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CD-Besprechung

zeitgenossen Musik der Zeit 35

Hastedt Verlag und Musikedition HT 5335

1 CD • 77min • 1975, 1995, 1998, 1999, 2002

10.02.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Religiöse Chormusik, komponiert in der ehemaligen DDR wie auch nach ihrer Auflösung, wird anders klingen als ein blues-soulgeprägter Südstaaten-Gottesdienst, anders als eine silbergraue Arvo-Pärt-Exegese, anders als Messiaens spiritueller Exotik-Rokoko, anders als der rituelle Drive der religiösen Werke des späten Strawinsky oder des noch nicht ganz so späten Steve Reich. Vielleicht könnten Hugo Distler, Ernst Pepping oder überhaupt Hindemith musikalisch näher liegen – also eine Stilistik, die in ihrer Vokalgestik, ihrer Art oder Chorbehandlung und ihrer Satztechnik in der mitteleuropäischen Tradition wurzelt: eine Musik, die nicht wirklich schwingt, eine Musik, die unter „Rhythmus" die Art ihrer vokalen Artikulation versteht, ohne dabei eigene rhythmisch-rituelle Energie- und Zeitbögen zu entfalten, Musik, die teilweise interessante, auch expressive harmonische Konstellation hervorbringt, aber sich doch nicht wirklich auf einen harmonischen Sound einlässt, Musik, die buchstabiert, schreit, Worte ausspuckt und an Texten entlang läuft, aber nicht im Innersten des Klangs ankommt.

Der 1935 in der Oberlausitz geborene, seit 1959 an der Dresdner Musikhochschule tätige Manfred Weiss komponierte neben zahlreichen sinfonischen und kammermusikalischen Werke auch Chorzyklen, textlich im Kontext christlicher Tradition, musikalisch im Einflussbereich eines gemäßigten Klassizismus. Der deklamatorische, immer wieder mit chortypischen Imitationen versehene Tonfall atmet allerdings einen so ausgeprägten akademischen Geist, dass das gefährliche und schnell im Sinne ideologischer Abwertung missbrauchte Wort „Akademismus" hier doch bedauerlicherweise fallen muss. Allzu eingeübte Klischees der Satztechnik verbinden sich nahtlos mit einer weder rhythmisch noch melodisch prägnanten, allzu beliebigen Gestik, die sicherlich den Text und gewiss auch manchen Affekt klar wiedergibt, aber nicht das Gefühl einer wirklich inspirierten Musikalisierung aufkommen lässt. Auch die monorhythmischen Unisoni, etwa in der Mottete nach dem 1.Korinther 13, wirken in ihrer Textartikulation wie eine künstlich von außen gesetzte Klangfassade und nicht wie eine aus einem inneren Singen sich aufbauende Musik. Immer wieder und gerade auch aufgrund der Fülle chorisch-satztechnischer Tricks vergibt die Musik die Chance einer wirklichen Intensivierung, wie sie sich um des religiösen Hintergrunds willen eigentlich aufdrängen müsste, sei es durch ein rituelles Innehalten oder durch eben akademisch nicht wirklich greifbare Verfahren, die dem Gehör und der Seele des Zuhörenden doch immer auch etwas verschlüsselt bleiben. Hier jedoch bleibt alles in der Sphäre einer mottetenartige Gebrauchsmusik, deren Vokabular rasch ermüdet.

Hans-Christian v. Dadelsen [10.02.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Manfred Weiss
1Singet dem Herrn ein neues Lied (Psalm 98) 00:07:39
2Der Herr ist mein Hirte (Psalm 23)
3Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele! (Psalm 146)
4Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn (Psalm 6) 00:10:31
5Gott ist unsre Zuversicht und Stärke (Psalm 46)
6Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird (Psalm 126)
7Ich schreie zum Herrn mit meiner Stimme (Psalm 142)
8Die Erlösten Gottes (Kantate nach der Offenbarung des Johannes) 00:22:18
15... aber die Liebe ist die großte unter ihnen (Motette nach 1. Korinther 13) 00:16:54
21... wie im Tode das Leben beginnt (Chorzyklus auf Gedichte von Paul Celan und Nelly Sachs) 00:19:23

Interpreten der Einspielung

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