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CD-Besprechung

Johann Gottlieb Graun/Carl Heinrich Graun Trios for 2 Violins & Basso

cpo 777 423-2

1 CD • 76min • 2006

26.10.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wiederholt hat sich cpo für das Schaffen der Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun stark gemacht. Als späte Fortsetzung der genau vor zehn Jahren mit den gleichen Interpreten erschienenen (und leider inzwischen aus dem Katalog gestrichenen) Triosonaten Johann Gottlieb Grauns (cpo 999 623-2) legt das Label aus Georgsmarienhütte noch einmal fünf Trios aus Dresdner Handschriften vor, wobei es aufgrund der Quellenlage meist nicht mehr möglich ist, die Werke einem bestimmten der beiden Brüder zuzuordnen.

Als Kreuzschüler wuchs Johann Gottlieb Graun im Umkreis der Dresdner Hofkapelle auf, die zu ihrer Zeit als eines der besten – wenn nicht als das beste – Orchester der Welt galt. Sein Lehrer war der Telemann-Freund und Vivaldi-Schüler Johann Georg Pisendel, der berühmteste deutsche Geiger seiner Zeit und darüber hinaus selbst ein begnadeter Komponist, Orchestererzieher und Pädagoge.

Somit war Johann Gottlieb Grauns steile Karriere als Violinist und Komponist geradezu vorbestimmt: nach kurzen Engagements in Merseburg und Arolsen trat er als Konzertmeister und Kammermusiker in die Dienste des preußischen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich und blieb in dieser Position bis zu seinem Tode 1771.

Zeitgenossen wie Johann Adam Hiller rühmen explizit seine Triokompositionen, und die große Zahl erhaltener Abschriften (nicht etwa kommerzieller Drucke, die eher für den bürgerlichen Amateurmusiker gedacht waren) legt davon Zeugnis ab, dass Grauns Kammermusik besonders bei professionellen Musikern hoch im Kurs stand. Tatsächlich zeichnen sich die hier eingespielten Trios durch eine außergewöhnliche kompositorische Qualität aus. Sie sind gleichermaßen virtuos und feurig (um mit Hiller zu sprechen) wie plastisch, poetisch und in den langsamen Sätzen voll melodischer Noblesse.

Dank gebührt dem Ensemble um Ludger Rémy, sich dieser Edelsteine angenommen zu haben. Wie schon in der Aufnahme von 1998 überzeugen Les Amis de Philippe erneut durch musikalische Kompetenz und Sorgfalt, das Sprachliche der Musik fein auslotend. Im Unterschied zur ersten Folge der Trios hat sich Rémy in dieser Einspielung für die Verwendung eines Hammerklaviers (statt eines Cembalos) entschieden, und seine im Begleittext dargelegte Argumentation dieser Wahl überzeugt: Der „empfindsame“ Klang des Hammerklaviers entspricht der Musik weit mehr als das eher „laute“ Cembalo. Rémys Continuo-Realisierung ist einfühlsam, wohl durchdacht und delikat; die beiden Geigerinnen Anne Schumann und Dorothea Vogel meistern ihren technisch wie musikalisch hoch anspruchsvollen Part mit Verve und Brillanz. Lediglich die Cellistin Monika Schwamberger bleibt klanglich sehr im Hintergrund – ob aus Kalkül oder aufgrund der Tontechnik lässt sich nicht sagen. Eine etwas klarere Zeichnung der Basslinie hätte dem Ensemble den letzten Schliff in puncto Balance gegeben.

Eine fabelhafte Aufnahme und ein gelungenes Plädoyer für die großartige Musik der Graun-Brüder. Bleibt zu hoffen, dass cpo sich auch zu einer Wiederveröffentlichung der ersten Graun-Trios mit Les Amis de Philippe entschließen kann.

Heinz Braun [26.10.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Gottlieb Graun
1Trio A-Dur GraunWV A:XV:13 00:11:42
4Trio D-Dur GraunWV Cv:XV:100 00:16:38
8Trio c-Moll GraunWV Av:XV:19 00:16:15
11Trio D-Dur GraunWV Av:XV:33 00:14:54
14Trio E-Dur GraunWV Av:XV:27 00:15:46

Interpreten der Einspielung

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