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CD-Besprechung

Johann Mattheson: Der liebreiche und geduldige David (Oratorium)

cpo 1 CD 777 360-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 24.06.09

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cpo 777 360-2

1 CD • 61min • 2007

Johann Mattheson (1681-1764), der berühmte und zugleich universelle Musikschriftsteller, Theoretiker, Kritiker und Enzyklopädist spielte bis in die Gegenwart hinein als Komponist einiger Instrumentalwerke eine weniger bedeutende Rolle. Seine zahlreichen Opern, Kantaten und Oratorien schienen jedoch unwiederbringlich verschollen zu sein. Dies erwies sich als ein Irrtum, der 1998 bei der Rückführung der aus kriegsbedingten Sicherheitsgründen verlagerten Manuskriptschätze der Hamburger Staatsbibliothek korrigiert werden konnte. Deren späte Heimkehr aus dem armenischen Eriwan ermöglicht nun die erste Wiederbegegnung mit dem Liebreichen und Geduldigen David nach dessen Uraufführung am 18. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1724. Daß dieses Oratorium tatsächlich nur eine einzige Aufführung erlebt hatte, war eine Folge von Matthesons schrulligem Fortschrittsfanatismus: Dem Komponisten und leitenden Kirchenmusiker der Hamburger Dom-Gemeinde galt jedes abgeschlossene Musikstück als veraltet.

Doch nicht nur wegen dieser Marotte ist Matthesons David-Drama von 1724 als klangschöne geistliche Oper im Sinne der von ihm verfochtenen, pedantisch geregelten „Klangrede“ und Barockästhetik eine Besonderheit. Vor allem die schwungvolle Wiedergabe des Kölner Akademie-Ensembles unter der Leitung des Amerikaners Michael Alexander Willens ist von den modernen Erkenntnissen barocker Besetzungs-, Aufführungs- und Verzierungspraxis geprägt. Die Aufführungskultur der Vokalsolisten, Instrumentalisten und einer achtköpfigen Chorgruppe führen zu einem durchaus respektablen Ohrenschmaus.

Anno 1724 wurde die eigenwillige Sicht der alttestamentarischen Vorgabe zu dem damaligen Predigttext, die Auslegung des mörderischen Konfliktes zwischen König David und seinem (hier nicht in Erscheinung tretenden) Sohn Absalom im 2. Buch Samuel, Kapitel 15 bis 19, höchst originell „christianisiert“. Es häufen sich die Besonderheiten, bis hin zu protestantischen Text- und Kirchenliedzitaten des Chores der flüchtenden Israeliter, die sich in einem „Choral der Christlichen Gemeine“ (!) wiederfinden, Vor allem aber wird durch die allegorisch eingeführte, zugleich ganz real als streitbarer Geist auftretende Person und Hauptrolle der „Meditatio“ die biblische Vorlage im Sinne der Bergpredigt, Liebesgebot und Sündenvergebung verdeutlicht. Nicht genug damit, verpflichtete Mattheson für diese Meditatio-Rolle entgegen allen bis dahin geltenden Hamburger Kirchenregeln einen weiblichen Bühnenstar der damals bereits berühmten Hamburger Oper am Gänsemarkt.

Entsprechend beträchtlich an textlichem Umfang und an sängerischen Anforderungen ist der Widerpart der „redenden“ und meditierenden Hauptfigur im Dialog mit dem gottergebenen David und dessen Gefolge. Allen Mitwirkenden voran stellt sich Nicky Kennedy als renommierte Vertreterin des Koloraturfaches mit internationaler Reputation virtuos den Zumutungen ihrer Rolle. Weder nimmt nämlich die musikalische Diktion mit ihren Koloraturen und dem Reichtum an Ornamenten Rücksicht auf eine verständliche Wortbildung, noch erleichtert das Mitlesen der verschnörkelten und allegorisch verbrämten Barocktexte im (mehrsprachigen, lesenswert-informativen) Beiheft das Verstehen. Kaum eine der weiteren Rollen hat derartige Probleme zu lösen. Möglicherweise erleichtern schlichtere, moderate Tempovorgaben ihrer Partien oder eine günstigere Mikrophonpräsenz von Fall zu Fall das Wort-Ton-Verhältnis. Denn auch der Komponist verlangte in einer seiner Hauptschriften („Der vollkommene Capellmeister“, Hamburg 1739) rigoros – ganz sicher also auch von sich selber – „die liebe Grammatic sowol als die schätzbare Rhetoric und werthe Poesie auf gewisse Weise zur Hand zu nehmen: denn ohne von diesen schönen Wissenschaften vor allem die gehörige Kundschafft zu haben, greifft man das Werck ... doch nur mit ungewaschenen Händen und fast vergeblich an“. In jedem Fall liegt mit Matthesons Geduldigem David ein musikhistorisches Dokument von besonderer Bedeutung vor.

Dr. Gerhard Pätzig [24.06.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Mattheson Der liebreiche und geduldige David (Oratorium)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Christian Hilz Bass
Nicki Kennedy Sopran
Ursula Eittinger Mezzosopran
Raimonds Spogis Bass
Max Ciolek Tenor
Chor der Kölner Akademie Chor
Kölner Akademie Orchester Orchester
Michael Alexander Willens Dirigent
 
777 360-2;0761203736027

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