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CD-Besprechung

Mendelssohn
The Piano Concertos

Mendelssohn<br />The Piano Concertos

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 08.04.09

Klassik Heute
Empfehlung

Arte Nova 88697 38622 2

2 CD • 1h 47min • 2009

Der Beginn des g-Moll-Konzerts auf CD 1, also der Einstieg in die konzertante Welt Mendelssohns, ist dazu angetan, dem Hörer im besten Sinne den Atem zu nehmen. Keine der zahlreichen Aufnahmen dieses zwischen Forschheit, mobiler Eleganz und zärtlicher Lyrik vermittelnden Werkes ist mir bekannt, die sich so energisch fordernd, so entschieden steigernd und prunkvoll schwellend bemerkbar macht wie diese mit der offenkundig nicht nur gründlich vorbereiteten Chemnitzer Robert Schumann-Philharmonie. Das Orchester wirkt vielmehr inspiriert, freudig beteiligt an allen Aktionen des Solisten. Daher wird man folgern können, dass der Dirigent Frank Beermann wertvolle Arbeit und in einem Programmpunkt auch Pionierarbeit geleistet hat.

Matthias Kirschnereit – Preisträger u.a. des Zürcher Géza Anda-Wettbewerbs – wirft sich mit starkem Ton in die aufgeregte Orchesterbrandung, zeigt unmissverständlich, wie entschieden es bei Mendelssohn um flimmerndes Brio geht, um geistvolles Auf- und Ab auf den schwarzen und weißen Tasten. Kirschnereits überzeugende Gesamtdarstellung der Mozart-Klavierkonzerte in Erinnerung (KV 175 – KV 595 / Arte Nova 82876 82576 2), mochte ich bei Erhalt der Mendelssohn-Post noch etwas zweifeln, wie sich dieser ernsthafte Musiker mit den windigen Ecksätzen der drei vertrauten Konzerte zu erkennen geben würde. Und daher noch einmal: Kirschnereit fegt mit höchsten „Tourenzahlen“ durch das lebensfrohe Terrain, vergisst dabei keinesfalls, die Ruhepunkte vorzubereiten, sie sinngebend anzusteuern, um sich dann im Folgenden mit schönem, plastisch-leisem, keinesfalls nur säuselndem Klavierton ein wenig Rast zu gönnen. Die raschen und im Ernstfall kühn forcierten Passagen sind in dieser Einspielung mit einem Elan, mit einer Kraft (und Präzision!) inszeniert, die nicht nur keinen Vergleich zu scheuen brauchen, sondern ein gutes Stück über Einspielungen etwa mit András Schiff, Cyprien Katsaris oder Elisabeth Leonskaja hinausgehen. Rudolf Serkins Version ähnelt in dieser Hinsicht verwegener „Kirschnereiterei“ noch am ehesten, aber der Deutsche – übrigens in Namibia aufgewachsene – Kollege leistet die feinmechanisch ausgefeilteren Dienste an den beiden Partituren op. 25 und op. 49.

Mit den drei bekannten Klavierkonzerten ist der hohe Wert dieser Edition keineswegs erschöpft. In „Weltersteinspielung“ bieten Kirschnereit und die Chemnitzer ein e-Moll-Klavierkonzert, dessen Fertigstellung der Komponist zugunsten des Violinkonzerts op. 64 aufgegeben hatte. Die beiden ersten Sätze sind mit skizziertem Orchesterpart und der brillanten Klavierstimme, sowie mit einer kurzen Überleitung zum Finale überliefert. Der Mendelssohn-Forscher Larry Todd rekonstruierte die beiden Sätze, sorgte ergänzend für die Aufführbarkeit und wagte es, für den dritten Satz das Finale des erwähnten Violinkonzerts sozusagen zu entwenden. Als ich dies dem Begleitheft entnahm, musste ich unwillkürlich an den russischen Trompeter Sergei Nakariakov denken, den ich vor ein paar Jahren beim Lockenhauser Kammermusifest mit eben diesem Lieblingsstück der Geiger „fremdblasen“ hörte. Todd hat für den Pianisten beste Arbeit geleistet! Dieser spritzige, springlebendige Satz funktioniert auch auf dem Klavier – zumal dann, wenn ein Musiker wie Kirschnereit die Gabe hat, seine Finger, seine Hände sicher, trickreich und redselig durch einen gewissermaßen eng geflaggten Klavierslalom zu dirigieren.

Oft sind ja vergessene, beiseite gelegte Stücke namhafter Komponisten aus der Versenkung geholt oder auch ergänzt worden (Mahler, Schubert!) – meist mit begrenztem Erfolg. Dieses dritte (bzw. vierte) Klavierkonzert jedoch könnte ein Repertoire-Stück werden!

Vergleichsaufnahmen: Op. 25 und op. 40: Schiff – Dutoit (Decca), Serkin – Ormandy (CBS), R. Schirmer – Herbig (Berlin classics 0017752 BC), Leonskaja – Volkov (MDG 943 1421-6), Katsaris – Masur (Teldec 8573-80991-2), Mamikonian – Stahl (Orfeo C 497001 A), Hobson (AR Z 6688), Kara – Myrat (Agorà 126.1), Thibaudet – Blomstedt (Decca 468600-2); op. 25: Dorfmann – Goehr (Pearl GEM 0010), Moiseiwitsch – Ronald (Piano Library 246), Petukhov – Sinaisky (Pro Domino CD 190295103); Konzert für Klavier und Streicher: Staier (Teldec 0630-13152-2)

Peter Cossé [08.04.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Mendelssohn Bartholdy Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25 00:20:18
4 Konzert Nr. 2 d-Moll op. 40 für Klavier und Orchester 00:24:41
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Konzert e-Moll für Klavier und Orchester (rekonstruiert und vervollständigt von R. Larry Todd) 00:25:30
4 Konzert a-Moll für Klavier und Streichorchester 00:36:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Matthias Kirschnereit Klavier
Robert Schumann Philharmonie Chemnitz Orchester
Frank Beermann Dirigent
 
88697 38622 2;0886973862223

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