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CD-Besprechung

Lucia Aliberti Early Verdi Arias

Challenge Classics CC72589

1 CD • 74min • 2008

07.06.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Den virtuosen Glanz und die pathetische Aura der romantischen Opernprimadonna beschwört Lucia Alibertis jüngste Aufnahme. Unter dem Titel „Early Verdi Arias" präsentiert die sizilianische Sopranistin hauptsächlich Arien aus selten gespielten Opern des Komponisten. Sie entstanden während der von Verdi mit polemischer Ironie seine „Galeerenjahre“ genannten frühen Schaffensphase, in der er jährlich eine Oper – mitunter auch zwei – zu liefern hatte. Die Auswahl erfasst die Zeit von 1840 bis 1855, von der glücklosen Buffo-Oper König für einen Tag (Un giorno di regno) bis zur Sizilianischen Vesper (I Vespri Siciliani), die allerdings schon in Verdis mittlere Schaffensperiode gehört. Daher bildet Herzogin Elenas Bolero aus dem letzten Akt dieser Oper die einzige Ausnahme im Programm der CD. Um die ebenfalls in diesem Zeitraum entstandene „romantische Trilogie“ der Repertoiresäulen Rigoletto, Troubadour und Traviata wurde, daher bewusst, ein Bogen gemacht.

Obwohl einem breiteren Publikum nicht geläufig, lassen die zwölf Stücke, gelegentlicher Vereinfachungen der Faktur ungeachtet, den unverwechselbar eigenen Stil und das charakteristische Idiom ihres Schöpfers in bereits plastischer Ausprägung erkennen: sein zündendes Brio, die elementare Gewalt des Rhythmus, seinen mitreißenden, genuin dramatischen Impuls, seinen ausladend melodieseligen, akzentfreudigen lyrischen Impetus. Nachdrücklich hervorgehoben seien in diesem Zusammenhang die berückend schönen melodischen Eingebungen, die Herztöne der Arien der Lucrezia aus den Beiden Foscari (I due Foscari) und der Mina aus Aroldo (der zweiten Fassung des Stiffelio).

Lucia Aliberti profiliert sich in diesem Repertoire als authentische Verdi-Stilistin mit kostbarem Timbre von dunklem Glanz in der sonoren Mittellage und hell strahlendem Spitzenregister. Zu hören ist Belcanto in exemplarischer Vollendung, kunstvoll-künstlicher Ziergesang, wenn man will, Kehlkopfakrobatik bravourösester Art (bei dem minimale Ungenauigkeiten kaum ins Gewicht fallen). Dabei nimmt die Sängerin sehr für sich ein durch den Feinschliff ihrer Passagen und Läufe, die Brillanz der gestochen scharf angelegten Verzierungen, der Staccato-Töne und Intervallsprünge, so etwa in Elviras Cabaletta aus Ernani. Ebenfalls für extrem hohe vokale Ansprüche stehen der geschmeidige, elegante Ansatz der schwelgerisch expressiv nach oben strebenden Koloraturen in der vorausgegangenen Arie und die Leichtigkeit der Stimmführung in der Kavatine der Titelgestalt aus Alzira. Nicht zu vergessen freilich die messa di voce, das kunstvolle An- und Abschwellen des Tons, und die Pianokultur der Sängerin. Die in zartesten, fast flüsternden Tönen hingehauchte Kadenz der Giovanna d’Arco stellt auf jeden Fall ein Ereignis für sich dar.

Mit anderen Worten: Lucia Aliberti glänzt auf der vorliegenden CD durch die großzügige Attitüde der Diva, Heroine und Virtuosin. Überdies zeigt sie zugleich stets wachen Willen zum Formen, gestalterische Fantasie, ausgeprägtes Gespür für Einzelheiten der Phrasierung, Artikulation und Farbgebung, singt also durchweg eminent musikalisch, mit leidenschaftlicher Hingabe. Wobei die Sopranistin in erster Linie Lyrikerin und Ästhetin des Gesangs ist, der es mehr auf beseelte Schönheit als auf dramatische Verve und geschärfte Akzente ankommt. Besonders deutlich kam diese Tendenz in Odabellas Arie aus dem Prolog von Attila zum Vorschein, in der ein härterer Zugriff und heftigere, erregtere Töne ebenfalls denkbar wären. Um so begeisternder wirken dafür die hoch sensibel, in beseelten Tönen und brillant vorgetragenen Kavatinen aus den Beiden Foscari und Aroldo.

Unter Oleg Caetanis sicherer und energischer Stabführung sind das Orchestra Sinfonica und der Coro Sinfonico di Milano „Giuseppe Verdi“ der Primadonna sehr solide, auch zu eigenen musikalischen Initiativen fähige Partner. Bei den düster bizarren Klängen der Einleitung zur Arie der Alzira entwickelt der Dirigent einigen Farbsinn, die zur Elvira-Arie aus Ernani klingt dagegen eher eilig und beiläufig.

Gábor Halász [07.06.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giuseppe Verdi
1Mercè, dilette amiche (from: I Vespri Siciliani) 00:03:23
2Tu del mio Carlo al seno - Carlo vive? 00:06:17
4Da Gusman, su fragil barca - Nell'astro che più fulgido 00:07:36
6Allor che i forti corrono - Da te questo or m'è concesso 00:05:24
8Ah! Dagli scanni eterei - Ah, dal sen di quella tomba 00:07:09
10Se vano é il pregare - I vinti sorgono 00:08:10
12Sempre all'alba ed alla sera 00:04:18
13Non san quant'io ne petto - Non vo' quel vecchio 00:07:59
15Voi lo diceste - Quante volte come un dono - A frenarti, o cor, nel petto (from: La Battaglia di Legnano) 00:07:40
17Ernani! Ernani, involami (from: Ernani) 00:07:40
19Tu al cui sguardo onnipossente - O patrizi, tremate 00:06:20
21Si colmi il calice 00:03:03

Interpreten der Einspielung

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