlieb Konrad Pfeffel, einem Klassik-Zeitgenossen, dessen biedere Gedichte („Gott grüß Euch, Alter, schmeckt das Pfeifchen?) einstmals zum deutschen Bildungsgut gehörten. Die Geschichte, die aus Ovids Metamorphosen entnommen wurde, ist höchst einfach: Jupiter, begleitet von Gott Merkur, besucht incognito die Erde und findet da so viel Schlechtes und Böses, dass er dem ganzen Krempel ein Ende bereiten will. Doch durch die Begegnung mit dem mildtätigen Greisenpaar Philemon und Baucis wandelt sich sein Sinn und er beschließt, die Welt doch nicht untergehen zu lassen.

Für die Tonaufnahme wurde eine neue Textfassung hergestellt, die der Theatermann und Theatermacher Hermann Beil (durch Thomas Bernhard mit Literatur-Weihen gesegnet) geschaffen hat. Beil hat das Pathetische und Schwülstige weggestrichen und den Prosastellen eine unaufdringlich humorvolle Note verliehen. Da kann es freilich auch vorkommen, dass Gott Jupiter absolut heutige Umgangswörter wie „Abzockerei“ verwendet.

Die Musik zu diesem Puppenspiel, das auch eine Art Prolog („Der Götterrat“) besitzt, stammt zum Großteil von Haydn, aber auch Komponisten wie Gluck und Carlo d’Ordonez sind mit Stücken vertreten. Der durch Brahms’ Variationen bekannte „Chorale St. Antoni“ taucht in dieser Fassung als Zwischenmusik auf. Die orchestralen Stücke (zwei Ouvertüren) sind die stärksten musikalischen Momente des Werks, die Nummern der vier Gesangssolisten sind in der Struktur sehr einfach und stellen an die Ausführung keine hohe Anforderung. Einzig die Rolle der Narcissa ist mit ein paar bescheidenen Koloraturen ausgeschmückt. Das Ganze trägt eindeutig den Charakter des deutschen Singspiels.

Ein gutes Sängerquartett, bestehend aus zwei Tenören (Christoph Genz und Jan Petryka) und zwei Sopranen (Maren Engelhardt und Alexandra Reinprecht), dazu ein kleines Chor-Ensemble setzen sich mit Erfolg für das hübsche Werk ein, das fast auf die Sekunde genau eine Stunde dauert. Frank Hoffmann spricht mit sonorer Stimme die Worte des Jupiter, das Multitalent Hermann Beil stellt den Merkur dar. Die gesamte Produktion steht unter dem energischen Duktus des Haydn-Dirigenten und Haydn-Forschers Manfred Huss und bietet eine gelungene, amüsante Ergänzung zu den vielen Jubiläumsgaben, die sich im Jahr 2009 um den großen „Doktor der Tonkunst“ ranken.

Clemens Höslinger [14.09.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Philemon und Baucis (Marionettenoper mit einem Vorspiel "Der Götterrath")

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Christoph Genz Philemon - Tenor
Maren Engelhardt Baucis - Mezzosopran
Jan Petryka Aret - Tenor
Alexandra Reinprecht Narcissa - Sopran
Vocalforum Graz Chor
Haydn Sinfonietta Wien Orchester
Manfred Huss Dirigent
 
1813;7318599918136

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