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CD-Besprechung

Roger Norrington

Bruckner

SWRmusic 93.243

1 CD • 75min • 2008

24.08.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Roger Norrington setzt mit dem RSO Stuttgart, dessen Chefdirigent er seit 1998 ist, unter anderem die Klangerkundungen fort, die er in den 1990er Jahren zuerst mit den von ihm gegründeten London Classical Players begann. Ich erinnere mich noch gut, mit welcher Skepsis ich Norringtons 1995 erschienene Aufnahme der Dritten von Bruckner in die Hand nahm und wie erfrischend und überraschend dann die Hörerfahrung war: Ein Bruckner, wie man ihn bis dato nicht gehört hatte.

Das Prinzip ist geblieben: Norrington versucht, dem Brucknerschen Klangideal „so nahe wie möglich zu kommen“, wie er selber sagt. Das Stuttgarter Orchester spielt auf modernen Instrumenten, in der seinerzeit üblichen Besetzung und in der Wiener Aufstellung. In punkto Bogenführung, Phrasierung, Artikulation und Tempi hält sich Norington mit seinen Musikern an die neuesten Erkenntnisse zu den Werken. Schließlich wird (natürlich) ohne Vibrato musiziert.

Norringtons Lesart der Siebten ist plausibel, interessant, teilweise überraschend – es geht weniger um die interpretatorische „Wahrheit“ als um Annäherungen an eine Musik, die in der Regel anders zu hören ist: größer besetzt, kompakter im Klang, zeremonieller und feierlicher im Gestus. Wichtiger als alle Musikphilologie ist indes die Absicht, Bruckner „ein ’menschliches Gesicht‘ zu geben und nicht nur eine quasi-religiöse Abstraktion von ihm“, so Norrington. Er betont zu Recht ausdrücklich, Bruckners Sinfonien seien keine sakralen, sondern weltliche Werke, in denen es auch deskriptive und tänzerische Musik gibt, überraschende dramatische Passagen und Pausen.

Norringtons Tempi sind gewagt. Das Moderato des Kopfsatzes wird schon recht forsch angegangen, das Hauptthema geradezu rasch und drängend. Dass das Adagio alles andere ist als „sehr feierlich und sehr langsam“, das Hauptthema kurz artikuliert wird, das Orchester nie schwelgerisch klingt und der große Höhepunkt nicht monumental inszeniert wird, dürfte Hörer am meisten irritieren. Auch im Finale werden liebgewonnene Hörgewohnheiten enttäuscht: der Beginn ist ziemlich rasch, das Hauptthema sehr bewegt, ja drängend. Gelegentlich wirkt dieser „weltliche“ Bruckner verstörend, etwas zu leicht, fehlt das Sinnliche. Man muss Norringtons Sicht nicht in allen Aspekten teilen, diese Aufnahme ist gleichwohl ein ernstzunehmender, interessanter und wichtiger Beitrag zur Bruckner-Interpretation, immer anregend und das Bewusstsein für diese Musik schärfend.

Peter Heissler [24.08.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Bruckner
1Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107

Interpreten der Einspielung

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